„Schwerstarbeit“ im Allwetterzoo Münster

Foto: Allwetterzoo Münster

Die Zoobesucher in Münster freuen sich seit Wochen über das laute Geklapper hoch über den Anlagen der Pferde, Elefanten, Zebras oder Geier. Immer wenn ein Altstorch mit Regenwürmern oder anderer Beute zum Nest zurückkehrt, klappert der Partner – und viele Nachbarn stimmen ein. Die Weißstörche im Allwetterzoo lieben die Gesellschaft und brüten erstaunlich nah beieinander. So ziehen allein auf den Pfeilern und dem Gittergeflecht der Großflugvoliere fünf Brutpaare insgesamt elf Storchenküken auf.

Einen guten Blick auf die Weißstörche bietet der Aussichtsturm vor der Baustelle des Elefanten-Parks. Von dort oben kann man fütternde Eltern und beinahe flügge Jungstörche in drei Horsten beobachten. Bald wird der Nachwuchs mit ersten Flugübungen beginnen: Die Jungstörche – und der größere Teil der Altstörche – fliegen Ende August in den Süden und überwintern in Spanien. Die meisten kommen in der ersten Märzhälfte zurück, um mit dem Brutgeschäft erneut zu beginnen. Die Weißstörche haben sich freiwillig im Allwetterzoo angesiedelt. Auch wenn sie im Zoo bequem an Futter kommen, finden sie einen Teil ihrer Nahrung im Umland, z.B. in den Flachwasserbereichen des Flüsschens Aa oder auf den umliegenden Wiesen und Feldern. Das Münsterland bietet den Störchen nur an ganz wenigen Stellen einen geeigneten Lebensraum. Deswegen strebt der Zoo auch keine Vergrößerung der Brutkolonie an.

Insgesamt werden in diesem Jahr im Zoo 32 Jungstörche aufgezogen. Michael Tillmann von der NRW-Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch, der seit über zehn Jahren die Entwicklung des Storchenbestandes im Zoo verfolgt und dokumentiert, entdeckte in zwei Horsten sogar je fünf Jungstörche, was sehr ungewöhnlich ist. Dass die Störche so viel Nachwuchs aufziehen können, hängt sicher mit dem großen Angebot an Mäusen zusammen: „2012 ist ein Mäusejahr!“, erklärte der Storchenexperte. Wer genau hinschaut, kann über den Anlagen der Pferde und Elefanten die Nester mit je fünf Jungen entdecken. Im Gegensatz zu ihren Eltern haben diese noch schwarze Schnäbel.

Michael Tillmann liest auch die Ringnummern der Störche im Allwetterzoo ab. Nur rund die Hälfte der Altstörche ist beringt, doch einige von ihnen kommen von weither. Es gibt Störche aus Nordbaden, Südbaden oder Hessen und sogar aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Aufgrund der Beringung erfuhr Anfang Mai die Vogelwarte in Darmstadt vom Tod eines dort geschlüpften Vogels: Der männliche Storch DEW5X475 hatte sich in die Anlage der Nasenbären verirrt. Bevor ein Pfleger den Storch bergen konnte, hatten die kleinen Raubtiere ihn schon tödlich verletzt.

Ringnummern geben aber nicht nur Auskunft über die Herkunft der Störche, sie können auch für Verwirrung und Erheiterung sorgen. So ist ein 1997 in Münster geschlüpfter Weißstorch inzwischen als „Terroristenstorch“ bekannt. Im September 2001, nach den Anschlägen in New York, erreichte im Raum Wolfsburg ein Fax den falschen Empfänger. Der Text bestätigte die Anwesenheit von „T072“ auf dem Nest. Man hielt das Fax für eine codierte Nachricht von Terroristen und die Kriminalpolizei suchte den Absender und den richtigen Empfänger, einen Pfarrer, auf. Beide konnten den wahren Sachverhalt sehr schnell aufklären…

Quelle: PM Allwetterzoo Münster