Affenberg Salem: Berberaffe Arnie geht auf Brautschau

Arnie beim ‚Freundschaftsdienst‘ – Fellpflege ist die beste Möglichkeit, freundschaftlichen Kontakt mit der neuen Gruppe aufzubauen. – Foto: Affenberg

Arnie brauchte Ausdauer und ein Geschick zum Netzwerken, um sein Vorhaben um-zusetzen. Der fünfjährige Berberaffe ist inzwischen geschlechtsreif, doch in seiner Herkunftsgruppe sah er keine Perspektiven. Berberaffenmännchen verpaaren sich in der Regel nicht innerhalb der eigenen mütterlichen Verwandtschaftslinie. Da Arnie aus einer sehr großen Familie stammt und somit nur wenige potentielle Paarungspartne-rinnen in seiner Geburtsgruppe vorfand, entschloss er sich, seiner Heimatgruppe Adieu zu sagen. Der Zeitpunkt war ideal, denn mit fünf Jahren ist er noch nicht voll ausgewachsen und wird somit von den Männchen der neuen Gruppe nicht als Kon-kurrent wahrgenommen. Ein weiterer Vorteil: In der neuen Gruppe gibt es kaum gleichaltrige Konkurrenten – gute Aussichten für Arnie. Und doch brauchte es in mo-natelanger und mühevoller „Kleinarbeit“ ständige freundliche Kontaktaufnahmen, insbesondere in Form von ‚Fellpflegediensten‘, um zunächst von den Tieren am Rand der neuen Gruppe akzeptiert zu werden und sodann endgültige Annahme zu finden. Ein Zurück hätte ihm die alte Gruppe verwehrt. Arnie hat es geschafft und kann sich nun auf die Paarungszeit im Herbst und Frühwinter freuen, denn alle Weibchen in der neuen Gruppe sind mit ihm nicht verwandt und kommen somit als mögliche Paa-rungspartnerinnen in Frage.

„Dies ist eine natürliche Strategie der Berberaffenmännchen, die hilft Inzucht zu vermeiden und die Gruppen mit ‚frischen Genen‘ versorgt“, erklärt Parkleiter und Biologe Dr. Roland Hilgartner. „Arnie gehört zu dem Drittel der männlichen Jungtiere, die wechseln, auch wenn sie nicht mit offenen Armen empfangen werden. Manche sind gewitzt, knüpfen rasch neue Netzwerke und kommen schneller ins Zentrum der neuen Gruppe. Andere tun sich schwe-rer.“ Das Affenberg-Team hat ein Auge auf diese spannenden Prozesse und zeigt den Besu-chern auch gerne Arnie in seiner neuen Gruppe am großen Platz des Waldgeheges. Unter den rund 200 Tieren kann der Gruppenwechsel wie in freier Wildbahn verlaufen. So stammt auch die einzige wissenschaftliche Studie zu dieser wichtigen Verhaltensweise der Berberaf-fen vom Affenberg beim Bodensee. Andere Parks und Zoos müssen ihre Jungtiere einfan-gen und mit anderen Einrichtungen tauschen, um Inzucht in der Gruppe zu vermeiden.

Die acht munteren Affenbabys interessiert das wenig. Während die zwei im Juli geborenen Nachzügler noch viel kuschelige Affenliebe brauchen, sind die anderen schon dabei, neugie-rig ihre Umgebung zu erkunden oder vom sicheren Ausblick auf den Rücken starker Männ-chen Neues zu entdecken. Die kleinen und großen Besucher können die süßen Babys ent-lang des Rundweges ganz ohne trennende Zäune beobachten. Dazu gibt es neben interakti-ven Infotafeln von den Parkbetreuern spannende Details zu der cleveren Affenbande.

Bei den Jungstörchen stehen nun eifrige Flugübungen an. „Je nach Thermik zeigt sich über dem Affenberg derzeit ein faszinierendes Bild dieser herrlichen ‚Segelflieger‘, ist Roland Hil-gartner immer wieder begeistert. „Bis zum Start für den großen Vogelzug nach Süden wer-den sie alle fit genug sein.“ Auch an der Storchenwiese und im Damwildgehege gibt es idea-le Beobachtungsmöglichkeiten und viel Wissenswertes zur Lebensweise der Tiere.

Quelle: PM Affenberg Salem