Affenberg Salem: Jungtiere besuchen fremde Affengruppen

Ronja mit Spielkamerad - Foto: Affenberg Salem

Ronja mit Spielkamerad – Foto: Affenberg Salem

Berberaffenmädchen Ronja überwindet Grenzen
„Räubertochter“ am Affenberg Salem beim Bodensee

Wer durch das große Waldfreigehege am Affenberg Salem spaziert, bemerkt selten, dass sich die rund 200 Berberaffen nicht alle grün sind. Tatsächlich gibt es dort drei Gruppen mit 50 – 80 Mitgliedern, die ihr jeweiliges Streifgebiet haben. Zieht die eine Gruppe etwas mehr in den unteren Waldbereich, so weicht die andere Gruppe aus – man will sich auf keinen Fall zu nahe kommen! So kann es auch sein, dass man zwei Alttiere beim Rundweg sieht, die sich gegenseitig beobachten: Hält der andere den gebührenden Abstand ein? Falls nicht, kann es schon mal zu lautstarken Gruppenstreitigkeiten kommen.

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Arnie beim ‚Freundschaftsdienst‘ – Fellpflege ist die beste Möglichkeit, freundschaftlichen Kontakt mit der neuen Gruppe aufzubauen.  - Foto: Affenberg

Foto: Affenberg Salem

In der Regel halten sich alle dran, wäre da nicht Ronja, ein vorwitziges Berberaffenmädchen. Als Jährling genießt sie noch eine gewisse Narrenfreiheit und nutzt diese gerne aus. Sie hat nämlich in der anderen Gruppe einen gleichaltrigen Spielkameraden entdeckt und – Grenze hin oder her – ein munteres Spiel angefangen. Bald schon tun es ihr andere gleich und so kommt es zum fröhlichen Toben der Jährlinge verschiedener Gruppen. Meist sind die erwachsenen Tiere tolerant, doch wird ihnen das gemeinsame Spiel zu intensiv, gehen sie dazwischen und die Kleinen trotten wieder zurück zu ihrer jeweiligen Gruppe. Doch Ronja hieße nicht wie die bekannte Titelheldin „Ronja Räubertochter“ aus dem Buch von Astrid Lindgren, würde sie sich davon einschüchtern lassen. So sucht sie immer wieder Kontakt mit ihren gleichaltrigen Freunden über die Grenzen der Erwachsenen hinweg.

„Das Areal für die Berberaffen ist mit 20 ha groß genug für alle drei Gruppen. Die Berberaffengruppen vermischen sich nicht und achten entsprechend auf einen gebührenden Abstand“, erklärt Parkleiter und Biologe Dr. Roland Hilgartner. Er und sein Team beobachten den „verbotenen“ Grenzübertritt von Ronja und ihren Kameraden immer wieder und informieren die Besucher gerne, was es damit auf sich hat. Bei den jungen Männchen hingegen ist die „Grenzüberschreitung“ gar nicht ungewöhnlich. Ein Teil von ihnen verlässt meist vor der Geschlechtsreife die Geburtsgruppe, um sich in eine neue Gruppe zu integrieren. Hierbei handelt es sich um eine natürliche Strategie der Berberaffen, Inzucht zu vermeiden. Die Weibchen hingegen bleiben ein Leben lang in ihrer Geburtsgruppe. „Das wird auch sicherlich bei Ronja so sein“, erklärt Hilgartner.

Foto: Affenberg Salem

Foto: Affenberg Salem

Beim Rundgang sieht man jedenfalls gleich, dass es den vielen süßen Affenbabys und Jungtieren hier richtig gut geht. Ganz im Gegensatz zu ihren Verwandten in Algerien und Marokko. Dort fangen Wilderer Berberaffenbabys ein und verkaufen sie an Touristen oder handeln mit ihnen. Der Affenberg Salem und seine Partnerparks unterstützen auch in diesem Jahr finanziell und mit Know How die Arbeit der Moroccon Primate Conservation (MPC) im Nationalpark des Mittleren Atlasgebirges. Sie bildet derzeit Marokkaner im „Monkey-Watch“-Programm aus, um Einheimischen und Touristen bei Führungen Interessantes zu den wild lebenden Berberaffengruppen zu berichten und sie für den Schutz dieser Tiere zu sensibilisieren. Über die gefährdeten Affenbabys in Nordafrika berichten auch die Tafeln der „Affen-Zeitung“ beim Eingangsbereich zum Freigehege in Salem. Da freuen sich die kleinen und großen Besucher umso mehr über die putzmuntere Affenbande im beliebten Tierpark beim Bodensee.

Quelle: PM Affenberg Salem