Allwetterzoo Münster rettet bedrohte Affen in Vietnam

Foto: Allwetterzoo Münster

Die Halong-Bucht im Norden Vietnams zählt zu den UNESCO-Welterbestätten. Sie ist der Lebensraum für eine von der Ausrottung unmittelbar bedrohte Primatenarten, den Cat Ba- oder Goldkopflanguren. Auf der größten Insel des Archipels, Cat Ba, leben die letzten 50 bis 60 dieser Affen. Sie sind eine der seltensten Tierarten Vietnams und eine der seltensten Affenarten weltweit. Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich der Allwetterzoo Münster gemeinsam mit Partnern aus aller Welt für das Überleben der letzten Cat Ba-Languren.
Gerade erst kehrte Jörg Adler, Zoodirektor in Münster, von einer im internationalen Artenschutz bisher einmaligen Mission zurück, der Umsiedlung von zwei weiblichen Cat Ba-Languren. Sie sollten von einer kleinen Nachbarinsel nach Cat Ba zurückgeführt werden, weil nur dort noch Artgenossen leben.
Drei Tage nach Rückkehr von Jörg Adler kam aus Vietnam die überaus erfreuliche Nachricht, dass die beiden umgesiedelten Languren bereits Anschluss an eine andere Gruppe gefunden haben!
Seit über fünf Jahren wurde dieses Pilotprojekt unter Leitung des Allwetterzoos vorbereitet. Die erste Projektleiterin, Dr. Roswitha Stenke und ihre Nachfolgerin, Daniela Schrudde, hatten den erforderlichen Masterplan samt Risikoabschätzung erstellt und bei den zuständigen Behörden eingereicht. Nachdem ein Unterstützungsschreiben der Weltnaturschutzunion (IUCN) und die erforderlichen Genehmigungen lokaler und regionaler Behörden Vietnams vorlagen, wurde ein internationales Expertenteam unter der Leitung des derzeitigen Projektleiters, dem Amerikaner Richard Passaro, auf der Insel Cat Ba stationiert und mit dem Projekt vertraut gemacht. Dieses Team führte nach entsprechendem Training und den für alle Beteiligten erforderlichen strengen Gesundheitschecks die für Anfang November 2012 geplante Umsiedlung durch.
Zwei Weibchen der durch Wilderei und Lebensraumverlust extrem bedrohten Cat Ba-Languren lebten seit den 1990er Jahren auf der Nachbarinsel Don Cong, von der sie keinen Zugang mehr zur Hauptinsel Cat Ba hatten. Ein ursprünglich die beiden Inseln verbindender Mangrovengürtel war für den Ausbau von Fisch- und Shrimpsfarmen vernichtet worden. Dadurch wurde eine Rückkehr unmöglich. Die Affen übernachten in den zahlreichen Höhlen der Karstfelsen dieses Inselarchipels. Eine der Höhlen, die von den beiden Weibchen regelmäßig zur Übernachtung aufgesucht wurde, war in den vergangenen 18 Monaten mit aufwendigen technischen Maßnahmen mit einer in Münster entwickelten Netzfalle versehen worden.
Am 10. November schnappte die Falle am frühen Abend zu, die Languren waren in der Höhle gesichert. Gegen zwei Uhr am nächsten Morgen begann dann eine beispiellose 19-stündige Aktion zur Umsiedlung der Affen. In der nur über Bambus- und Strickleitern erreichbaren Höhle in ca. zwölf Metern Höhe wurden beide Tiere per Blasrohr betäubt und dann in Körben zu Boden gelassen. Zwei erfahrene australische Tierärzte schlossen sie, mitten im felsigen Urwald, an ein Narkosegerät an und untersuchten sie. Es wurden Blut- und Haarproben entnommen, der Körper vermessen sowie GPS-Halsbandsender angelegt. Damit ist eine Überwachung der Aufenthaltsorte und der täglichen Wanderungen der Tiere gewährleistet.
Nach dem Erwachen aus der Narkose wurden die Languren in zwei Transportboxen von einem zehnköpfigen Expertenteam auf die Insel Cat Ba gebracht. Eine Fimcrew aus Deutschland hat die dreistündige Fahrt mit Schnellbooten ebenso begleitet wie die gesamte Aktion. Auf Cat Ba wurden die Languren in einem eigens errichteten geräumigen Käfig etwa eine Stunde beobachtet. Nach dem Öffnen der Käfigtür entschwanden die beiden Cat Ba-Languren mit wenigen Sprüngen in ihren neuen Lebensraum. „Dieser Moment, dieser Sprung in ein neues Leben, war für mich das größte emotionale Erlebnis in meiner langjährigen Arbeit in Vietnam. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für den Artenschutz“, so Zoodirektor Jörg Adler unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland.
Bei einer derart geringen Restpopulation von knapp 60 Individuen ist jedes Tier von besonderer Bedeutung für die genetische Vielfalt und die Erhaltung der Art. Deshalb wurde die Rückführung der beiden Languren in ihren ursprünglichen Lebensraum seit Jahren akribisch geplant und mit erheblichem finanziellen und personellen Aufwand durchgeführt. Neben der Bedeutung für diese Art ist diese erfolgreiche Aktion auch eine Werbung für den Artenschutz.

Quelle: PM Allwetterzoo Münster