Bilanz 2016: Wilhelma zieht gemischtes Fazit – Aquarium feiert 2017 Jubiläum

Säbelantilopen – Foto: Wilhelma Stuttgart

Nach einem Jahr mit schwierigen Rahmenbedingungen zieht die Wilhelma in Stuttgart eine gemischte Bilanz. „Als zoologisch-botanischer Garten können wir zufrieden sein, wir hatten 2016 einige Höhepunkte und Neuheiten – und auch für 2017 haben wir spannende Dinge in Vorbereitung“, sagt Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Die Besucherentwicklung ließ aber zu wünschen übrig. Darüber machen wir uns Gedanken.“ Der Absatz an Tageskarten ging im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent zurück. Trotzdem wurde mit etwas mehr als 69 Prozent ein hoher Kostendeckungsgrad erreicht.

Zwei markante Neuzugänge stachen 2016 besonders hervor: Zum einen zeigt das Aquarium als einziges in Europa die außergewöhnlichen Fetzenseenadeln. Diese Verwandten der Seepferdchen sind Künstler der Tarnung. Zum anderen zog mit den Säbelantilopen eine Tierart in die Wilhelma ein, die in der Natur komplett ausgestorben ist. Nachzuchten im Zoo sollen die Wiederansiedlung in der Wildnis ermöglichen. Mit drei Vögeln beteiligte sich die Wilhelma im vergangenen Jahr wieder an einem erfolgreichen Auswilderungsprojekt in Bulgarien. Auf dem Balkan werden Gänsegeier, die dort ausgerottet waren, wieder freigelassen.

An der zukunftsweisenden Ausrichtung der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA) wirkt die Wilhelma seit 2016 unmittelbar mit: Dr. Kölpin wurde in das Führungsgremium der EAZA gewählt, die fast 400 Mitgliedsorganisationen in 43 Ländern in Europa und dem Nahen Osten zählt.

Die größte Aufmerksamkeit der Medien erhielt der 50. Geburtstag von Hannibal. Mit diesem für Zwergflusspferde einmaligen Alter baute der Weltrekordler seine Bestmarke noch aus. Mit 140 Menschenjahren wurde sein Lebensalter verglichen. Sechs Wochen nach dem runden Geburtstag schlief der Methusalem ganz ruhig für immer ein.

Zwei Premieren hatte die Wilhelma 2016: Im Frühjahr gingen erstmals rund 300 Stars aus der international bekannten Orchideensammlung auf Reisen und gaben ein Gastspiel in der Schweiz. Bei der renommierten Orchideenschau in Bern gewannen die extravaganten Pflanzen aus der Wilhelma die höchsten Preise. Im Herbst machte eine Sonderveranstaltung Furore: Zu dem Debüt von Halloween in dem Ambiente der historischen Parkanlage kamen fast 15.000 Besuchern. Das war der zweitbeste Tageswert 2016.

Die starke Resonanz zu bestimmten Zeiten täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass merklich weniger Menschen in den zoologisch-botanischen Garten gekommen sind. Verschiedene Faktoren kamen zusammen: Die Feiertage und Ferien im Frühjahr waren zu einem großen Teil verregnet. Und mit dem Juni war einer der ansonsten besten Monate fast durchgehend ungewöhnlich nass. Großräumige Unwetterwarnungen schreckten 2016, obwohl sie sich für Bad Cannstatt nicht bewahrheiteten, potenzielle Besucher ab. „Auch Baustellen für das Projekt B10 / Rosensteintunnel vor unserer Haustür samt den damit verbundenen Straßensperrungen und Unterbrechungen der Stadtbahnlinie U14, die uns immer wieder an Wochenenden ereilten, haben dazu beigetragen, die Menschen zu verunsichern“, erklärt Dr. Kölpin. „Manch einer wollte sich den Unabwägbarkeiten nicht aussetzen und verschob den Wilhelma-Besuch auf unbestimmte Zeit. Hier hoffen wir auf baldige Besserung, auch weil die Stadtbahn-Haltestelle direkt am Haupteingang in Betrieb gegangen ist. Die Aussichten für 2017 sind vielversprechend.“

Positiv stimmt der Jahresauftakt 2017: Am Ende der ersten Woche kam ein Jungtier der höchst seltenen Hirscheber auf die Welt. Von ihnen existieren in ihrer Heimat, dem Regenwald Indonesiens, schätzungsweise nur noch 4000 Tiere. Zu feiern ist 2017 das 50-Jahr-Jubiläum des Aquarien- und Terrarienhauses, dem mit 800 Tierarten größten Hort der Artenvielfalt in der Wilhelma. Zwei 2016 begonnene Bauprojekte finden demnächst ihren Abschluss. Mit Spannung erwartet wird die Eröffnung des neuen Hauses für kleine Säugetiere, Vögel und fleischfressende Pflanzen in diesem Sommer. Das zweite Projekt ist der Neubau eines Außengeheges für Schneeleoparden, das vier Mal größer sein wird als das alte. Geht alles nach Plan, könnte gegen Ende des Jahres noch ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen: die Rückkehr der Löwen. Ziehen die Schneeleoparden im Herbst in ihr neues Domizil, entsteht Platz im Raubkatzen-Revier für die „Könige der Tiere“. Löwen gab es seit 2008 in der Wilhelma nicht mehr.

Um eine bessere Planungsgrundlage zu erhalten, hat die Wilhelma ihre Besucherstatistik auf eine neue Basis gestellt. Denn eine fixe Größe war bisher nur der Kartenverkauf. Wie oft die Dauergäste ihre Jahreskarte benutzen, erforderte Schätzungen. „Die traditionelle Berechnungsweise hat mit der tatsächlichen Entwicklung nicht Schritt gehalten“, erklärt Dr. Kölpin. „Daher haben wir in moderne Technik investiert. Die bisher notwendigen Hochrechnungen ersetzt jetzt eine automatisierte Zählung aller Besucher.“ Für 2016 liegt die erste Vollzählung vor. Der Wert beläuft sich auf 1,3 Millionen Besucher“, berichtet Dr. Kölpin. Im Gegensatz dazu würde das bisherige Berechnungsverfahren 2,2 Millionen Besucher für 2016 ausweisen, nur knapp weniger als der für 2015 errechnete Wert von 2,3 Millionen Besuchern.

Einen ähnlichen Einschnitt haben andere Top-Zoos in Europa, wie Zürich, Basel und München, zu verzeichnen, die auch diese Umstellung vorgenommen haben. Denn bisher haben alle Mitglieder des Verbands der Zoologischen Gärten aus Gründen der Vergleichbarkeit jeweils 20 Besuche pro Dauerkarte angenommen. „Dieser hohe Faktor mag früher gepasst haben“, sagt Direktor Dr. Kölpin. „Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Als Jahreskarten relativ teuer waren, wurden sie deswegen intensiv genutzt. Heute rechnen sie sich schon ab dem dritten bis vierten Besuch. Zudem konkurrieren inzwischen viel mehr Freizeitangebote miteinander.“

Die Wilhelma hat traditionell sehr viele Dauerkarten-Besitzer und Fördermitglieder mit Jahreskarte. „Die Bereinigung der Statistik fällt entsprechend deutlich aus“, bilanziert Dr. Kölpin. „Sie belegt aber erfreulicherweise: Die Wilhelma ist und bleibt eine Einrichtung, die als eine der größten Attraktionen in Baden-Württemberg jedes Jahr über eine Million Besucher anzieht. Als Ziel setzen wir uns, mit der Weiterentwicklung der Wilhelma und neuen Veranstaltungen in den nächsten Jahren die anderthalb Millionen-Marke zu schaffen.“

Quelle: PM Wilhelma

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