Bonobo Zorba in der Wilhelma mit 35 Jahren gestorben

Zoonews NewsEin äußerst wechselhaftes Affenleben ist zu Ende gegangen: Im für Bonobo-Männer hohen Alter von etwa 35 Jahren ist Zorba am vergangenen Mittwoch in der Wilhelma gestorben, wie der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart mitteilt. Die Obduktion des Menschenaffen hat jetzt ergeben, dass er einer Bauchfellentzündung erlegen ist, so der erste Befund des Veterinär-Untersuchungsamts in Fellbach. Die Pfleger und Stammbesucher trauern besonders, da manche von ihnen Zorba ihr halbes Leben lang durch Freud und Leid begleitet haben.

Von beidem gab es viel in seiner außergewöhnlichen Biografie. Im Kongo hatten Wilderer den Bonobo schon als Jungtier gefangen und nach Europa geschmuggelt, wo er bei Menschen ohne Kontakt zu Artgenossen aufwachsen musste. Im geschätzten Alter von zwölf Jahren haben die Aufsichtsbehörden ihn aus einer Privathaltung beschlagnahmt. Der Zuchtkoordinator für die bedrohten, den Schimpansen äußerlich ähnlichen Bonobos platzierte Zorba im Mai 1994 in der Wilhelma, wo er in die erfolgreiche Zuchtgruppe des Zoos integriert werden sollte. Auch das wurde eine Herausforderung für Zorba. „Er ist nur unter Menschen aufgewachsen. So fehlgeprägt konnte Zorba anfangs nichts mit seinen Artgenossen anfangen“, berichtet die Menschenaffen-Kuratorin Dr. Marianne Holtkötter. „Angesichts der bei Bonobos sehr eindeutigen Annäherungsversuche suchte er ängstlich Schutz bei den Tierpflegern. Denn wie man unter Bonobos Beziehungen knüpft oder Streit vermeidet, konnte Zorba nicht wissen. Tücher, die die Pfleger den Affen zum Spielen und Nestbau geben, nahm er stattdessen zum Putzen der Glasscheiben.“ Er zog sich oft vor den anderen Bonobos zurück und wollte meist für sich allein schlafen. Das größte Vertrauen hatte er zu Revierleiter Heinz Scharpf und seiner Nachfolgerin Bea Jarczewski. Es dauerte Jahre, bis Zorba soziale Bindungen zu seinen Artgenossen aufbaute. Der Tag, an dem er seinen ersten Purzelbaum schlug und richtig lachte, war ein Festtag im Affenhaus.

Der Umzug in das neue Affenhaus im Mai 2013 tat ihm sichtlich gut. Große Innengehege mit vielen Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten, natürlich gestaltete und bepflanzte Außengehege: Zorba blühte regelrecht auf, er legte an Gewicht zu und bekam ein dichtes, seidig glänzendes Fell. Ausgelassen spielte er mit anderen, vor allem mit den Kindern. Die Weibchen, die bei den Bonobos das Sagen haben und sich nicht selten gegen die Männer verbünden, hatten Zorba früher häufiger attackiert – hatte er doch als Wildfang keine Mutter um sich, die ihn hätte schützen können. Auch dass er Stress abbaute, indem er hysterisch schrie, hatte die Weibchen oft gegen ihn aufgebracht. Im neuen Umfeld wurden die Attacken weniger, man sah öfter Weibchen bei ihm sitzen und sein Fell pflegen. Nachwuchs stellte sich gleichwohl bis zuletzt nicht ein. Eine Untersuchung beim Umzug hatte gezeigt, dass Zorbas Herz da schon deutlich geschädigt war, eine bei männlichen Bonobos in seinem Alter häufige Diagnose. Dafür hat er sich trotz schlechter Prognose gut gehalten. Der soziale Stress hat jedoch für Zorba nie ganz aufgehört. In der Woche vor seinem Tod hatte ihm die Attacke eines Weibchens, das in der Rangordnung aufsteigen will, zugesetzt.

Quelle: PM Wilhelma