Der Krokodiltrainer ist zu Besuch im Zoo Basel

Krokodiltraining – Foto: Zoo Basel

Derzeit weilt ein Krokodilspezialist im Zoo Basel und übt mit den Australien-Krokodilen. Nach nur einer Woche Training hat eins der Krokodile bereits gelernt, auf Zuruf heranzukommen. Das Training soll die Sicherheit der Pfleger und Tierärzte im Umgang mit den Krokodilen verbessern und fördert das Wohlbefinden der Tiere. Krokodile zeigen eine beachtliche Lernfähigkeit, die man ihnen gemeinhin nicht zutraut. Dies macht sich der Krokodil-Trainer Ralf Sommerlad zunutze. Eine Woche hat es gedauert, bis eins der eigentlich sehr scheuen Tiere erstmals auf Zuruf herankam. Die anderen drei schauen dabei neugierig zu, auch dies ist bereits ein Fortschritt. Zuerst mussten sie sich daran gewöhnen, bei Berührung nicht gleich zu fliehen.

‚Logan‘ macht‘s den anderen vor
Krokodile sind keine Streicheltiere, deshalb trainiert Sommerlad mit einem zweieinhalb Meter langen Bambus-Stock, in der Fachsprache ‚Target‘ genannt. Zuerst gab es als Belohnung noch Tintenfische und andere Leckerbissen. Später sollen die Krokodile eine Berührung an der Schnauzenspitze als Belohnung erkennen. Musterschüler ‚Logan‘ hat dies bereits gelernt. Ziel des Trainings ist es, dass die Krokodile auf Zuruf aus dem Wasser kommen und mit der Schnauze das Target anstupsen. So kann der Tierpfleger die Krokodile überallhin dirigieren, beispielsweise in eine Transportkiste. Die Tierärzte sollen die Tiere ohne Betäubung untersuchen und Blutproben entnehmen können. Dabei bringt das Training aber nicht nur mehr Sicherheit im Pflegealltag, sondern fördert vor allem das Wohlbefinden der Tiere. „Die Krokodile freuen sich richtig auf das Training“, sagt Sommerlad. ‚Nach zwei bis drei Wochen sitzen sie zur Trainingszeit bereit und warten, bis man endlich kommt‘.

Krokodile verstehen Kommandos
Krokodile verstehen die verschiedensten Anweisungen. Angefangen wird mit Hilfe des Target-Stabes mit einem Berührungsreiz. Aber auch visuelle Reize wie Handzeichen oder Lautkommandos können Krokodile mit der Zeit gut verstehen. „Ich kenne eine Krokodilgruppe, die reagiert auf 30 verschiedene Kommandos“, sagt Sommerlad. „Da können die meisten Hunde nicht mithalten“. Dabei gibt es durchaus auch individuelle Unterschiede. Das Männchen ‚Logan‘ erwies sich von Anfang an als ausserordentlich lerneifrig, während das rangniederste Weibchen besondere Zurückhaltung zeigte

Erster Zoo, der Australien-Krokodile trainiert
Nur ganz wenige Zoos in Europa haben bisher mit ihren Krokodilen ein gezieltes Training durchgeführt. Der Zoo Basel ist der erste Zoo, der es mit den Australien Krokodilen versucht. Zentral ist dabei, dass das Training täglich weitergeführt wird, auch wenn Ralf Sommerlad wieder weg ist. Der Reptilienpfleger Christoph Studer und sein Team werden fast jeden Tag um 15 Uhr mit den vier Krokodilen trainieren. (Bis Ende August findet das Training außer am 26. Und 31. August täglich statt) . Spannend ist dies auch für das Publikum. Der Tierpfleger wird die Übungen kommentieren und Fragen beantworten.

Seit kurzem bedroht
Bis vor Kurzem war die Bedrohung der Australien Krokodile kein Thema. Heute ist dies leider anders. Die ab 1935 in Australien ausgesetzten Agakröten haben sich massenhaft vermehrt und bedrohen diese Krokodilart. Tausende Tiere verliert man jedes Jahr durch das Gift dieser Kröte, die zu den grössten Froschlurchen der Welt gehört. Erwachsene Krokodile fressen sie und verenden, Jungkrokodile verspeisen die Kaulquappen, die in grösseren Mengen ebenfalls eine tödliche Dosis Gift enthalten können.
Die negativen ökologischen Folgen, die durch die künstliche Ansiedlung der Agakröten entstanden sind, dienen heute als Paradebeispiel für die enormen Risiken einer unkontrollierten und unüberlegten biologischen Schädlingsbekämpfung. Agakröten wurden in viele Regionen der Welt importiert, weil man lange Zeit der Auffassung war, dass sie bei der Bekämpfung landwirtschaftlicher Schädlinge erfolgreich eingesetzt werden könnten.

Quelle: PM Zoo Basel