Der lange Weg des Zoos Dresden zu den Koalas

Koala Iraga – Foto: Zoo Dresden

Dass der Begriff Koala-Bär nicht stimmt, da die Tiere keine Bären, sondern Beuteltiere sind, ist eine Tatsache, die immer mehr seinen Weg in das Allgemeinwissen der Deutschen findet. Der Koala wurde Anfangs in die Nähe des Bären gestellt, da er mit seiner gedrungenen Figur und dem eher gemütlichen Bewegungsablauf wie eine Mini-Version unseres Meister Petz aussah, doch wenn man die Haltungsauflagen und bürokratischen Hürden ansieht, die ein Zoo auf sich nehmen muss um einen Koala zu halten , so ist man eher geneigt zu glauben, dass der Begriff Koala-Bär vom Panda-Bär kommt, der ähnlichen Aufwand bedingt, sollte ein Zoo sich entscheiden die Tiere halten zu wollen.
Als sich der Zoo Dresden entschloss Koalas in seinen Bestand aufzunehmen, gab es lediglich einen Zoo in ganz Deutschland, den Zoo Duisburg, der diese Tierart pflegt und Erfahrungen liefern konnte.In ganz Europa halten außer den beiden Deutschen sogar nur sechs weitere zoologische Einrichtungen die australischen Beutler. Das mag auch mit den Auflagen zusammen hängen, die eine Haltung voraussetzt und nach sich zieht.
Zunächst ist eine Haltungsgenehmigung bei der australischen Regierung einzuholen, da, ähnlich wie bei den Pandas (China), alle ausgeführten Koalas, sowie deren Nachwuchs im Besitz der australischen Regierung bleiben und jederzeit wieder zurück gefordert werden können. Dann stellt man einen Antrag beim Zoo San Diego (Kalifornien/USA), der ebenfalls seine Genehmigung erteilen muss. In San Diego gibt es die älteste Koalahaltung außerhalb Australiens. Bereits seit 1959 werden Erfahrungen im Umgang mit diesen sensiblen Pfleglingen gesammelt und deshalb ist deren Urteil über die Haltungsbedingungen im antragsstellenden Zoo ausschlaggebend. Zu guter Letzt ist entscheidend ob überhaupt Koalas zur Verfügung stehen, die in andere Zoos abgegeben werden können.
Der Zoo Dresden begann bereits 2007 mit den Formalitäten, da man bei der Planung des Tropenhauses, das man zu errichten gedachte, einen Platz für Koalas mit eingeplant hatte. Als das Prof. Brandes-Haus dann 2010 fertig geworden war, gab es allerdings keine Tiere, die für einen Einzug in Frage kamen. Die beiden insgesamt 62 m2 großen Schaugehege standen also ebenso leer, wie die vier weiteren Haltungsboxen hinter Kulissen. Als dann entschlossen worden war, den Duisburger Nachwuchs von 2011 und 2012 nach Dresden zu schicken, war die Freude groß. Während man darauf wartete, dass die Tiere erwachsen wurden, schickte man ihnen bereits drei Tierpfleger entgegen, welche im Zoo Duisburg lernen durften, wie denn mit dem kostbaren Nachwuchs umzugehen wäre. Bereits seit 2010 lässt der Dresdner Zoo in der Gärtnerei Zschieschang in Pirna verschiedenste Eukalyptussorten auf einer eigenen ca. 800 Quadratmeter großen Plantage anbauen um sofort das geeignete Futter für die Nahrungsspezialisten bereit stellen zu können. Koalas ernähren sich nämlich ausschließlich von diesen Pflanzen und würden verhungern, wie auch verdursten wenn man sie ihnen vor enthielte, da sie auch ihren Flüssigkeitsbedarf daraus ziehen.
Nun zogen also am 18.November, drei Jahre nach Eröffnung des Tropenhauses und sechs Jahre nach Planungsbeginn die ersehnten Beuteltiere ein. Das 2011 geborene Männchen Iraga und sein 2012 geborener Bruder Mullaya bezogen die unbenutzte Anlage, die jeden Komfort bietet, den sich ein Koala außerhalb Australiens nur vorstellen kann. Wie z.B. eine eigene Futterküche mit großer, auf 5°C eingestellter Kühlzelle für die frischen Eukalyptuszweige, sowie eine Klimaanlage die das gesamte Gehege auf konstanten angenehmen 24 Grad hält.
Nun beherbergt der Zoo Dresden zwei von nur 37 Koalas, die in nur acht europäischen Zoos leben und reiht sich damit in eine Reihe mit bekannten Einrichtungen wie dem Tiergarten Schönbrunn, dem Zoo Edinburgh oder dem Zoo Madrid ein.
Zunächst ist nur eine Junggesellenhaltung vorgesehen, da man hierbei besser Erfahrung in der Pflege der Tiere sammeln kann, doch später wäre durchaus möglich ein Weibchen zu bekommen um eventuell auch einmal einen Baby-Koala präsentieren zu können. Doch auch das dürfte wieder ein langer Weg werden.

M.Schmid/zoogast.de