Die Kammfinger in der Wilhelma sind zurück

Foto: Wilhelma

Bei den Besuchern sind sie nicht zuletzt wegen der possierlichen „Stapel“, die sie beim gemeinsamen Kuscheln unter der Wärmelampe bilden, beliebt: die „Gundis“, auch „Kamm-finger“ genannt. Mehrere Wochen waren die nordafrikanischen Nager nicht zu sehen, jetzt sind sie ins Kleinsäugerhaus beim Wintergarten zurückgekehrt. Der Grund für ihre Abwesenheit: die nicht ganz einfache Zusammenführung zweier Grundigruppen hinter den Kulissen.
Im Gegensatz zur Wildnis, wo es zwischen Tierherden und -gruppen einen natürlichen Austausch von Geschlechtspartnern und somit von Genen gibt, muss im Zoo nachgeholfen werden. So eine genetische Auffrischung stand vor Kurzem auch bei den Gundis an. Doch die Zusammenführung von zwei fremden Gruppen ist bei diesen Tierchen gar nicht so leicht. In der eigenen Familiengruppe, die in Afrika bis zu 20 Tiere umfassen kann, halten sie zusammen wie Pech und Schwefel, fremde Artgenossen aber sind in der Regel nicht willkommen, werden gerne attackiert und fortgejagt. Daher waren bei dem Plan, aus zwei kleinen Gruppen eine neue, größere Zuchtgruppe zu machen, viel Fingerspitzengefühl und eine gute Strategie gefragt. Schritt eins der Familienzusammenführung: die wechselseitige Gewöhnung an die Gerüche der jeweils anderen Gruppenmitglieder – denn diese spielen für das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer sozialen Gundi-Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Dazu mussten die beiden Gruppen immer wieder die Boxen tauschen und in diejenige umziehen, in der vorher die „Fremden“ ihre Duftspuren hinterlassen hatten. Schritt zwei: Das Zusammenbringen beider Gruppen in einem „geruchsneutralen“ Gehege, damit keine einen Heimvorteil hatte. Den Durchbruch brachte aber erst eine Idee der Tierpfleger: Sie verteilten Knäuel aus Zeitungspapier im ganzen Gehege, die somit als Sichtschutz und raschelnde Puffer überall im Weg lagen. Das lenkte die Tiere ab und erschwerte es ihnen, sich gegen rangniedere Artgenossen zu verbünden, sie anzugreifen oder in die Ecke zu drängen. Es klappte: Inzwischen sind fünf Tiere – drei Männchen und zwei Weibchen – glücklich vereint, räkeln und stapeln sich nach Gundi-Art gemeinsam unter der Wärmelampe. Denn die Nager lieben Sonne und Trockenheit. Daher faulenzen sie auch in ihrer Heimat, den Wüsten Nordafrikas, den Großteil des Tages, ziehen sich vor der größten Hitze in Felsspalten und Höhlen zurück und gehen nur in den kühleren Abend- und Morgenstunden auf die Suche nach Essbarem: alle Arten von Pflanzen, Samen und Wurzeln. Selbst stehen die genügsamen Vegetarier auf der Speisekarte von Greifvögeln, Schakalen oder Schlangen. Wie bei den Erdmännchen schiebt daher auch bei den Gundis immer ein Tier Wache und warnt die anderen mit schrillen Alarmpfiffen vor nahender Gefahr. Dieser Eigenheit verdankt die Tierart den Namen „Gundi“, der auf Arabisch „Wächter“ bedeutet. Bei uns heißt das Gundi auch „Kammfinger“ – wegen der kleinen Borstenkämme, die über den Zehen der Hinterfüße sitzen. Diese nutzen die kleinen Wüstennager, um sich hingebungsvoll Sand und Schmutz aus dem seidigen Fell zu bürsten.

Quelle: PM Wilhelma