Die kleinsten Mäuse der Welt im Wilhelma-Kleinsäugerhaus

Foto: Wilhelma

Erst seit zwei Wochen flitzen sie im Kleinsäugerhaus flink über dünne Äste und leichtfüßig
schlanke Gräser empor: drei winzige Eurasische Zwergmäuse. Obwohl die Tiere nur sechs
Zentimeter lang werden, den Schwanz nicht mitgerechnet, sind sie in ihrem neu eingerichteten
Terrarium gut zu sehen. Denn die tagaktiven, quirligen Mäuse sind viel auf Achse. Was man
von ihren noch winzigeren Nachbarn nicht gerade behaupten kann: Die dämmerungs- und
nachtaktiven Mattheys Knirpsmäuse sind tagsüber eher Schlafmützen und verbringen den Tag
am liebsten in ihrer Schlafhöhle. Wer sie aber mit viel Glück morgens oder gegen Abend zu
Gesicht bekommt, der hat einen Vertreter der vermutlich kleinsten Nager der Welt vor sich.
Die erste Amtshandlung der drei Eurasischen Zwergmäuse in ihrem neuen Wilhelma-Heim: ein Nest
bauen. Das war ihnen offenbar ein großes Anliegen, denn schon zwei Tage nach dem Einzug war es
fix und fertig. Jetzt sitzt das kugelige Grasnest, wie es bei diesem Mäusen üblich ist, etwa einen
halben Meter über dem Boden mitten in einem Schilfgrasbüschel und wartet darauf, bis eines der
Weibchen dort nach nur 17 bis 20 Tagen Tragzeit zwei bis acht Junge zur Welt bringt – es könnte
also schon recht bald Nachwuchs geben. Dieser wird nach 16 Tagen das Nest verlassen und mit
einem Monat geschlechtsreif sein. Die nur fünf bis sechs Zentimeter kleinen Tiere bringen mit
maximal neun Gramm zudem nur so viel Gewicht auf die Waage wie drei Gummibärchen. Dadurch
können sie mühelos über Grashalme balancieren, ohne dass sich diese unter ihrem Fliegengewicht
merklich biegen. Ein Greifschwanz erleichtert den flinken „Seiltänzern“, die tatsächlich die wenigste
Zeit auf dem Boden verbringen, die Turnerei durch die Graswälder zusätzlich. Zwergmäuse leben in
kleinen Gruppen und Familienverbänden und sind in großen Teilen Asiens und Europas inklusive
Deutschland heimisch. Ihr bevorzugter Lebensraum: mit Gras, Riedgras und Seggen bewachsene
Wiesen und Auen sowie Waldlichtungen oder Getreidefelder, wo sie sich von Samen, Pflanzenteilen
und Insekten ernähren. In menschlicher Haltung können sie bis zu fünf Jahre alt werden.

Zwar ist die Zwergmaus schon ein rechter Mini-Nager, doch Mattheys Knirpsmaus setzt in puncto
Winzigkeit noch eine Schippe drauf: Sie bringt es maximal auf fünf Zentimeter, der Schwanz ist
ebenso lang wie der Körper. Damit passt die Maus fast schon in eine Streichholzschachtel und sie gilt
nicht umsonst als einer der kleinsten, wenn nicht als d e r kleinste Nager der Welt – zumindest bis ein
noch winzigerer Kandidat entdeckt wird. Mit höchstens neun Gramm Gewicht ist die Knirpsmaus
ebenfalls federleicht und auch bei ihr ist die Fortpflanzung nicht gerade ein Langzeitprojekt: Nach 19
Tagen Tragzeit werden bis zu sechs Jungtiere pro Wurf geboren, nach knapp drei Wochen sind
sie selbstständig, mit sechs bis acht Wochen geschlechtsreif. Mattheys Knirpsmäuse lieben eine
ähnliche Kost wie die Zwergmäuse, erreichen ein Alter von rund zwei Jahren in der Wildnis, im
Terrarium sogar bis zu sechs Jahre. Ihre ursprüngliche Heimat sind die Savannen Westafrikas, aber
die Mini-Maus machte weltweit auch als Haustier Karriere. Beliebt ist die Art vermutlich aber vor allem
bei Nachtschwärmern und tagsüber Berufstätigen: Denn wenn Herrchen und Frauchen abends von
der Arbeit kommen, werden die Mäuse ja gerade erst richtig munter.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart