Die Lippenbären-Handaufzucht des Smithsonian National Zoo ist über den Berg

Der kleine Lippenbär wird mit der Hand aufgezogen - Foto: Smithsonian National Zoo

Der kleine Lippenbär wird mit der Hand aufgezogen – Foto: Smithsonian National Zoo

Die Lippenbären-Handaufzucht des Smithsonian National Zoo ist über den Berg

Die Entscheidung der Tierpfleger des Smithsonian National Zoo in Washington D.C./USA, das weibliche Lippenbärenjunge mit der Hand aufzuziehen, statt sie bei ihrer Mutter Khali groß werden zu lassen, hat wahrscheinlich das Leben des kleinen Bären gerettet. Mittlerweile ist die Kleine sehr aktiv und zeigt ein gesundes Wachstum, wie die Rund-um- die-Uhr-Betreuung belegt, die sie in den letzten zweieinhalb Monate erhalten hatte.

Das Jungtier ist eines von drei Jungen, die Bärin Khali am 29. Dezember 2013 geboren hat, und es ist das einzige, das länger als sieben Tage überlebt hat. Khali fraß das erste Jungtier etwa 20 Minuten, nachdem sie geboren hatte auf. Es ist nicht ungewöhnlich für Raubtiere, zu denen auch die Lippenbären zählen, totgeborene Jungen und sogar lebende Jungen auffressen, wenn sie oder die Mutter selbst in irgendeiner Weise krank oder anderweitig beeinträchtigt sind. Khali, eine erfahrene Mutter, schien sich aber aufmerksam um ihre beiden verbleibenden Jungtiere zu kümmern und die Tierpfleger überwachten sie in der Wurfbox durchgehend über eine Kamera vor, während und nach der Geburt. Jedoch fraß sie auch das zweite Junge sieben Tage später und verbrachte dann in den frühen Morgenstunden des 6. Januar mehrere Stunden entfernt von ihrem verbliebenen Jungtier, was für eine Lippenbärin mit einem neugeborenen Jungtier nicht normal ist.

Das Tierpflegerteam des Zoos stehe stets bereit einzugreifen und ein Jungtier mit der Hand aufzuziehen, wenn es nötig sei, sagte Tony Barthel, Kurator des Asienbereichs. Es sei bereits vor Khalis Niederkunft ein Plan für die Handaufzucht entwickelt worden und deshalb wäre man in der Lage gewesen schnell eine Entscheiden zu treffen und ebenso schnell zu handeln.

Zu diesem Zeitpunkt entschieden die Pfleger, dass die einzige Überlebenschance des kleinen Lippenbären darin bestand, ihn der Mutter weg zu nehmen. Eilig brachten die Tierpfleger das Junge in die Tierklinik, wo es um 07.30 Uhr Tierärzte untersuchten und feststellten, dass sie bereits an starker Unterkühlung litt und sehr schwach war. Khali hatte ihr Junges nicht am Körper gehalten, was die Körpertemperatur des Jungen geregelt und es warm gehalten hätte. Die Tierärzte behandelte die junge Bärin mit Antibiotika, Vitaminen und Infussionen. Man legte sie auch in einen Brutkasten, um ihre Körpertemperatur zu stabilisieren. Um 9.00 Uhr wurde sie dann mit einer Flasche gefüttert, was an den nächsten Tagen jeweils achtmal wiederholt wurde. Das Junge war dann gesund genug, um die Tierklinik zu verlassen und es wurde am 9. Januar zum Lippenbärengehege des Zoos zurückgebracht. Man konnte es aber seiner Mutter nicht zurückgeben.

Die Tierpfleger suchten für ihren kleinen Schützling nach anderen Lippenbärenjungen, oder Jungtiere von anderen Bärenarten, die per Hand in anderen Zoos des Verbands der Zoos und Aquarien aufgezogen wurden, es gab aber keine. Stattdessen wurde ein Team von Tierpflegern, Tierärzten und Ernährungswissenschaftlern ab sofort verstärkt zum Ersatz für Artgenossen des Jungtiers.

Das stundenweise Herumtragen des Jungtieres, gab ihnen die einmalige Gelegenheit eine Verbindung zu dem Jungtier aufzubauen, sagte Tierpflegerin Stacey Tabellario. Sie wären schnell mit ihren Lauten, Bewegungen und Schlafverhalten vertraut geworden. In der Vergangenheit hatte man Jungen in dieser Phase stets nur über eine Kamera in der Wurfbox verfolgen können und so habe man eine große Chance gehabt mehr über die Entwicklung der jungen Lippenbären zu lernen.

Das Junge wurde nun rund um die Uhr von einem Pfleger betreut und bekam in regelmäßigen Abständen seine Flasche. Als das Junge in den Zoo zurückgekehrt war, fütterten es die Tierpfleger sieben Mal pro Tag mit der Flasche, was aber nach und nach auf sechs und schließlich auf fünf Mal je Tag reduziert wurde.

Als die kleine Bärin am 26. Januar begann die Augen zu öffnen, beschäftigten sich ihre Pfleger mehr mit ihr, um ihre soziale Entwicklung zu fördern. Lippenbärenjungen bleiben etwa drei Jahre bei ihren Müttern. Als Neugeborene werden sie von ihren Müttern eng am Körper gehalten, wenn sie älter werden reiten sie dann auf dem Rücken ihrer Mütter. Um dies Art der Wechselwirkung zu simulieren, trugen die Pfleger das Junge zunächst in einem Babytragetuch während ihrer täglichen Arbeit mit sich herum. Nun, da es ein wenig größer ist, spielen die Pfleger mit dem Jungen in seiner Höhle oder in einem speziell dafür vorgesehenen Spielbereich um natürliche Verhaltensweisen wie z.B. das Klettern zu fördern.

Es sei immer besser für die Jungen, wenn sie von ihren Müttern aufgezogen würden, doch dies sei diesmal nicht möglich gewesen, sagte Tierpflegerin und Lippenbär-Expertin Mindy Babitz. Man musste die Ersatzmutter für dieses Jungtier werden und rund um die Uhr auf die körperlichen, sozialen, kognitiven und emotionalen Bedürfnisse des Kleinen eingehen. Es sei aber sehr ermutigend gewesen zu sehen, wie es sich entwickelt und wächst.

Die Tierpfleger würden die kleine Bärin gerne die anderen Lippenbären kennen lernen lassen. In den kommenden Wochen wird es der Kleinen zunächst möglich sein, den Innenbereich der erwachsenen Lippenbären zu erkunden, während diese draußen sind. Sie planen, die Kleine den Erwachsenen im Laufe der nächsten Monate auch Auge in Auge vorzustellen. Wenn die schrittweise Einführung gut geht, kann das Junge schließlich wieder zu Khali zurück kehren, oder auch evtl. zu ihrem Vater François ziehen. Das Junge wird aber wahrscheinlich nicht vor dem Sommer zu sehen sein.

Khali hat im Jahr 2004 erfolgreich zwei Jungtiere groß gezogen. Sie gebar ein weiteres Junges im Jahr 2002, welches aber nur für etwa einen Monat überlebte. François, der männliche Lippenbär des Zoos, ist der Vater der Jungen, die am  29. Dezember 2013 geboren wurden. Khali ist erst die zweite Lippenbärin, die einen Wurf von drei Jungen in Nordamerika zur Welt brachte.

Quelle: PM Smithsonian National Zoo