Die Wilhelma in Stuttgart liegt in Eis und Schnee

Foto: Wilhelma / Hörner

Auch in der kalten Jahreszeit versinkt die Wilhelma nicht in tiefem Winterschlaf – und das
nicht nur dank der beheizten Gewächshäuser, dank Aquarien- und Amazonienhaus. Vielmehr
sind auch fast alle Tiere im Winter zu sehen: ob sie gerade in den Außengehegen frische Luft
tanken oder sich in ihren beheizten Häusern aufwärmen. Und wenn frischer Schnee gefallen
ist, steigt nicht nur für Menschenkinder, sondern auch für manche Tiere der Spaßfaktor.
Selbst die meisten Tiere aus tropischen Regionen kommen mit dem mitteleuropäischen Winter
besser zurecht, als mancher glaubt. Besonders kälteempfindliche Kandidaten dürfen eben nur für
begrenzte Zeit ins Freie, um Frischluft und Sonne zu tanken. Führt Väterchen Frost ein allzu strenges
Regiment, bleiben daher beispielsweise die Okapis in ihren Gehegen im Giraffenhaus, wo bei Glatteis
auch die Netzgiraffen aus nächster Nähe zu sehen sind. Wegen ihres weit oben liegenden
Schwerpunkts und der langen Beine rutschen die afrikanischen Hoheiten leicht aus, das
Verletzungsrisiko bei Stürzen ist groß. Aber auch für andere Huftiere, etwa Antilopen, sind Eisplatten
riskant: Sie warten daher ebenfalls im Stall, bis ihr Außengehege wieder eisfrei ist. Vor klirrender
Kälte müssen zudem tropische Tiere mit sehr großen oder dünnhäutigen Ohren geschützt werden,
wie Grevy-Zebras, Bongo-Antilopen und vor allem Elefanten. Zwar sind solche Ohren hervorragende
Kühlanlagen, da sie überschüssige Wärme ableiten. Doch bei Frost drohen schnell Erfrierungen.
Frostgefährdet sind auch die Gliedmaßen tropischer Affen, die somit bei Eiseskälte im Warmen
bleiben. Die Wilhelma-Flamingos dagegen schützen sich selbst vor Frostschäden: durch Fußbäder im
konstant 14 Grad warmen Cannstatter Mineralwasser ihres Teichs.
Viele Tierarten können dank beweglicher Türklappen selbst wählen, wie viele Grade unter dem
Gefrierpunkt sie sich zumuten wollen. So wechseln etwa die Dscheladas und Rotgesichtsmakaken
auf der Felsenanlage nach Belieben ins Warme oder an die frische Luft. Nur überheizt darf es innen
nicht sein: Krasse Temperaturwechsel bedeuten auch für Tiere erhöhte Erkältungsgefahr. Bei den
Sonnenanbetern aus Wüsten und Tropen, wie Erdmännchen und Zebramangusten, helfen bei Frost
Fußbodenheizungen oder Solarien an geschützten Plätzen im Freien. Nur wenige Tiere müssen den
Winter unsichtbar in beheizten Innenräumen verbringen, etwa die tropischen Vögel in der
Freifluganlage: Bei ihnen ist kein Verlass darauf, dass sie sich selbst vor dem Nachtfrost in Sicherheit
bringen. Auch die Flusspferde sind bei klirrender Kälte ausschließlich im Haus zu finden, da der
Hippo-Pool im Freien schnell auskühlt. Und die Sumatra-Tiger bleiben vorsichtshalber drinnen, wenn
das Wasser im Gehegegraben zufriert – damit sie sich nicht aufs Eis wagen und einbrechen.
Bei gemäßigten Temperaturen sind die meisten Tiere also auch im Winter draußen anzutreffen – und
bieten nicht selten einzigartige Einblicke. Etwa, wenn frischer Schnee gefallen ist. Darin wälzen sich
Raubkatzen ebenso gerne wie Mähnenschafe, Vikunjas und Alpakas. Die Japanmakaken rollen
Schneebälle, die Elefanten formen welche mit dem Rüssel und vernaschen sie. Die Brillenpinguine
als Südafrikaner mögen das weiße Zeug dagegen nicht sehr und verschwinden öfter in ihren Höhlen.
Und eines schätzen Zootiere im Winter gar nicht: wenn mangels Besuchern die Unterhaltung fehlt. Sie
belohnen daher jeden Gast mit umso mehr Aufmerksamkeit. Dieser wiederum kann Flora und Fauna
der Wilhelma derzeit in aller Ruhe genießen – und das bis Ende Februar zum günstigen Wintertarif.

Quelle: PM Wilhelma