Dreifacher Nachwuchs bei den Brillenpinguinen in der Wilhelma

Foto: Wilhelma

Sie sind zwar schon fast so groß wie ihre Eltern, den obligatorischen Frack tragen sie aber
noch nicht. Blaugrau ist die Trendfarbe des Winters, zumindest wenn man ein
Brillenpinguinküken ist. Erst mit mehr als einem Jahr legen sie das typische schwarz-weiße
Federkleid der Altvögel an und sind dann von diesen fast nicht mehr zu unterscheiden. Nur
das geschulte Auge des Tierpflegers sieht die individuellen Unterschiede. Vor allem die
einzelnen schwarzen Punkte auf der sonst weißen Brust sind bei jedem Vogel einzigartig
angeordnet, so zu sagen der „Fingerabdruck“ der Brillenpinguine.
Insgesamt drei Küken schlüpften im November und verstärken die 38-köpfige Brillenpinguinschar der
Wilhelma. Noch sitzen sie die meiste Zeit in den sicheren Bruthöhlen. Gut bewacht von ihren Eltern.
Hin und wieder schauen sie aber auch schon, was es außerhalb ihrer Höhle zu entdecken gibt. Ihren
deutschen Namen verdanken Brillenpinguinen einem weißen Überaugsteifen, welches zusammen mit
den rosaroten Hautpartien um die Augen entfernt an eine Brille erinnert. Anders als viele vermuten,
leben Brillenpinguine nicht in der Antarktis. Ihr Lebensraum sind die Küsten des südlichen Afrika, von
Namibia bis Südafrika. Hier versorgt sie der kalte Benguelastrom mit reichlich Nahrung. In der
Wilhelma übernehmen dies natürlich die Tierpfleger. Täglich um 7:00 und um 14:30 Uhr bekommen
die Wilhelma-Pinguine ihren Fisch – vor allem Heringe – frei Haus serviert. Nur die drei Küken werden
noch von ihren Eltern mit vorverdautem Fisch versorgt. Aber nicht mehr lange. Denn mit etwa einem
halben Jahr fangen die jungen Brillenpinguine selber an Fisch zu fressen.
Brillenpinguine sind, wie alle Pinguine, hervorragend an ein Leben im Wasser angepasst. Ihre Flügel
sind zu Flossen umfunktioniert, mit denen sie unter Wasser auf bis zu 25 km/h beschleunigen können.
Dabei von Nutzen ist auch ihr spindelförmiger Körper, der dem Wasser wenig Widerstand bietet. Auch
wenn sie bei Brillenpinguinen etwas dünner ausfällt als bei ihren antarktischen Verwandten, so wird
ihr Körper doch von einer ein bis zwei Zentimeter dicken Fettschicht vor Temperaturschwankungen
geschützt. Diese ist auch namensgebend für die gesamte Vogelfamilie. Denn das lateinische Wort
pinguis, wovon sich Pinguin ableitet, bedeutet nichts anderes als „fett“.
Dieses Fett wurde den Brillenpinguinen, wie auch ihren antarktischen Verwandten, zum Verhängnis.
Denn Walfänger nutzten sie – aus Mangel an Alternativen – als „Brennmaterial“ für das Auskochen
des Lebertrans. Darum gingen ihre Bestände drastisch zurück, in den letzten 100 Jahren um 80
Prozent. In ihrer afrikanischen Heimat werden deshalb Brillenpinguine heute als gefährdet eingestuft.
Wobei heute vor allem die Überfischung und die Ölverschmutzung ihrer Lebensräume für den
Bestandsrückgang verantwortlich sind. In der Wilhelma ist der Brillenpinguinbestand hingegen nicht
bedroht. Hier gibt es sehr regelmäßig Nachwuchs. Dieser wandert aber bei Geschlechtsreife in einen
anderen Zoo aus, da die Kolonie der Wilhelma ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat.

Quelle: PM Wilhelma