Ein Hauch von Südamerika im Tierpark Hellabrunn

Münchner Großvoliere - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Münchner Großvoliere – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Bei einem Spaziergang durch den Tierpark Hellabrunn staunen manche Touristen nicht schlecht, wenn sie die mächtige Stahlkonstruktion sehen, die dem Dach des Münchner Olympiastadion sehr ähnelt. Vorsichtig nähert man sich den Schiebetüren und wagt erstmal einen Blick in das kleine Paradies das sich im Inneren befindet. Doch sieht man erst die bunten Enten, die über den gepflasterten Weg huschen oder die Schwarzstörche die in luftiger Höhe ihre Kreise drehen, geht man doch hinein, lässt man sich von der Welt der Vögel überwältigen und genießt seinen Besuch in der Großvoliere.

Waldrappe im Tierpark Hellabrunn 2011 - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Waldrappe im Tierpark Hellabrunn – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Aber alleine schon die technischen Daten nötigen Respekt ab. Über eine Fläche von mehr als 5.000 m² wurde an bis zu 18 Metern hohen Metallsäulen eine transparentes Stahlnetz, mit etwa sechs Zentimetern engen Maschen befestigt. Mit etwa 15.000 Dübeln wurde das Netz in einem Betonring verankert ist, der die Großvoliere umgibt. Heute leben hunderte von Vögeln in 25 Arten darin. Da das Erlebnis im Inneren wohl eher zeitlos ist, erstaunt es, dass die Großvoliere bereits einige Jahre auf dem Buckel hat. Eröffnet wurde das heutige Wahrzeichen des Tierparks bereits im Jahre 1981 und kostete damals stolze 5 Millionen Deutsche Mark. Doch die architektonischen Ideen aus dem letzten Jahrhundert helfen noch heute den Besuchern der Großvoliere den Eindruck zu vermitteln, man befände sich im Freiland. Die Aufspannung in Form eines Baldachins läßt keine toten Winkel entstehen, was bedeutet, dass die Vögel die gesamte Fläche nutzen können, aber auch, dass der Zoogast überall Einsicht hat. Die Höhe der Konstruktion erlaubt es sogar so großen Vögeln wie dem Schwarzstorch fliegend seien Runden zu drehen, während gleichzeitig der Besucher das Stahlnetz im Hintergrund kaum erkennen kann.

Roter Sichler mit Nachwuchs im Tierpark Hellabrunn - Foto: M.Schmid/Tierpark Hellabrunn

Roter Sichler mit Nachwuchs im Tierpark Hellabrunn – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Auf seinem Weg durch die Großvoliere wandert man auf einem Kopfsteinpflasterweg, der über den integrierten Wasserlauf und daran entlang führt. Doch stets hat man das Gefühl nur Gast bei den gefiederten Bewohnern der Anlage zu sein. Immer wieder stachst ein Waldrapp über das Pflaster oder beginnt eine Witwenpfeifgans laut zu rufen, weil man ihrer Meinung nach zu nahe an ihren Ruheplatz gekommen ist. Während man immer wieder auf- und abtauchende Zwergsäger beobachtet, lenkt ein Krächzen über dem Kopf die Aufmerksamkeit in oberen Regionen der Großvoliere. Dort sitzen Gelbbrustaras und Strohhalsibisse sie sich mit den umherfliegenden Schwarzstörchen die Wipfel der Bäume teilen. Außer an einer Stelle, die haben die Roten Sichler für sich in Anspruch genommen. Eine mit bloßem Auge kaum erfassbar Zahl der leuchtend gefärbten Vögel mit dem langen, krummen Schnabel nistet hier und zieht jedes Jahr, wie in freier Wildbahn seine Jungen groß. An sonnigen Tagen hat man das Gefühl, dass feuerroten Flammen aus dem satt grünen Laub züngeln, wenn diese bemerkenswerten Vögel in den Wipfeln um die besten Nistplätze streiten. Es scheint als würde ein Hauch von Südamerika durch den Tierpark Hellabrunn wehen. Und wenn man viel Glück hat, sieht man den wunderschönen Temminck-Tragopan durch Unterholz streifen. Was ein Temminck-Tragopan ist? Wenn man ihn sieht weiß man es…

M.Schmid/zoogast.de