Erfolgreiche Kea-Nachzucht im Tierpark Bochum

Foto: Tierpark Bochum

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Nach 28 Tagen Brutzeit ist im Tierpark + Fossilium Bochum ein Kea-Küken geschlüpft. Für den Ruhrgebietszoo ist dies nicht nur die erste Nachzucht des Kea-Paares „Elpheba“ und „Pierro“, das Ereignis stellt vor allem einen bedeutenden Beitrag zur Arterhaltung der bedrohten Papageienart dar.

Vor knapp einem Monat zwang das „Überraschungsei“ der Keas den Tierpark zu einem partiellen Baustopp des neuen Spielplatzes. Denn die derzeitige Voliere sollte abgerissen und an anderer Stelle neu gebaut werden. Zum Wohle der Tiere beschloss Zoodirektor Ralf Slabik jedoch, diesen Bauabschnitt vorerst auszusparen und nur die umliegenden Flächen mit Bedacht und Vorsicht zu bebauen. „Die erfolgreiche Nachzucht zeigt uns, dass diese Entscheidung die einzig richtige war. Es ist eine Seltenheit, dass bereits aus dem Erstgelege Jungtiere hervorgehen. Viele Papageienarten, die gerade erst das geschlechtsfähige Alter erreicht haben, benötigen mehrere Anläufe, bevor sich Nachwuchs einstellt. Der Tierpark + Fossilium Bochum beteiligt sich am Europäischen Zuchtbuch (ESB) für Keas. Umso erfreulicher ist es, dass unser Vogelpaar nun erste Erfahrungen bei der Jungenaufzucht sammeln kann, sodass zukünftig hoffentlich weitere Gelege und Jungtiere folgen werden.“ Insgesamt vier Eier hatte Weibchen „Elpheba“ im März gelegt. Aus einem schlüpfte ein Küken, welches das Tierpark-Team auf den Namen „Bilbo“ taufte. Die Tierpfleger entdeckten den frischgeschlüpften Kea bei ihrem Kontrollgang in der am Boden gelegenen Bruthöhle. Dort kümmert sich Kea-Weibchen „Elpheba“ vorbildlich um ihren Nachwuchs, versorgt ihn mit Futter und wärmendem Nistmaterial und verteidigt ihn lautstark vor jedem, der sich dem Nest nähert. „Wir freuen uns, dass sich ‚Bilbo‘ so gut entwickelt und von seinen Eltern versorgt wird. Ein gewisses Restrisiko bleibt aufgrund des Erstgeleges und der Unerfahrenheit unseres Kea-Paares natürlich trotzdem.

Daher sind alle Tierpfleger besonders achtsam und überwachen die Entwicklung mit größter Sorgfalt“, erklärt Ralf Slabik. Noch ist der kleine Papagei lediglich von einem zarten, weißen Flaum bedeckt und hat wenig Ähnlichkeit mit seinen ausgewachsenen Eltern, die ein kräftiges, überwiegend olivgrünes Federkleid mit orangeroten Unterschwingen tragen. Erreichen die Jungtiere die Größe eines ausgewachsenen Keas, sind sie dennoch anhand der gelben Augenringe und der gelben Färbung der Nasenlöcher als solche zu erkennen. Diese Partien dunkeln erst mit zunehmendem Alter nach. Bevor der Umzug in die neue Anlage erfolgen kann, wird es jedoch noch einige Wochen dauern, wie der Abteilungsleiter der Zoologie Jens Stirnberg erklärt: „Keas gehören zu den Nesthockern, d.h. sie werden erst sehr spät – nach etwa zwei bis drei Monaten -flügge.

Nachdem sie das Nest verlassen haben, bleiben die Jungvögel noch weitere Wochen in der Nähe der Eltern, bevor sie selbstständig werden“. Die störungsfreie und artgemäße Aufzucht des Kea-Kükens – im Sinne des Tier- und Artenschutzes – hat für den Tierpark höchste Priorität. Daher finden die Umsiedlung der Tiere sowie der Abriss der jetzigen Voliere vorerst nicht statt. „Verschoben ist jedoch nicht aufgehoben“, versichert Ralf Slabik und fährt fort: „Der Bau unseres Zoologischen Bewegungsspielplatzes schreitet wie geplant voran. Schon jetzt können unsere Besucher die Dschungelburg, die Wüstenbaustelle und den Turtle Pfad sehen, wenn sie zu uns in den Tierpark kommen. Genauso ist der Rohbau der Entdeckerhöhle in der zukünftigen Kea-Anlage bereits zu erkennen. Auch wenn wir die Spielfläche, auf der sich die jetzige Voliere unserer Nestorpapageien befindet, aussparen müssen, sind wir zuversichtlich, dass wir in wenigen Wochen bereits den Großteil des neuen Spielplatzes eröffnen können.“

Die im Hochgebirge Neuseelands beheimateten Papageienvögel sind vor allem für ihre Intelligenz und Neugier bekannt. Dank ihres Erfindergeistes sind sie in der Lage, Werkzeuge zu benutzen und damit auf der Suche nach Nahrung sogar verschlossene Mülltonnen zu öffnen. Der wildlebende Bestand der Keas ist bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch verschiedene Faktoren bedroht. Bis 1971 waren Keas zum Abschuss freigegeben, um die Schafsherden der Farmer vor potentiellen Angriffen zu schützen. Durch die massive Jagd ging die Population der Keas stark zurück. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN stuft die neuseeländischen Papageien mit einem weltweiten Bestand von 1.000 bis 15.000 Individuen als „gefährdet“ ein. Heute zählen vor allem vom Menschen eingeschleppte Säugetiere zu den größten Bedrohungen wildlebender Keas.

Quelle: PM Tierpark Bochum