Erlebniszoo Hannover: Orang-Utan-Weibchen Miri gestorben – Jungtier Yenko von Amme adoptiert

Yenko und Toba - Foto: Erlebniszoo Hannover

Yenko und Toba – Foto: Erlebniszoo Hannover

Große Trauer im Zoo – und gleichzeitig tröstende Freude
Orang-Utan-Weibchen Miri gestorben – Jungtier Yenko von Amme adoptiert

Es war eine Achterbahn der Gefühle für das Team des Erlebnis-Zoo Hannover. Tiefe Trauer auf der einen Seite, tröstende Freude auf der anderen.
Freitagabend, 4. April, verstarb Orang-Utan-Weibchen Miri (24). Die Mutter des zehn Monate alten Jungtiers Yenko musste in Narkose gelegt werden. Miris Bauch war stark geschwollen, sie konnte keinen Kot absetzen – Medikamente gegen die Symptome hatten nach zwei Tagen keine Wirkung gezeigt. Ultraschall und Röntgenbilder sollten daher Aufschluss geben. Doch aus der Narkose wachte das Orang-Utan-Weibchen trotz der sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen nicht mehr auf.
Die Untersuchung in der Pathologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule ergaben eine chronische Bauchfellentzündung und eine akute große Vereiterung in der Gebärmutter des Orang-Utan-Weibchens, die den Kot-Stau verursachte, was schließlich zum Kreislaufversagen führte. „Auch eine Operation hätte Miri nicht retten können“, erklärt Tierarzt Viktor Molnar. Woher die Entzündung stammt, ist unklar, das Orang-Utan-Weibchen hatte keinerlei Anzeichen von Schmerzen gezeigt.
Dem geschockten Zooteam blieb nur wenig Zeit zum Trauern. Während Tierpfleger Klaus Meyer sich um Miris Jungtier kümmerte, telefonierten die Zoo-Tierärzte Katja von Dörnberg und Viktor Molnar in Abstimmung mit dem Koordinator für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Sumatra Orang-Utans Zoos in Deutschland ab, die Orang-Utans halten. Auf der Suche nach einer Amme für das Jungtier wurden sie im Zoo Dortmund fündig. Dort hatte Orang-Utan-Weibchen Toba (20) im Oktober 2013 eine Totgeburt erlitten. Toba hat immer noch Milch, da ihre sechsjährige Tochter Eirina weiterhin regelmäßig bei ihr trank.
Klaus Meyer und Viktor Molnar brachten Yenko Sonnabend Nachmittag nach Dortmund. Dort zeigten die Tierpflegerinnen Toba den kleinen Yenko, zunächst durch ein Gitter getrennt. Toba war sofort interessiert an dem Jungtier und auch Yenko wollte am liebsten gleich zu ihr. Als die Tierpflegerinnen vorsichtig den Schieber zwischen den beiden öffneten, krabbelte Yenko ohne Zögern zu dem fremden Weibchen, krallte sich fest und begann augenblicklich zu trinken. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung schloss Toba den kleinen Affen mit der wilden Frisur ganz offensichtlich ins Herz und nahm ihn an. Jetzt bleiben Toba und Yenko erst einmal einige Tage allein hinter den Kulissen, um in aller Ruhe eine feste Bindung aufbauen zu können.
„Die letzten Tage waren eine Achterbahn der Gefühle“, so Tierpfleger Klaus Meyer, „wir sind so unendlich traurig, dass wir Miri nicht mehr helfen konnten und sie gestorben ist. Aber wir sind auch glücklich, dass wir für ihr Jungtier eine gute neue Mutter gefunden haben und Yenko ganz normal aufwachsen kann.“
Yenko ist das erste Orang-Utan-Baby, das nach 31 Jahren im Zoo Hannover geboren wurde. Das quirlige Kerlchen mit der wilden Frisur und die fürsorgliche Art, mit der Miri sich um ihren Wirbelwind kümmerte, hat Zooteam und Besuch gleichermaßen fasziniert. „Wir werden Miri und Yenko sehr vermissen“, so Meyer, „und wir werden Yenko bestimmt oft besuchen.“

Quelle: PM Erlebniszoo Hannover