Erste Nerz-Jungtiere im Zoo Osnabrück

Foto: Simon Pannock / zoogast.de

Wuseliger Nachwuchs im nordischen „Kajanaland“ im Zoo Osnabrück: Ein Nerzweibchen brachte hier vor knapp zwei Monaten seine Jungtiere zur Welt. Anfangs noch nicht zu sehen, huschen die kleinen Raubtiere jetzt über die Anlage. Der Verein „EuroNerz“ freut sich über den ersten Zuchterfolg im Zoo Osnabrück bei der vom Aussterben bedrohten Tierart.

Flink und wendig wuseln die kleinen Nerze über die Waschbär-Anlage im nordischen „Kajanaland“ im Zoo Osnabrück, in der sie als Untermieter wohnen: „Bislang haben wir zwei Jungtiere gesehen. Aber Nerze sind generell eher scheu und sie haben bei uns auch viele Gelegenheiten sich unter Büschen, Wurzeln und in sogenannten Wurfboxen zu verstecken“, berichtet Kerstin Seifert, Tierpflegerin und Revierleiterin von „Kajanaland“. Für den Zoo Osnabrück ist es der erste Zuchterfolg bei den Mardern. „Wir freuen uns riesig über die beiden Jungtiere und beobachten das junge Familienleben aus der Ferne. Damit sich die Fähe – so heißen die weiblichen Nerze – besonders wohl bei uns fühlt, haben wir viele zusätzliche Verstecke für sie gebaut. Außerdem sind wir in den letzten Wochen nur selten direkt auf die Anlage gegangen, um nicht zu stören“, so Seifert. „Nerze sind recht anfällig für Stress, deswegen haben wir in dieser Zeit zum Beispiel auch die Pflanzen auf der Anlage nicht zurückgeschnitten.“ In den ersten Lebenswochen bleiben die Jungtiere in der geschützten Wurfbox. Wenn sie auf die Welt kommen, sind sie nur etwa fünf Zentimeter groß, fast nackt und blind. Erst mit rund vier Wochen öffnen sie die Augen. In dieser Zeit werden sie intensiv von der Mutter versorgt und gesäugt, wobei sie schon ab dem zehnten Tag auch zusätzlich feste Nahrung zu sich nehmen. Mit etwa fünf Wochen unternimmt der Nachwuchs dann die ersten Ausflüge außerhalb der Wurfbox. Nach nur etwa sechs Monaten sind Nerze bereits ausgewachsen und mit rund einem Jahr geschlechtsreif.

Zusammenarbeit mit „EuroNerz e.V.“
Über den Verein zur Erhaltung des Europäischen Nerzes „EuroNerz“ unterstützt der Zoo die Zucht der bedrohten Tiere, indem er ihnen einen „Wohnplatz“ bei den Waschbären gibt: „In den Wintermonaten geben wir immer einem zuchtunfähigen oder alten Rüden ein Zuhause. Zum Sommer wird dieser gegen eine tragende Fähe getauscht, die dann hoffentlich bei uns ihre Jungen zur Welt bringt und aufzieht“, erklärt Wolfgang Festl, Tierpfleger im Zoo Osnabrück und 1. Vorsitzender des Vereins „EuroNerz“. Die Zucht von Nerzen ist sehr zeitintensiv, wie Festl weiß: „Nerze sind strenge Einzelgänger, die auch in der Paarungszeit vorsichtig aneinander gewöhnt werden müssen. Außerdem wählen sie ihre Partner selber aus.“ Bei der Partnersuche hilft „EuroNerz“ in Zusammenarbeit mit mehreren Zoos und Wildparks, die die Tiere zeitweise aufnehmen: „Zur Paarungszeit holen wir alle zuchttauglichen Tiere in unsere Station. Anhand einer Datenbank wird dann auf wissenschaftlicher Grundlage entschieden welche Tiere in der Theorie gut zusammen passen. Anschließend schauen wir, ob die beiden sich auch in der Praxis gut verstehen und verpaaren. Dazu lassen wir sie zunächst über ein Gitter Kontakt aufnehmen. Wenn sie nicht harmonieren, suchen wir einen neuen Partner“, erklärt Festl weiter. Die wissenschaftlich begleitete Zucht des Europäischen Nerzes ist sehr wichtig für den Arterhalt und die Auswilderung der laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN „vom Aussterben bedrohten“ Tiere. Dazu ist „EuroNerz e.V.“ auch an das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) angeschlossen. Einige der Jungtiere bleiben jedes Jahr zur weiteren Zucht bei „EuroNerz“, die anderen werden regelmäßig am niedersächsischen Steinhuder Meer wieder angesiedelt.

Freche Marder
Durch den stetigen Tausch mit dem Verein kümmern sich die Tierpfleger im Zoo immer wieder um neue Tiere und lernen dabei auch ihre verschiedenen Charaktere kennen: „Eigentlich sind die Waschbären und Nerze recht zahm und wir können die Anlage bedenkenlos zum Säubern und Füttern betreten“, erzählt Kerstin Seifert. „Der Rüde, der im vergangenen Winter bei uns gelebt hat, war aber besonders frech“, schmunzelt die Tierpflegerin, „Er hat nicht nur uns Pflegern gerne in die Schuhe und Hosenbeine gezwickt, sondern auch regelmäßig unsere Waschbären geärgert. Da ist mir die Fähe mit ihren Jungen dann doch etwas sympathischer.“ Noch ein paar Wochen wird die junge Familie im Zoo bleiben. Dann ist der Nachwuchs alt genug und Mutter und Jungen gehen zurück an „EuroNerz“. Für sie zieht dann wieder ein Rüde in die tierische Wohngemeinschaft aus Waschbären und Nerz.

Quelle: PM Zoo Osnabrück