Europäische Erstnachzucht des Philippinenkrokodils im Kölner Zoo gelungen!

Frisch geschlüpftes Philippinenkrodil im Kölner Zoo – Foto: T.Ziegler / Kölner Zoo

Der Kölner Zoo engagiert sich schon seit langem für die Haltung und Vermehrung von Krokodilen und hat bereits mehrfach Pionierarbeit auf diesem Feld geleistet. Ein Beispiel ist die erste weltweit geglückte Zoo-Nachzucht von Brauenglattstirnkaimanen, die im Jahr 1980 im Aquarium des Kölner Zoos gelang. Nun, im Juli 2013, wurde ein weiterer Meilenstein in der erfolgreichen Krokodilhaltung des Kölner Zoos gesetzt, nämlich die erste Nachzucht des Philippinenkrokodils (Crocodylus mindorensis) in Europa.

Das Philippinenkrokodil gehört zu den seltensten und am stärksten bedrohten Krokodilarten der Welt. Die „Crocodile Specialist Group” (CSG) der IUCN hat die vom Aussterben bedrohte Art ganz oben auf ihrer Liste der schutzbedürftigen Arten und unbedingt Ex situ-Maßnahmen empfohlen, sprich sich in Menschenhand um die Nachzucht dieser Art zu kümmern.

Die Eltern des Philippinenkrokodil-Nachwuchses in Köln stammen vom ersten Import dieser Art nach Europa, bei dem Nachzuchttiere aus dem „Palawan Wildlife Rescue and Conservation Center (PWRCC)” auf den Philippinen als Grundstock zum Aufbau eines Erhaltungszuchtprogrammes in europäische Zoos verbracht wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurden insgesamt 15 Philippinenkrokodile nach Europa importiert, basierend auf einer Kooperationsvereinbarung, die die Krokodile als Eigentum der philippinischen Regierung ausweist und die haltenden Institutionen dazu verpflichtet, die Mabuwaya-Stiftung zu unterstützen, die sich dem Schutz dieser bedrohten Art auf den Philippinen widmet.

Zunächst wurden die beiden Kölner Philippinenkrokodile in einer eigens dafür errichteten, geräumigen Anlage hinter den Kulissen des Aquariums gehalten, im Mai 2011 bezogen sie dann die neue Schauanlage im Kölner Aquarium. In beiden Anlagen wurde das Philippinenkrokodilpaar aufgrund des aggressiven Verhaltens dieser Art die meiste Zeit separiert gehalten. Dadurch, dass die Schauanlage mehrere Verbindungstüren bzw. Schleusen hat und auch aufgrund gezielten Verhaltens- (Target-) Trainings konnte das Paar von Zeit zu Zeit zusammen gelassen werden.

Erste Kopulationen fanden Anfang 2012 statt, doch blieben Eiablagen aus. Die von Februar bis Mai 2013 stattgefundenen Paarungen führten dann jedoch zur erhofften Eiablage. Die Eier wurden von uns am 2. Mai 2013 im Nisthügel entdeckt, wahrscheinlich wurden sie bereits um den 25. April dort abgelegt. Das Gelege bestand aus zehn Eiern, wovon jedoch einige deformiert bzw. unbefruchtet waren. Die restlichen Eier wurden in eine Brutmaschine (Inkubator) verbracht und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen bebrütet (28,5-29,5 und 31,5-32,5°C), bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 97 %. Anscheinend entwickelten sich aber nur die beiden Eier, die bei niedrigeren Temperaturen bebrütet wurden: So vernahmen wir am 13. Juli 2013 (am 79. Tag) Rufe aus diesen beiden Eiern. An jenem und am darauf folgenden Tag (Tag 80) leisteten wir Schlupfhilfe. Beide Jungtiere wurden danach in Aufzuchtterrarien überführt und erfreuen sich mit ca. 23 cm Gesamtlänge bester Gesundheit. Es wurde auch schon die erste Nahrung aufgenommen, doch werden die beiden Jungtiere vorerst noch hintern den Kulissen beobachtet und aufgezogen, bevor sie in wenigen Wochen auch dem Publikum im Ausstellungsbereich gezeigt werden können.

Es handelt sich hierbei nicht nur um den ersten Nachzuchterfolg der Eltern Mindo (Mutter, 15 Jahre) und Pinoy (Vater, 13 Jahre), sondern auch um die erste erfolgreiche Vermehrung dieser Art in Europa (!), was einen wesentlichen Beitrag zum ebenfalls vom Kölner Zoo aus koordinierten, erst jüngst veröffentlichten Erhaltungszuchtbuch (ESB) darstellt. Insofern freut sich das Krokodilpflegerteam (Karin van der Straeten, Anna Rauhaus & Detlef Karbe) um den Kurator des Aquariums, PD Dr. Thomas Ziegler, zusammen mit Ralf Sommerlad, der als IUCN CSG Vertreter von Anfang an beratend zur Seite stand, ganz besonders. „Wir sind stolz, auch bei dieser bedrohten Tierart einen Beitrag zu ihrer Erhaltung beisteuern zu können. Ein großes Lob gilt meinem Terrariumteam unter Leitung von Dr. T. Ziegler“, sagt Zoodirektor Theo Pagel, der beim Schlupf des zweiten Tieres höchst persönlich dabei war. Und er ergänzt: „Es wird mir immer in Erinnerung bleiben, wie das Tier aus dem Ei heraus bereits mit uns gesprochen hat.“ Krokodile synchronisieren das Schlupfgeschehen durch Laute.

Die neue Anlage für die Haltung der Philippinenkrokodile wurde u.a. von unserem Förderverein „Freunde des Kölner Zoos“ maßgeblich finanziell unterstützt. Der Einsatz hat sich gelohnt.

Der Kölner Zoo engagiert sich weiterhin für Verhaltensforschung der beiden dort gehaltenen Krokodilarten; so wurden bislang vier Studentenarbeiten am Kölner Zoo zum Sozial- und Raumnutzungsverhalten des Philippinenkrokodils geschrieben. Auch wurde vor den Paarungen ein aufwändiges genetisches Screening der in Europa gehaltenen Philippinenkrokodile durchgeführt, um sicherzustellen, dass es sich auch um reinerbige Tiere handelt, da nur diese einen sinnvollen Beitrag zu einem Erhaltungszuchtprogramm leisten können. Neben finanzieller Unterstützung von Philippinenkrokodilschutzprojekten auf den Philippinen führt der Kölner Zoo auch selbst Untersuchungen zur Erforschung der Biologie seltener und bedrohter Krokodile in Südostasien, so in Vietnam und auf Borneo, durch.

Quelle: PM Zoo Köln