Flamingo-Nachwuchs im Tierpark Bochum

Foto: Tierpark Bochum

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Eigentlich hatten die Tierpfleger die Hoffnung auf weiteren Flamingo-Nachwuchs in diesem Jahr schon aufgegeben. Nachdem im August das erste Küken geschlüpft war, stellten sich die Eier der anderen Vogelpaare leider als unbefruchtet heraus. Doch Anfang September, als das Brutgeschäft schon als abgeschlossen galt, legte eines der Weibchen erneut ein Ei! Die Tierpfleger mussten eingreifen: „Das Ei hätte die bereits kühlen Nächte nicht überstanden!“, erklärt Zoodirektor Ralf Slabik den Entschluss, das Flamingo-Ei aus dem Nest zu nehmen, künstlich zu bebrüten und das Tier von Menschenhand aufzuziehen.
Die Flamingo-Haltung und –Zucht hat im Tierpark Bochum schon lange Tradition. 22 Rosaflamingos leben in einer naturnah gestalteten Außenanlage direkt im Eingangsbereich des Parks. Nachdem die Anlage 2012 aufwändig erneuert wurde, blieb der Nachwuchs in den ersten zwei Jahren aus. Denn Flamingos reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen und jegliche Störfaktoren, die ihre Jungtiere gefährden könnten. Umso größer war die Freude des Tierpark-Teams als die Vögel in diesem Sommer in einem geschützten Bereich der großen Außenanlage ihr Brutrevier errichteten. Insgesamt wurden 10 Eier auf die schlammigen Haufen aus Erde und Sand, die die Tiere für die Eiablage errichtet hatten, gelegt. – Ein Rekord für die Flamingo-Gruppe. Doch genauso wie in freier Wildbahn sind nicht immer alle Eier befruchtet bzw. werden nicht immer ausgebrütet.

Um das Nachzügler-Ei, das die Pfleger Anfang September in der Anlage entdeckten, nicht den Risiken der herbstlichen Witterung auszusetzten, wurde es in einem Inkubator bei kuscheligen 35,5 °C ausgebrütet. Am späten Abend des 02. Oktobers pickte sich das Flamingo-Küken endlich aus der Schale! Direkt nach dem Schlupf brachte der kleine Vogel ein Gewicht von 80 Gramm auf die Waage. „Die ersten Tage sind bei jedem Jungtier entscheidend, doch gerade bei einer Handaufzucht braucht man viel Feingefühl“, erklärt Revierleiter Lukas Gers und fährt fort: „Anfangs haben wir das Küken sechs Mal am Tag mit einem Kropfmilchersatz aus Eigelbpulver, Vitaminen und Kochsalzlösung gefüttert. Außerdem wurde nach jeder Fütterung die Futtermenge und das Gewicht kontrolliert und dokumentiert.“ In der liebevollen Obhut der Tierpfleger entwickelte sich der kleine Flamingo prächtig! Bereits nach einer Woche wog er 180 Gramm und machte erste vorsichtige Schritte. Vom Brutapparat zog der Jungvogel in eine komfortable Box unter einer Wärmelampe. An sonnigen, milden Tagen machten die Tierpfleger mit ihrem Zögling kleine Spaziergänge durch die Flamingoanlage, um ihn an seine zukünftige Umgebung zu gewöhnen.

Mittlerweile ist das Flamingo-Küken einen Monat alt und noch ein kleiner aber schon kräftiger Vogel. Um sich zunehmend an seine ausgewachsenen Artgenossen zu gewöhnen und von seinen Pflegeltern zu entwöhnen, verbringt er täglich ein paar Stunden mit einigen der anderen Flamingos im Nacht- und Winterhaus, wo er zudem vor Krähen und Elstern geschützt ist. Besucher können den Nachwuchs in dieser Zeit durch die großen Panoramascheiben des Hauses gut beobachten.

Das Verbreitungsgebiet der Rosaflamingos erstreckt sich über Teile Afrikas, Asiens und (Süd) Europas. Die nördlichste Kolonie wurde an der deutsch-niederländischen Grenze beobachtet. Je nach Region, wandern Flamingos zwischen ihrem Brut- und Überwinterungsgebiet, was gerade in den nördlicheren Teilen ihres Verbreitungsgebiets auf die Witterung und die damit verbundene Nahrungsknappheit zurückzuführen ist.

Quelle: Tierpark Bochum