Forschung zum Wohl der Tiere im Zoo Osnabrück

Foto: Zoo Osnabrück

Foto: Zoo Osnabrück

Forschung zum Wohl der Tiere im Zoo Osnabrück
Deutschlandweit einzigartige Elefantengruppe unter die Lupe genommen

Forschung ist neben Bildung, Erholung, Natur- und Artenschutz eine der vier Hauptaufgaben von Zoos. Auch im Zoo Osnabrück wird regelmäßig geforscht – in einem kürzlich abgeschlossenen Projekt untersuchten zwei Studentinnen das Sozialverhalten von Asiatischen Elefantenjungbullen unter Aufsicht eines erwachsenen Bullen.

Stuhl, Handy, Klemmbrett, Stoppuhr – das war die tägliche Ausrüstung der Studentin Viviann Meyer, wenn sie ins Elefantenrevier kam. Insgesamt dreizehn Wochen mit etwa 15 Stunden pro Woche verfolgte sie das Zusammenleben des Elefantenjungbullenquartetts mit dem erwachsenen Elefantenbullen Luka. Vorangegangen war bereits eine zwölfwöchige Beobachtung einer weiteren Studentin. „Das Forschungsthema war besonders spannend, da der Zoo Osnabrück der einzige Zoo in Deutschland ist, in dem Elefantenjungbullen gemeinsam mit einem erwachsenen Bullen leben. Über das Sozialverhalten in einem solchen Verband in einem Zoo gab es bislang keine Studien“, erklärt Lehramtstudentin Meyer. Bei ihren Beobachtungen wendete sie die sogenannte Fokustiermethode an: „Ich beobachtete jedes Tier jeweils zehn Minuten und notierte mir, welche anderen Tiere sich in dieser Zeit in seiner Nähe befanden und welche Berührungen zwischen den Tieren stattfanden. Dabei habe ich die Interaktionen nach Sender und Empfänger unterschieden. Ziel war es, so ein möglichst umfassendes Bild der Beziehungen zwischen den Individuen zu bekommen“, beschreibt Meyer ihre Forschungen. Das Besondere an der Fokustiermethode ist, dass keine Stichproben durchgeführt werden, sondern eine kontinuierliche Beobachtung das Verhalten genau dokumentiert. Dabei zeigte sich, dass die Jungbullen im Alter von vier bis sechs Jahren überraschend viel mit dem 41 Jahre alten Bullen Luka interagieren und ihn als ihre Leitfigur voll akzeptieren.

Hilfe beim Erwachsenwerden

Zoodirektor Prof. Michael Böer begleitet derartige Studien, die in Kooperation mit verschiedenen Hochschulen wie der Universität Osnabrück stattfinden. „Bei Forschungen in der Wildbahn hat man bereits festgestellt, dass das Temperament von Jungbullen durch ältere Leitbullen gezügelt wird. Das ist wichtig, damit sie Grenzen erfahren und sich später in einem Sozialgefüge mit Elefantenkühen zurecht finden. Hier im Zoo wollten wir diese Situation aus der Natur nachbilden. Das Verhalten der Tiere zeigt uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Ein erwachsener Bulle ist auch im Zoo ein wichtiger Partner und Lehrmeister für die Jungbullen“, betont Böer.

Zoos als Forschungseinrichtung

Die Forschungsarbeit an den Osnabrücker Elefanten ist kein Einzelfall. „Für uns als Zoo sind derartige Arbeiten von großer Wichtigkeit. Denn wir betreiben keine Forschung im Elfenbeinturm, sondern versuchen durch die gewonnenen Ergebnisse die Tierhaltung in Zoos permanent zu optimieren. Dass es den Tieren in unserer Obhut gut geht, ist unser oberstes Ziel – und nur so können sie als Botschafter für den Natur- und Artenschutz werben“, ist Böer überzeugt. Von Viviann Meyers Arbeit und ihren Erkenntnissen profitieren auch die anderen Zoos. „Da es in anderen Zoos nur reine Jungbullengruppen gibt, schauen die Kollegen gespannt auf Osnabrück, welche Erfahrungen wir hier machen. Deswegen sind die Ergebnisse besonders wertvoll und wegweisend“, erläutert Böer.

Auch die Tierpfleger profitieren von der Arbeit. Elefantenrevierleiter Detlef Niebler stand dazu im ständigen Austausch mit den Studentinnen: „Da wir selbst im Tierpflegeralltag nur wenig Zeit für langfristige und intensive Beobachtungen haben, waren die Studien von Frau Meyer eine große Hilfe für uns. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine für die Tiere fremde Person die Beobachtungen durchgeführt hat – die Tiere fühlen sich dann unbeobachtet und verhalten sich ganz normal. Am Ende jedes Tages haben wir dann unsere Eindrücke ausgetauscht“, erklärt der langjährige Tierpfleger.

Während die Beobachtungen bei den Elefanten vorerst beendet sind und Studentin Vivann Meyer ihre Arbeit abgeschlossen und zur Bewertung abgegeben hat, laufen in anderen Bereichen des Zoos weitere Studien, zum Beispiel bei den Wölfen. So kann der Zoo Osnabrück auch bei anderen Tierarten überprüfen, ob sich die Zoobewohner wohl fühlen.

Mehr Infos zum Asiatischen Elefant: TIERLEXIKON

Quelle: PM Zoo Osnabrück