Gänsegeier aus der Wilhelma am Balkan ausgewildert

Gänsegeier mit Nachwuchs - Foto: Wilhelma

Gänsegeier mit Nachwuchs – Foto: Wilhelma

Neues von den Greifvögeln:
Von Auswilderungen, Nachwuchs und kommentierten Fütterungen

Bei den Greifvögeln der Wilhelma tut sich was: Vor zehn Tagen sind drei Gänsegeier aus der Wilhelma ausgezogen und nach Bulgarien gereist, um dort auf die Auswilderung vorbereitet zu werden. Derweil ist der nächste Geier-Nachwuchs bereits geschlüpft, ein weiterer Jungvogel steht kurz davor. Und bei neuen kommentierten Fütterungen können die Besucher nicht nur über Geier jede Menge lernen, sondern auch über die anderen Greifvögel und die Eulen in der Wilhelma.
2011 und 2012 waren die Gänsegeier Buli, Rila und Pirin geschlüpft – als drei von über dreißig, die in der Wilhelma bereits das Licht der Welt erblickten. Und schon bei ihrer Geburt stand fest, dass sie eines Tages ausgewildert werden und über dem Balkan kreisen sollten. Dort waren die Gänsegeier bis vor 50 Jahren noch heimisch, bevor vergiftete Köder für Wölfe auch ihnen den Garaus machten. Mittlerweile ist die Organisation „Green Balkans“ jedoch dabei, das Balkanmassiv als Heimat für die Geier wiederzubeleben. 2010 ließ sie die ersten 26 Vögel frei, weitere folgten. Und bald werden auch die Geier aus Stuttgart an der Reihe sein. Ihre Anreise im Lieferwagen nach Bulgarien über Österreich, Ungarn und Rumänien in nur 25 Stunden haben die drei gut überstanden, wie die Tierärzte bei der Erstuntersuchung an Ankunftsort, dem Wildlife Rescue Centre in Stara Zagora, feststellten. Hier werden die Vögel zudem markiert, bevor sie weiterreisen: Ziel ist dann die Auswilderungsstation in den Bergen, wo sie sich akklimatisieren und an die übrigen Geier aus anderen Zoos gewöhnen können, um dann Schritt für Schritt auf ein Leben in Freiheit vorbereitet zu werden. Seit für die Gänsegeier in einem ihrer letzten europäischen Refugien, in Spanien, auch immer weniger Nahrung abfällt, hat das bulgarische Wiederansiedlungsprojekt an Bedeutung gewonnen. Zwar hat der IUCN (International Union for Conservation of Nature) den Gänsegeier weltweit noch nicht als gefährdet einstuft, aber zumindest in Europa geht es dem großen Vogel mehr schlecht als recht.

Das und viel mehr über Gänse-, Bartgeier und andere Greifvögel und Eulen erfahren die Besucher künftig auch bei den neuen, kommentierten Greifvogel-Fütterungen der Wilhelma – und zwar aus erster Hand und berufenem Munde, nämlich von den Tierpflegern. Ob Bartkauz, Uhu, Seeadler, Schneeeule oder Geier: Jede Art erhält künftig täglich außer montags und freitags ab 14.00 Uhr vor Publikum eine artgemäße Mahlzeit, während die Pfleger Wissenswertes über Lebensweise, Eigenarten und die unglaublichen Fähigkeiten dieser Vögel erzählen und dabei Fragen der Besucher beantworten. Diese können derzeit zudem einen Blick in die etwas unordentlich wirkende Kinderstube der Gänsegeier werfen – und dort, falls die Geiermutter sich nicht gerade schützend davor aufbaut, das erste geschlüpfte Küken dieses Jahres entdecken. Bis auch das zweite und derzeit intensiv bebrütete Ei aufbricht, ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Quelle: PM Wilhelma