Geburten und Zuwanderung bei Alpaka und Lama im Zoo Zürich

Alpaka mit Nachwuchs – Foto: Zoo Zürich

Innerhalb der Huftiere zählen die Mitglieder der Kamelfamilie zu den grössten Pflanzenfressenden Säugetieren in Trockenregionen. Sie gehören zu den Paarhufern, nehmen da aber eine besondere Stellung ein, da sie mit der ganzen Sohle auftreten und daher auch Schwielensohler genannt werden. Auch bezüglich ihres Verdauungsapparates nehmen die Kameliden eine spezielle Stellung ein. So sieht man sie häufig wiederkäuen, jedoch hat sich diese Spezialisierung unabhängig von den anderen Wiederkäuern, wie etwa den Rinderartigen, entwickelt.
Zu den Grosskamelen gehören das afrikanische Dromedar und das asiatische Trampeltier.
Etwas weniger bekannt sind die vier südamerikanischen Neuweltkamele: die Wildformen Vikunja und Guanako und die domestizierten Formen Lama und Alpaka. Nach heutigem Wissensstand stammen sowohl das als Lasttier domestizierte Lama wie auch das zur Wollgewinnung genutzte Alpaka hauptsächlich vom Guanako ab. Man nimmt aber an, dass auch das Vikunja im Laufe der Entwicklung einen Beitrag geleistet hat. Insgesamt sind die vier Formen einander noch so nah verwandt, dass sich die evolutive Differenzierung zu Arten vermutlich noch sehr am Anfang befindet. Sozusagen ein brandaktuelles Beispiel der Evolution also.
Die feingliedrigen Vikunjas leben in den Hochebenen der Anden von 3200 bis 4800 Metern über Meer und fressen am liebsten Gras und Kräuter. Organisiert sind sie in Familiengruppen, bestehend aus einem Hengst und wenigen Weibchen und deren Nachwuchs oder in reinen Männchengruppen. Vikunjas sind standorttreu und verteidigen ihre Reviere gegen eindringende Artgenossen hartnäckig. Ihre Wolle galt schon im Inkareich als unermesslich kostbar und das Tragen von Kleidern aus Vikunjawolle war nur Fürsten und Priestern erlaubt.
Etwas weniger spezialisiert in ihrer Lebensraum- und Nahrungsauswahl sind die Guanakos. Sie sind sowohl auf Meereshöhe wie auch in über 4000 Metern Höhe in verschiedenen Lebensräumen in den Andenregionen Argentiniens und Chiles anzutreffen. Wie bei den Vikunjas besitzen ihre roten Blutkörperchen Eigenschaften, die es erlauben, in grossen Höhen genügend Sauerstoff aufzunehmen.
Vor hundert und mehr Jahren bevölkerten weit über zwei Millionen Vikunjas und Guanakos die Anden und deren Ausläufer. Durch massive Bejagung wurden diese Bestände bis Mitte des letzten Jahrhunderts so drastisch dezimiert, dass die Vikunjas 1969 auf die Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN gesetzt und unter strengen Schutz gestellt wurden. Seither haben sich die Vikunjabestände wieder etwas erholt und man geht heute von einem Bestand von ungefähr 350‘000 Tieren aus. Gleiches widerfuhr den Guanakos, wenn auch die Bestände nicht ganz so stark abnahmen, wohl weil Guanakos etwas flexibler in ihren Ansprüchen sind.
Im Zoo Zürich werden alle vier Arten Kleinkamele gepflegt. Wer Tiere kennt, wird Tiere schützen.

Familienergänzung
Seit einiger Zeit besteht unsere Lamaherde aus zwei Tieren, dem vierjährigen Hengst JORGE, der 2010 aus Hannover nach Zürich kam und der 21-jährigen, in Zürich geborenen Stute SARA. Zwei weitere Lamas gehören zur bunten Schar der Kameliden im Zoolino. SARA ist in die Jahre gekommen und der junge JORGE ist ihr wohl manchmal etwas zu stürmisch. Zur Ergänzung der Herde übernahmen wir deshalb zwei Lamastuten vom Kamelhof in Olmerswil. XENIA und SORPRESA sind sechs und fünf Jahre alt und werden unsere Gruppe ideal ergänzen. Die beiden befinden sich zurzeit noch in der Quarantänestation des Zoos. Dort werden sie vom Tierarzt untersucht und beobachtet und wechseln in die Lama-Anlage sobald der Tierarzt sie freigibt. Die Integration von neuen Lamas stellt in der Regel kein grosses Problem dar. Dennoch ist mit etwas Spucke zurechnen. Alle Kamele können spucken, aber Lamas tun dies verhältnismässig häufiger, da das Spucken Ausdruck von Dominanz ist und eingesetzt wird, um Rangverhältnisse zu klären. Die Spucke besteht nicht aus Speichel, sondern aus Mageninhalt und ist daher übel riechend.
In den hochgelegenen, trockenen Andenregionen waren Lamas schon zu Zeiten des Inkareiches von grossem Wert. Sie dienten als Lasttiere, aber auch als Lieferanten von Wolle, Fell, Fleisch, Milch und getrocknetem Dung als Brennstoff. Auch heute wird das Lama in abgelegenen Regionen noch als Lasttier genutzt, wenn es auch in einigen Gebieten von modernen Transportmitteln und vom wollreicheren Alpaka verdrängt wurde.

Auf Wanderschaft: Direkter Tier-Mensch-Kontakt
Landauf landab begegnet man privaten Haltern von Lamas und Alpakas, und dennoch hält auch der Zoo Zürich diese Tiere neben Schneeleopard, Dschelada & Co in seinem Bestand. Die Gründe hierfür sind einfach: Es sind in vielfältiger Hinsicht spannende Tiere und sie lassen einen direkten Kontakt zwischen Mensch und Tier zu. Eine der Zielsetzungen des
Zoos ist es, die Besucher über ein emotionales Erleben an die Tiere heran zu führen. Und da leisten Haustiere – Lama und Alpaka gehören aufgrund ihres durchlaufenen Domestikationsprozesses zu dieser Kategorie – hervorragende Dienste. Lamas und Alpakas sind sehr aufmerksame, wache Tiere. Da die meisten Leute wissen, dass Lamas spucken können, begegnet man ihnen in der Regel mit Respekt.
Das Zoolino mit seinen Haustieren ist die eigentliche ‚Kontaktzone‘ zwischen Mensch und Tier, wo auch eine direkte Berührung stattfinden kann (was wir bei Wildtieren zu verhindern suchen). Doch der ‚Arm‘ des Zoolinos reicht weiter: Mit einer Karawane aus Lama, Alpaka, zuweilen gemixt mit Ponies und Eseln, spazieren Mitglieder des Freiwilligenteams im Zoo herum. Das ist einerseits für diese Tiere interessant, gibt es doch überall Spannendes zu sehen und zu riechen – was auch für die von der Karawane besuchten Zoobewohner gilt.
Andererseits gibt es so eine grosse Kontaktfläche zu den Besuchern hin. Von Zeit zu Zeit hält die Karawane inne und die Besucher können sich den Tieren nähern und erhalten zudem von den Freiwilligen kompetente Auskünfte.
Eigentlich war für heute eine weitere ausserordentliche ‚Karawane‘ vorgesehen gewesen mit Start in der Quarantäne und bestehend aus den beiden neuen Lama-Stuten und dem neuen Alpaka-Hengst. Alle neu im Zoo Zürich eintreffenden Tiere machen in der Quarantäne-Station einen Zwischenhalt, wo sie auf Krankheiten und Parasiten untersucht werden. Bei diesen drei Neuankömmlingen wurden – nicht ganz überraschend – Parasiten gefunden und entsprechend eine Wurmkur eingeleitet. Eine neuerlich untersuchte Kotprobe hat aber gezeigt, dass die eingeleitete Behandlung noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat und wiederholt werden muss. Zum Schutze der anderen Tiere haben deshalb die Zootierärzte dieser ‚Karawane‘ noch keine Starterlaubnis erteilt, die Integration dieser Tierein den Bestand verzögert sich.

Saisongerecht mit feinem Pullover geboren
Änderungen in der Familienstruktur hat auch unsere Alpakaherde erfahren. Im Juni dieses Jahres mussten wir den 8 Jahre alten Hengst RICO aus medizinischen Gründen einschläfern. RICO hatte die bunte Truppe von 3 Stuten und ihren Jungtieren seit 2006 angeführt. Nun soll ein neuer Hengst in der Gruppe heran wachsen. BROWNIE ist ein junger, gut einjähriger Hengst. Auch er befindet sich, wie die Lamas, noch in der Quarantänestation, wird aber bald seine neue Familie kennen lernen. Diese ist im letzten Monat gleich um zwei Tiere angewachsen. Am 20. und 24. September haben die beiden Stuten YAUCA und JACKY je ein Stutfohlen bekommen, die von den Tierpflegern auf die Namen NAYELI und NUKA getauft wurden. Mit etwas Glück kann man die beiden fast gleichaltrigen Jungtiere zurzeit beim Spiel beobachten. Dann rasen sie in hohem Tempo und bergauf und bergab und vollführen hohe Luftsprünge. Auch die Stute LUCIA hat dieses Jahr im Februar Nachwuchs bekommen und auch ihr Junges ist ein Stutfohlen. BROWNIE wird also sechs Weibchen in seiner neuen Anlage antreffen.
Alpakas wurden zur Wollgewinnung gezüchtet. Ihr Fell schützt sie bestens vor Kälte, Wind und Nässe, aber auch vor extremer Hitze. Alpakawolle ist fein, geschmeidig und angenehm zu tragen. Die Fasern sind sehr widerstandsfähig und gleichzeitig elastisch. Diese Eigenschaften machen die Alpakawolle noch heute zu einem gefragten Naturprodukt.

Quelle: PM Zoo Zürich