Gefährlicher Nachwuchs im Aquarienhaus des Bochumer Tierparks

Zoonews NewsOben klettern quirlige Weißbüscheläffchen, unten schwimmen kleine Killer-Knirpse: In der Südamerika-Anlage des Aquarien- und Terrarienhauses des Bochumer Tierparks können Besucher jetzt in die Kinderstube der Roten Piranhas (Pygocentrus nattereri) und Pfauenaugen-Stechrochen (Potamotrygon motoro) schauen.

Zusammen mit Buntbarschen und anderen kleineren Fischarten des Amazonasgebiets schwimmen nun ein Schwarm von 88 heranwachsenden Piranhas sowie ein Jungtier der Süßwasser-Rochen in dem 6000 Liter großen Südamerikabecken. In Kürze sollen fünf weitere kleine Rochen einziehen. In der vergangenen Woche haben die Aquarienpfleger des Tierparks das Becken für die Jungtiere vorbereitet. Einige der vorherigen Bewohner ̶ Gabelbärte und Pfauenaugen Buntbarsche ̶ sind vorübergehend in die Anlage der Brauen-Glattstirnkaimane bzw. in die Amazonasanlage der Lisztaffen und ausgewachsenen Rochen im hinteren Teil des Aquarienhauses umgezogen. Alle Tiere haben sich in ihrer neuen Umgebung bereits gut eingelebt!

Der Piranha-Nachwuchs ist vor drei Monaten aus einer Privathaltung in den Tierpark gekommen und wurde bisher hinter den Kulissen in einem Aufzuchtbecken großgezogen. Rote Piranhas sind die am weitesten verbreitete Piranha-Art. Ihr Lebensraum sind die tropischen Fließ- und Stehgewässer Südamerikas. Piranhas sind omnivor, d.h. sie ernähren sich sowohl von Fischen, Krebsen, Insekten und Aas, als auch von pflanzlicher Nahrung. Als Lauerjäger gehen sie im Schwarm hauptsächlich in der Dämmerung auf Beutefang. Der Zusammenschluss zu einer großen Gruppe dient aber nicht allein der Nahrungssuche, sondern vor allem dem Schutz vor Fressfeinden. „Piranhas haben einen schlechten Ruf und werden in Abenteuerromanen und Horrorfilmen häufig als aggressive Killer dargestellt. In ihrer Heimat Südamerika werden die Fische allerdings verehrt und für ihre Aufgabe als ‚Gesundheitspolizei‘ geschätzt“, weiß der zuständige Tierpfleger und Süßwasserspezialist Christoph Schulze und ergänzt: „Als Aasfresser sorgen sie dafür, dass Tierkadaver aus den Flüssen beseitigt werden und sich somit keine Krankheiten ausbreiten können.“

Eine Besonderheit der Fische ist ihre schnelle Wundheilung. Beim Vertilgen der Beute im Schwarm kann es vorkommen, dass sie sich gegenseitig verletzen. Eine gute Wundheilung ist daher sehr vorteilhaft; selbst angebissene Flossen wachsen innerhalb kurzer Zeit wieder nach.

Die sechs Jungtiere der Pfauenaugen-Stechrochen sind erst wenige Tage alt und haben bereits einen Durchmesser von etwa 15 cm, als ausgewachsene Tiere können sie bis zu 80 cm im Durchmesser groß werden. Pfauenaugen-Stechrochen sind lebendgebärend. Nach einer Tragzeit von etwa vier Monaten bringen sie vollentwickelte Jungtiere zur Welt! Die geglückte Nachzucht freut Christoph Schulze, denn: „Pfauenaugen-Stechrochen zählen zu den gefährdeten Tierarten, denn sie werden nicht nur viel gejagt, ihr Lebensraum ist außerdem durch die Schifffahrt und Wasserkraftwerke sehr bedroht.“ Pfauenaugen-Stechrochen haben am Schwanz einen Giftstachel, dessen Gift sehr gefährlich ist. Aus diesem Grund sind sie in ihrer Heimat sogar mehr gefürchtet als die Piranhas! Die Süßwasserrochen sind vor allem im Amazonas und Orinoco verbreitet. Dort ernähren sie sich von Würmern, Krebsen, Muscheln und Fischen, die sie im Flussgrund aufspüren. In der Nacht vergraben sie sich gut getarnt im Sandboden in Ufernähe.
Im Tierpark Bochum kann man montags und freitags, jeweils um 15:00 Uhr bei der Fütterung der ausgewachsenen Rochen und ihren Mitbewohnern zusehen.

Quelle: PM Tierpark Bochum