Geparden des Zoos Neuwied und des Tiergartens Nürnberg reisen nach Frankreich

Im ersten Moment mag es seltsam klingen, dass der Europäische Zooverband anweist zwei Gepardenweibchen aus dem Zoo Neuwied und ein weiteres aus dem Tiergarten Nürnberg in den Bioparc Doué-la-Fontaine umzusiedeln. Zumal in dem artenreichen Zoo in Nähe der französischen Atlantikküste eigentlich schon ein Gepardenpärchen lebt, doch auch dieses soll getrennt werden – der Kater wird in den Zoo Rostock kommen.
Seltsam? Nein! Alles läuft im Sinne des Europäischen Zuchterhaltungsprogramm (EEP). Das sieht vor, dass die alle Tiere einer Art, die in europäischen Zoos leben, in einem Zuchtbuch geführt werden. In diesem Buch wird der Verwandtschaftsgrad festgehalten um, wenn die Tiere geschlechtsreif sind, immer ein Pärchen zusammenzuführen, das genetisch so weit wie möglich auseinanderliegt. Das Ziel ist Inzucht zu vermeiden, so wie es z.B. vor kurzem unbeabsichtigt im Zoo Köln geschehen ist. zoogast.de berichtete (Bericht)
Soweit, so gut. Doch spielt leider die Natur nicht immer bei den Plänen europäischer Zuchtkuratoren mit. Optimal wäre wenn jede Geburt der zusammengeführten Tiere immer ein ausgeglichenes Verhältnis von Männchen und Weibchen bringen würde, doch so ist es nicht. Aber wohin mit den überzähligen Tieren. Die Lösung ist sogenannte Junggesellen/innengruppen zu bilden.
Natürlich hätte jeder Zoo lieber ein zuchtfähiges Pärchen, schon allein wegen der Attraktivität von Tierbabys in den Augen der Zoobesucher. Doch um dieses Manko auszugleichen werden die gleichgeschlechtlichen Gruppen meist relativ groß gehalten. Denn in der Attraktivitätsskala kommt gleich nach Tierbabys ein ganzes Rudel einer Art. Zumeist verfolgt der Zoo, der sich für die Art der Haltung entscheidet, auch eigene Interessen. So hält der Tierpark Hellabrunn z.B. ein Bruderpaar asiatischer Löwen, da der Platz zwar auf der aktuellen Anlage für zwei erwachsene Löwen ausreicht, aber zu klein wäre, sollte der Wurf eines Löwenweibchens zahlreicher ausfallen als gedacht.
Doch nicht nur Hellabrunn hat sich für eine Junggesellenhaltung entschieden. Der Zoo Heidelberg hat seine gesamte Elefantenanlage umgebaut, da man sich entschloss asiatischen Elefantenbullen während ihrer „Teenagerzeit“ ein Heim zu bieten. Ebenso hält es der Zoo Augsburg mit den Kattas. Die Tiere, die eine begehbare Anlage bewohnen sind allesamt Männchen. Und nun gibt es also einen reinen Frauenhaushalt im Gepardengehege des französischen Bioparc Doué-la-Fontaine.
Doch noch einen Vorteil hat die Haltung dieser gleichgeschlechtlichen Gruppen. Da man sich entschlossen hat keine Tiere mehr aus der Wildnis zu entnehmen, sind solche Gruppen eine wichtige genetische Reserve. Denn wenn aus irgendwelchen Gründen einer der zur Zucht auserkorenen Tiere nicht in der Lage ist den gewünschten Nachwuchs zu bringen, so kann schnell die Zeit für ein Mitglied einer solchen Gruppe kommen.
Es zeigt sich also, dass es zwar im ersten Moment seltsam klingt, wenn ein Gepard vom Atlantik an die Ostsee reist, um Platz für drei Weibchen dieser wunderschönen Katzenart aus Deutschland zu machen. Doch wenn man hinter die Kulissen blickt, fügt sich alles zusammen.

M.Schmid/zoogast.de