Gesundheitscheck bei den Schimpansen im Zoo Osnabrück

Gesundheitscheck bei den Schimpansen – Foto: Zoo Osnabrück

Vorbereitungen für den Umzug von Kisha und Kume
Ein großer Gesundheitscheck stand heute bei den Schimpansen im Zoo Osnabrück an. Weibchen Kisha und Männchen Kume ziehen Anfang September in andere Zoos um und wurden deswegen untersucht.
„Kisha und Kume müssen uns leider demnächst verlassen. Sie sind bei uns geboren und da sie nun geschlechtsreif werden bzw. schon sind, müssen sie in andere Schimpansengruppen umsiedeln“, erläutert Zoodirektor Prof. Michael Böer. Doch bevor es für die beiden Anfang September auf die Reise geht, stand ein umfangreicher Gesundheitscheck auf dem Programm. Und so herrschte am Donnerstagmorgen Aufregung bei der neunköpfigen Schimpansengruppe in der afrikanischen Erlebniswelt „Takamanda“, denn für die Untersuchung wurden die beiden neunjährigen Patienten von der übrigen Gruppe getrennt und narkotisiert. Zootierarzt Thomas Scheibe beschreibt den Prozess: „Wir haben bei Kisha und Kume eine allgemeine klinische Untersuchung durchgeführt und Blut abgenommen. Kume haben wir auch geröntgt. Stuhlproben hatten wir bereits vorab genommen.“ Die Überprüfung auf Tuberkulose, Salmonellen oder Herpes sei üblich, wenn Tiere in andere Zoos und vor allem ins Ausland reisen. „Kisha wird in den Zoo Leipzig gehen, Kume in den Zoo Basel. Davor müssen wir natürlich sicherstellen, dass beide kerngesund sind, damit keine Krankheiten übertragen werden.“ Die ersten, sichtbaren Ergebnisse, wie die Röntgenaufnahmen, zeigten, dass beide in einer sehr guten Verfassung sind.
Die Blutproben analysieren nun Spezialisten im Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen. Die Untersuchung dauerte insgesamt zwei Stunden und verlief ruhig: „Zwar schlug Kume zwischendurch die Augen auf und wir mussten ihm noch einmal ein wenig des Narkosemittels verabreichen, aber die beiden haben alles prima überstanden“, so Zoodirektor Böer. Unterstützt wurden die beiden Zootierärzte Scheibe und Böer von Dr. Gerhard Gellermann und Moritz Kaiser von der Tierklinik Belm.

Schimpansen vom Aussterben bedroht
Die geregelte Nachzucht von Schimpansen in Zoos sei sehr wichtig, wie Zoodirektor Prof. Böer erklärt: „Schimpansen gelten als stark gefährdet und sind mittelfristig vom Aussterben bedroht. Ursachen dafür sind das rasche Bevölkerungswachstum und der zunehmende Bedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche für Menschen in den Staaten Westafrikas. Deswegen müssen wir Zoos dafür sorgen, dass außerhalb der Wildbahn eine überlebensfähige Population entsteht.“ Nur so könne man sicherstellen, dass auch noch Kinder und Enkelkinder die beeindruckenden Verwandten erleben können. „Bei der Rettung von bedrohten Tierarten hat es sich in den letzten Jahren bewährt, einerseits auf Artenschutzmaßnahmen vor Ort zur Bewahrung des Lebensraums und Aufklärung der Bevölkerung zu setzen. Andererseits müssen wir parallel zum Beispiel in Zoos professionell Nachzucht betreiben“, so Böer. Nur so könne man die genetische Vielfalt zur Wiederansiedelung von Tieren erhalten – auch wenn diese Maßnahme möglicherweise erst in einigen Jahrzehnten notwendig werde.

Im Zoo Osnabrück leben Westafrikanische Schimpansen. Von ihnen gibt es schätzungsweise nur noch 15.000 bis 20.000 Tiere in der Wildbahn. Deswegen sei die Fortführung der Zucht in Zoos besonders wichtig, so Experte Böer. Insgesamt leben 150 zuchtfähige Tiere in europäischen Zoos, deren Fortpflanzung mithilfe des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) professionell koordiniert wird. So reist im Herbst ein Schimpansenweibchen aus Basel an den Schölerberg. Damit erhält das Osnabrücker Männchen Tatu eine weitere Partnerin, mit der er Nachkommen zeugen kann. Diese helfen hoffentlich dabei die Westafrikanischen Schimpansen zu erhalten.

Quelle: PM Zoo Osnabrück