Giraffe erhält Arthrose-Behandlung im Osnabrücker Zoo

Foto: Zoo Osnabrück/Lisa Josef

Foto: Zoo Osnabrück/Lisa Josef

Auch Giraffen können „Alterskrankheiten“ wie Arthrose bekommen- so auch die Diagnose bei dem Osnabrücker Giraffenbullen Edgar. Das tiergartenbiologische Team und die Tierpfleger umsorgen den Bullen, wo es geht, und haben einen Therapieplan für ihn erstellt.

Giraffenbulle Edgar lebt seit 15 Jahren im Osnabrücker Zoo, ist mit seinen 17 Jahren bereits 15-facher Vater und mindestens sechsfacher Großvater. Giraffen können rund 25 Jahre alt werden – Bullen erreichen jedoch selten ein so hohes Alter, denn sie sind deutlich größer als die Kühe und bekommen daher früher gesundheitliche Probleme. Bei Edgar, der beinahe fünfeinhalb Meter misst und 1,3 Tonnen schwer ist, macht sich das Alter nun deutlich bemerkbar: Der betagte Bulle ist seit etwa einem Jahr an Arthrose erkrankt. „Arthrose ist eine Gelenkverschleißerscheinung, die besonders dann auftritt, wenn Gelenke stark belastet werden: Gelenkpfanne und

-kopf sind von einer schützenden Knorpelschicht umgeben und mit Gelenkschmiere ausgestattet. Beides ermöglicht eine reibungslose Bewegung der Gelenke. Als Folge starker Belastung oder auch aufgrund genetischer Veranlagungen schwindet der Knorpel schleichend und die Knochen reiben aneinander“, erklärt Zoodirektor und Tierarzt Prof. Dr. Michael Böer. Arthrose sei bei Giraffen keine ungewöhnliche Erkrankung, denn durch ihre Körpergröße werden die Gelenke generell stark belastet.

Diagnostik bei Zootieren
Die Diagnostik bei Wildtieren ist selbst für das erfahrene Veterinärteam nicht einfach: Einerseits lassen sich Wildtiere Schmerzen oder Krankheitssymptome kaum anmerken, denn in der Wildbahn würde es sie angreifbar machen. Anderseits kommt der Tierarzt nur schwer an die Tiere heran, um sie zu untersuchen. „Selbst die harmlos wirkenden Giraffen können andere Tiere oder Menschen lebensgefährlich verletzen, wenn sie ausschlagen. Und eine Narkose für eine Untersuchung ist wegen des komplizierten Kreislaufsystems einer Giraffe riskant“, so Zoodirektor Böer. Doch bei Edgar ist deutlich zu sehen, dass er immer wieder das betroffene Gelenk entlasten will und weniger agil ist. Auch die aufeinander reibenden Knochen sind manchmal zu hören. So war eine Diagnose dann eindeutig.

Klassische Medizin, Wärme und Homöopathie
„Im Zoo werden die Tiere so alt, dass sie Alterskrankheiten bekommen können“, so Böer, „und jetzt ist es unsere Aufgabe, Edgars Lebensabend möglichst angenehm zu gestalten.“ In einem Team aus Zootierarzt Thomas Scheibe, Zoodirektor Böer, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Tierpflegern und im Austausch mit anderen Zoos wurde gemeinsam ein Therapieplan erstellt. Von der fortgeschrittenen Arthrose betroffen ist das vordere linke „Buggelenk“, das zwischen Schulterblatt und Oberarm sitzt. „Derzeit therapieren wir unseren Giraffenbullen auf drei Ebenen: Wir gehen nach Methoden der klassischen Medizin vor, zum Beispiel mit Wärme“, erklärt der Zoodirektor, „Wärme tut bei Arthrose gut, denn sie fördert die Durchblutung, Abbaustoffe werden besser abtransportiert und Nährstoffe besser aufgenommen.“ Die Tierpfleger installierten daher für Edgar eine Wärmeplatte in rund 2 Metern Höhe, so wärmen die Infrarotstrahlen das betroffene Gelenk.

Außerdem bekommt Edgar Nahrungsergänzungsmittel, die unter anderem die Knochen stärken. „Zudem setzen wir homöopathische Mittel ein, die bei ihm gut anschlagen. So müssen wir glücklicherweise nur sehr selten Schmerzmittel verabreichen“, so Böer. Schmerzmittel rufen bei Tieren wie beim Menschen auch in höheren Dosen über längere Zeit Magenprobleme und Gewöhnungserscheinungen hervor. Beides wollen Zoodirektor und Tierarzt vermeiden. „Daher bekommt der Bulle verschiedene homöopathische Mittel, wie zum Beispiel ein Komplexmittel, das auch beim Menschen verwendet wird und auf natürliche Weise durch verschiedene Wirkstoffe Linderung verschafft. Ein anderes Mittel trägt zur Entgiftung des Körpers und zur Anregung der Stoffwechseltätigkeit bei – immer in Leckereien wie Bananen versteckt oder unter das übliche Futter gemischt“, erklärt der Zoodirektor weiter.

Edgar – ein sanftmütiger Giraffenbulle
Edgar kam mit eineinhalb Jahren auf den Schölerberg und einige Pfleger kennen ihn somit fast sein ganzes Leben lang. „Er ist ein besonders lieber Bulle und uns allen sehr ans Herz gewachsen“, so Stephanie Batz, Tierpflegerin in der Afrika-Tierwelt „Samburu“. „Er war schon immer ein aufgewecktes Kerlchen und war uns Menschen oder den anderen Tieren auf der Anlage gegenüber nie aggressiv – es gibt Giraffenbullen, die durchaus weniger zimperlich sind und gezielt ausschlagen“. Auf die Außenanlage geht Edgar zurzeit nicht, das wäre zu anstrengend für ihn. Besucher können ihn vom Besucherraum aus im Innenbereich erspähen.

Wie lange die Wirkung der Medikamente und Wärmetherapie noch anhält, kann dennoch niemand vorhersehen. „Wir versuchen, Edgars Lebensabend so schön wie möglich zu gestalten. Er bekommt immer wieder kleine Snacks von uns, besonders gerne mag er Äpfel, Möhren und Porree“, so Batz. Doch sollte er sich hinlegen und nicht mehr aufstehen, ist dies ein eindeutiges Zeichen für die Pfleger und das wissenschaftliche Team. Denn dies tun Giraffen nur, wenn ihre Zeit gekommen ist. Dann muss im Team aus Zootierarzt, Zoodirektor, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Pflegern darüber entschieden werden, ob der Giraffenbulle erlöst wird. Denn sollte er nicht mehr aufstehen, bricht erst das Verdauungssystem zusammen, darauf folgt multiples Organversagen. „Die Entscheidung, ob und wann eine derartige Entscheidung getroffen werden muss, trifft das gesamte Team nur einstimmig – keine leichte Aufgabe, aber ein notweniges Muss im verantwortungsvollen Umgang mit Tieren“, so Böer.

Doch jetzt heißt es erst einmal „warten auf den Frühling“, denn wenn die Tage länger werden und der Schnee schmilzt, steigt mit den Temperaturen auch in der Regel das Wohlbefinden des beliebten Giraffenbullen.

Quelle: PM Zoo Osnabrück