Gorilla im Zoo Basel nach Krankheit gestorben

Zoonews NewsIn der Nacht auf Samstag, den 24. Mai, ist im Zoo Basel der Gorillamann Kisoro (25) verstorben. Das Affenhaus wurde geschlossen, damit die Gorillagruppe in Ruhe Abschied nehmen konnte. Das Pflegerteam und die Verantwortlichen des Zoo Basel trauern um die markante Gorillapersönlichkeit.

In den letzten Monaten wurde Kisoro zunehmend schwächer und magerte stark ab. Kisoro litt unter dem Befall mit Fuchsbandwurm, welcher schlussendlich zum Tod geführt hat. Der schwer kranke Kisoro hatte seit einigen Tagen nur noch sehr wenig gegessen, akzeptierte aber bis zuletzt die Schmerzmittel. Als die Tierpfleger am Samstagmorgen eintrafen, war der Silberrücken bereits tot.

Kisoro war ein eher zurückhaltender und scheuer Silberrücken. Jedoch zögerte er nie, die Gorillafrauen zu beschützen, wenn er sie in Gefahr wähnte. Mit seiner diplomatischen Art schlichtete er Streitigkeiten in der Gruppe sehr geschickt. Kisoro hatte nur zwei Kinder; bei der letzten Untersuchung stellten die Tierärzte fest, dass er unfruchtbar geworden war. Kisoros Tod hinterlässt eine Lücke in der Gorillagruppe sowie im Zoo Basel bei allen, die diesen eindrücklichen Silberrücken über lange Jahre geschätzt haben.

Bis zuletzt in der Gruppe

Seit bei einer Ultraschalluntersuchung 2010 bekannt wurde, dass Kisoro mit Fuchsbandwurm infiziert war, bekam er Medikamente, welche die Erkrankung am Fortschritt hindern sollten. Bis Herbst 2013 zeigte er keine Symptome. dann magerte er immer mehr ab und wurde zunehmend schwächer. Eine Untersuchung im November 2013 ergab, dass Kisoro trotz der intensiven medizinischen Betreuung die Erkrankung nicht überleben würde. Um Kisoro seine letzten Monate möglichst zu erleichtern, nahmen die Tierärzte mit Ärzten und Ernährungsberatern Kontakt auf, welche auf Fuchsbandwurm-Erkrankungen beim Menschen spezialisiert sind. So konnte Kisoro bis zuletzt in seiner Gorillagruppe bleiben und seine Funktion als Anführer wahrnehmen.

Neues Verfahren verhindert Ansteckung

Gorillas sind wie der Mensch Fehlzwischenwirte, welche durch Aufnahme von Bandwurmeiern aus mit Fuchskot kontaminierten Nahrungsmitteln infiziert werden können. Die Fuchsbandwurminfektion führt bei Mensch und Affen zu einer lebensbedrohlichen, tumorähnlichen, langsam fortschreitenden Erkrankung der Leber. Eine direkte Ansteckung zwischen Gorillas oder Gorillas und Menschen ist nicht möglich. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ist die Ansteckung vor 5 bis 15 Jahren über mit Fuchskot kontaminiertes Futter erfolgt. Seit 2011 wird das Futter der Menschenaffen in einem mehrstufigen Prozess gewaschen und danach vier Stunden lang in einem Wärmeschrank bei 45° Celsius erwärmt. Mit diesem Verfahren werden die Fuchsbandwurmeier abgetötet.

Medikamente wirken bei Gorillas weniger gut

Viele mit dem Fuchsbandwurm infizierte Menschen können dank medizinischen Interventionen (Leberoperation, lebenslange Medikamenteneinnahme) wieder ein normales Leben führen oder werden sogar geheilt. Offenbar hilft das menschliche Immunsystem zusammen mit der Langzeiteinnahme von Medikamenten, den Parasiten zu bekämpfen. Bei Gorillas scheint dies nicht der Fall zu sein. Der Bandwurm kommt nur auf der nördlichen Hemisphäre vor, Gorillas nur auf der südlichen. Die Vermutung liegt nahe, dass Gorillas deshalb im Gegensatz zum Menschen im Verlauf der Evolution keine ausreichende Immunabwehr gegen den Parasiten entwickelt haben.

Heute leben im Zoo Basel Faddama (30), Goma (54), Quarta (45), Joas (24) und Zungu (11). Auch in Zukunft wird es wieder einen Silberrücken im Zoo Basel geben. In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird ein Nachfolger gesucht.

Quelle: PM Zoo Basel