Gorilla Mimi lebt seit 50 Jahre in der Wilhelma

Foto: Wilhelma

Foto: Wilhelma

Als Gorilladame Mimi am 2. August 2013 das Außengehege der neuen Anlage für Afrikanische Menschenaffen betritt, hat sie zum ersten Mal seit 1965 wieder Naturboden unter ihren Füßen. Selbstbewusst und voller Neugierde erkundet das älteste Mitglied der Wilhelma-Gorillafamilie ihr neues Zuhause. Das Beste an diesem vorläufig letzten Höhepunkt in Mimis Leben scheint aber zu sein, dass ihre neue Außenanlage essbar ist. Seither verbringt die Gorilladame zwischen März und Oktober einen Großteil ihrer Zeit mit der Ernte von Kräutern und Blättern in der Außenanlage und lässt sich dabei durch so gut wie nichts aus der Ruhe bringen.

Vor genau 50 Jahren kam Mimi, gemeinsam mit ihrem Artgenossen Schlamper in die Wilhelma. Beide wurden am 14. Oktober 1965 am Frankfurter Flughafen abgeholt. „Mimi war schätzungsweise zwei, vielleicht auch drei Jahre alt und kam direkt aus einer Tierfangstation in Kamerun“, berichtet Dr. Marianne Holtkötter, stellvertretende Direktorin und für Affen zuständige Kuratorin der Wilhelma. „Es war damals noch gängige Praxis, dass Zoos über Tierhändler so genannte Wildfänge erwarben. Das hat sich im Verlauf der letzten 50 Jahre grundlegend geändert. Durch das mit dem Washingtoner Artenschutzabkommen verabschiedete Verbot des Handels mit bedrohten Tieren, durch die Entwicklung international koordinierte Zuchtprogramme und auch durch ein neues Selbstverständnis der Zoos.“ Dank der so genannten Erhaltungszuchtprogramme haben Zoos seit Ende der 1980er Jahre eine stabile Gorillapopulation aufgebaut. Sie tragen durch Bildungsarbeit und Spenden maßgeblich zum Schutz der wildlebenden Gorillas bei. So unterstützt die Wilhelma beispielsweise seit vier Jahren die Congohounds, eine Wildhüter-Einheit im Virunga-Nationalpark. Die Congohounds sind Bluthunde, die eigens ausgebildet werden, um die Ranger als Spurensucher im Kampf gegen die Wilderei zu unterstützen. Der Virunga-Nationalpark ist der älteste Nationalpark Afrikas, liegt in der Demokratischen Republik Kongo und beherbergt unter anderem eine der letzten Berggorilla-Populationen.

Mimis Geschichte verrät nicht nur viel über die Entwicklung der Menschenaffenhaltung in der Wilhelma. Sie ist auch eng mit der Entwicklung der Gorillahaltung weltweit verbunden. Denn die Nachkommen des aktuell viertältesten Gorillas finden sich in vielen Zoos. Mit insgesamt elf Jungtieren, 20 Enkeln, 23 Urenkeln und vier Ur-Urenkeln gehört Mimi zu den erfolgreichsten Gorillafrauen weltweit. Dabei war sie zunächst keine gute Mutter – was nicht erstaunlich ist, denn sie hatte als „Wildfang“ nie die Gelegenheit, Jungtieraufzucht und intaktes Familienleben zu beobachten. Als 1973 ihre erste Tochter Mora auf die Welt kam, wusste sie nicht so recht, was sie mit dieser anfangen sollte. Mimi hielt sie falsch herum, mit dem Gesicht nach außen an die Brust gepresst, so dass der Säugling nicht trinken konnte. Nach 24 Stunden entschloss man sich damals, das wertvolle Jungtier von Hand auf zu ziehen. Denn Mora war nicht nur der erste in der Wilhelma geborene Gorilla, sondern auch erst das fünfte Gorillababy, welches in einem europäischen Zoo zur Welt kam, und damit eine kleine Sensation. Auch ihre folgenden sieben Jungtiere hielt Mimi nach der Geburt immer verkehrt herum. Erst 1988, bei der Geburt von Sohn Maayabu, hatte sie den Dreh raus und versorgte ihn und die beiden noch folgenden Jungtiere vorbildlich.

Im neuen Menschenaffenhaus wird Mimi ihren Lebensabend verbringen. Der Umzug in die Anlage für Afrikanische Menschenaffen war der insgesamt fünfte der betagten Gorillafrau. Aus Afrika kommend, verbrachte die Gorillafrau ihre ersten Monate zur Eingewöhnung und Quarantäne im Wohnhaus für Wilhelma-Mitarbeiter. Im Februar 1966 zog sie mit Schlamper für knapp vier Monate in ein eigens eingerichtetes Gehege im dritten Stock Breuninger-Kaufhauses. Heinz Breuninger hatte sich nämlich bereit erklärt, der Wilhelma insgesamt vier Gorillas zu stiften. Diese Tiere bildeten die Grundlage für die erfolgreiche Gorillazucht im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart. Nach ihrem Aufenthalt im Kaufhaus zogen Mimi und Schlamper in die so genannte „Menschenaffen-Luxusbaracke“. 1972 kam dann die Umsiedlung in das damals hochmoderne Menschenaffenhaus im unteren Wilhelma-Park, in welchem Mimi über 40 Jahre lebte.

Mimi teilt sich derzeit das Gehege mit elf weiteren Artgenossen. In der Wilhelma-Gorillafamilie leben neben ihrer Tochter Mutasi auch ihre Enkel Mawenzi, Milele und Masani. Silberrücken Kibo ist der Chef in der Haremsgruppe. In der Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft ist die alte Mimi aber der ruhende Pol. Übrigens leben derzeit mit Vana und Tebogo zwei Ur-Enkel von ihr gleich nebenan im Gorillakindergarten.

Quelle: PM Wilhelma