Gorillas erobern neues Außengegehe in der Wilhlema

Foto: Wilhelma

Seit Anfang Juli nutzen die Bonobos ihre Außengehege in der neuen Anlage für Afrikanische Menschenaffen, seit wenigen Tagen ist nun auch für die Gorillas der Weg nach draußen frei. Aber erst nach und nach wagten die Mitglieder der Gorillafamilie den Vorstoß ins Unbekannte. Nach erstem großen Staunen über die unendlichen grünen Weiten lockte und beschäftigte die Tiere – genau wie die Bonobos – aber vor allem eines: das saftige neue Nahrungsangebot in
Form von Gräsern, Klee, Kräutern und ganzen Sträuchern voller leckerer Blätter. Beim Umherstreifen, Futtern und Genießen ihres neuen Lebensraums in den Außengehegen können die Besucher die Gorillas und Bonobos derzeit täglich von 10 Uhr bis 15 Uhr beobachten – danach wieder im Haus –, und die handaufgezogenen Gorillakinder sind täglich von 10 bis 11 Uhr und von 14 bis 15 Uhr in ihrem Freiluftspielplatz.
Dass die Gorillas etwas länger auf ihren ersten Ausflug warten mussten, hatte einen guten Grund, und der heißt Tuana: Die Gorillafrau kam im Juni aus Hannover nach Stuttgart und wurde in den letzten Wochen in die Gruppe integriert. So eine Einführung in die Gesellschaft ist in Gorillakreisen allerdings mit einigen Turbulenzen, jeder Menge Imponiergehabe bis hin zu Prügel- und Beißattacken verbunden, durch die der Silberrücken seine Vormachtstellung als Chef und die anderen Damen ihren Rang im Harem deutlich machen. Zunächst musste also wieder Ruhe in der Familie eingekehrt und die Lage stabil sein, bevor die nächste große Unbekannte, das Außengehege, in Angriff genommen
werden konnte. Besonders spannend: Wie unterschiedlich doch die „matriarchalisch-anarchistisch“ organisierten Bonobos und die hierarchisch strukturierten Gorillas diese Herausforderung annahmen.
Während bei den Bonobos Anfang Juli fast alle gleichzeitig und sehr rasch aus dem sicheren Innengehege nach draußen strebten und das Terrain sondierten, ließen sich die Gorillas viel mehr Zeit – und die Frauen warteten zunächst, was der Chef tun würde. Als Kibo durch die Last seiner Verantwortung für Frauen und Kinder aber zögerte, nahm die emanzipierte alte Dame Undi das Zepter in die Hand. Nach erstaunten Blicken auf den freien Himmel über ihr und die grüne Weite unter ihr, spazierte sie als erste durch die offenen Schieber nach draußen, drehte ein bis zwei Runden,
kostete vom Grün und zog sich dann vorerst wieder ins Innengehege zurück. Die anderen Frauen warteten weiter, dass Kibo den ersten Schritt tun würde, und hielten auch ihre vorwitzigen Kinder energisch zurück, wenn diese ihre Nasen zu weit hinaus streckten. Der Bann war erst gebrochen, als Kibo bei ersten kurzen Erkundungsgängen die Lage sondiert hatte und schließlich mit der alten Mimi losgezogen war, um draußen die Sträucher das Fürchten zu lehren und mit blätterreicher Beute in Form abgebrochener Äste zurückzukehren. Zusätzliche Sicherheit vermittelte den Tieren ein
Führungsseil, das die Pfleger zwischen der Ausstiegsluke und einem Baum gespannt hatten. Sich an dieser Schnur entlang hangelnd konnten die Tiere immer weiter in den fremden „Dschungel“  vordringen, aber notfalls sofort den Weg zurück in die vertraute Umgebung finden – ein Angebot, dass einige kleine wie große Gorillas gerne nutzten, selbst der Silberrücken. Jetzt, drei Tage vorsichtigen Herantastens später, genießen alle Tiere – bis auf Mutasi, der die Außenanlage immer noch nicht geheuer ist – bereits sichtlich die neuen Weiten und Weiden des großen Naturgeheges, wie ihr wiederholtes „Wohlfühl-Brummeln“ zeigt. Und die Besucher können endlich auch die Gorillafamilie, vom Silberrücken Kibo bis zur kleinen Milele, auf der grünen Wiese spazieren gehen sehen.

Quelle: PM Wilhlema, Stuttgart