Gorillaweibchen Sakina ist aus dem Allwetterzoo Münster ausgezogen

Foto: Allwetterzoo Münster

Als „dunkle Schönheit“ wurde Sakina am 19. Mai 2011 im Allwetterzoo willkommen geheißen. Sie war hübsch und wohl genährt, so dass die Zoologen in Münster hofften, der damals14jährige Gorillamann N’Kwango würde rasch Gefallen an ihr finden. Zwischen den beiden hat es aber leider nicht gefunkt, ganz im Gegenteil: Ein erstes unmittelbares Aufeinandertreffen endete unglücklicherweise mit einer Verletzung von Sakina und auch das weitere Zusammenleben brachte keinen Erfolg.
Sakina kam im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms aus ihrem Heimatzoo auf der Kanalinsel Jersey, dem Durrell Wildlife Conservation Center, in den Allwetterzoo. Dort hatte man sich seit dem Tod des weiblichen Gorillas Gana Anfang 2010 um ein neues zuchtfähiges Gorilla-Weibchen bemüht. Sakina kam selbstbewusst, aber ohne Erfahrung mit einem dominanten Gorillamann nach Münster. Vermutlich verhielt sie sich ihm gegenüber zu „forsch“ und erlitt schon beim ersten Zusammenstoß mit N’Kwango eine schwere Verletzung. Zur Behandlung musste sie aus der Gruppe genommen werden. Nach Heilung der Wunden kehrte Sakina in die Gruppe zurück. Sie hatte aber nun vermutlich Angst vor N’Kwango und genoss gleichzeitig keinerlei Unterstützung durch die anderen Weibchen – dafür lebte sie noch nicht lange genug in Münster.

Sakina verhielt sich N’Kwango gegenüber unauffällig, um ihn nicht erneut zu provozieren. Sie litt aber vermutlich unter sozialem Stress, denn sie nahm immer mehr ab. Trotz Behandlung durch Tierarzt Carsten Ludwig baute sie weiter ab. „Sakina aß nicht mehr und konnte sich kaum noch bewegen. Sie war im Dezember so schwach, dass wir sie erneut aus der Gruppe herausnehmen mussten“, beschreibt Ludwig die damalige Situation. Da Sakinas Krankheitsbild nicht klar war, wandte der Zoo sich hilfesuchend an das Uniklinikum Münster (UKM). Sakina wurde daraufhin von einem UKM-Ärzteteam untersucht – leider ohne Befund, so dass Folgeuntersuchungen notwendig wurden, u.a. eine Computertomographie im Zentrum für Veterinärmedizinische Diagnostik in Holzwickende. Letztlich gab es keine eindeutige Diagnose für Sakinas Erkrankung, vielmehr haben Einzelerkrankungen, u.a. eine Infekt bedingte Blutarmut, zu ihrem schlechten Gesundheitszustand geführt. Nach der intensiven Betreuung durch Tierärzte und UKM-Mediziner ging es Sakina wieder relativ gut. Doch sie wird wegen einer Schilddrüsenunterfunktion und Hormonstörungen weiterhin medikamentös behandelt.
Bei den durchgeführten Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass Sakina vermutlich nicht mehr fortpflanzungsfähig ist und somit nicht mehr Mutter werden kann. Weil sie zudem in Münster offensichtlich keine soziale Heimat fand, hat der Allwetterzoo sich gemeinsam mit dem EEP-Koordinator um ein geeignetes neues Zuhause für das Gorillaweibchen bemüht. Gefunden wurde es im niederländischen Kerkrade. Im dortigen, noch sehr jungen GaiaZoo lebt eine harmonische Gorillagruppe. Alle Beteiligten hoffen nun, dass Sakina dort integriert werden kann. Sie verließ Münster am 9. Mai. Zur Vorbereitung auf den Umzug waren zwei niederländische Tierpfleger in den Allwetterzoo gekommen, um Sakina kennenzulernen. Für den Umzug wird Sakina narkotisiert und unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit in eine Transportbox gelegt. Dann gibt der Tierarzt sofort ein Gegenmittel, um das Gorillaweibchen wieder aufzuwecken. Den Transport in die Niederlande begleitet Bärbel Uphoff, Revierleiterin bei den Menschenaffen im Allwetterzoo. Sie wird bis zum 12. Mai in Kerkrade bleiben.
Die Zusammensetzung der Gorilla-Gruppe in Kerkrade bietet beste Voraussetzungen für ein gutes Eingewöhnen von Sakina: Der Silberrücken Makula, 1990 im Apenheul Zoo/NL geboren, gilt als ruhig und freundlich, erweist sich aber als „Boss“, wenn es nötig ist. Das Weibchen Sangha kam 2000 im Zoo Berlin auf die Welt und wurde von Tierpflegern aufgezogen. Sie lebt seit 2006 im GaiaZoo und hat dort gelernt, sich sozial zu verhalten und ein Jungtier aufzuziehen. Mosi, der erste Sohn von Sanha, wurde 2010 geboren. Das ältere Weibchen Dalila, 1972 im Apenheul Zoo geboren, lebt seit 2009 in Kerkrade und brachte dort 2011 mit Tano ihr sechstes Jungtier auf die Welt. Dalila gilt als selbstsicheres Gorillaweibchen und gute Mutter. Loango wurde 2004 im Apenheul Zoo geboren und lebt seit 2008 in Kerkrade.
In Abstimmung mit dem EEP zieht in den Allwetterzoo demnächst das Gorillaweibchen Shasha aus dem Howletts Wild Animal Park in Bekesbourne ein, das am 6. Oktober 2001 geboren wurde.

Quelle: PM Allwetterzoo Münster