Große Untersuchung im Zoo Osnabrück

Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Am Montagmorgen trafen die Tierärzte Dr. Frank Göritz und Prof. Thomas Hildebrandt des IZW mit ihrem vierköpfigen Team im Zoo Osnabrück ein. In Windeseile bauten sie ein komplettes Labor zunächst im Nashornrevier auf. Alle vier Nashörner wurden nacheinander narkotisiert und per Ultraschall untersucht. „Die Kollegen vom IZW haben die Fortpflanzungsorgane der drei Kühe und des Bullen kontrolliert“, berichtete Zoodirektor Prof. Michael Böer. „Denn wir möchten uns an der Arterhaltung der Breitmaulnashörner durch Zucht beteiligen, doch leider schafft es Nashornmann Floris nicht mehr, sich zu verpaaren – auch wenn er durchaus willens ist.“ Die Untersuchung ergab, dass alle Weibchen fortpflanzungsfähig sind. Auch der von Floris gewonnene Samen wies beim ersten Blick durchs Mikroskop viele aktive Spermien auf.

„Nun erhalten die Nashornkühe ein Medikament, das zunächst den Eisprung unterdrückt. Sechs Wochen später wird die Tablette abgesetzt und alle Weibchen bekommen gleichzeitig einen Eisprung. Dann kommen die Kollegen des IZW erneut in den Zoo, gewinnen von Floris frischen Samen und befruchten damit die Kühe per Sondenpipette. Wenn alles gut geht, bekommen wir im Frühjahr 2014 Nashornnachwuchs“, hofft Zoodirektor Böer. Der Nachwuchs würde dann in weiteren Zuchtprogrammen helfen, das Fortbestehen der stark vom Aussterben bedrohten Breitmaulnashörner zu unterstützen.

In freier Wildbahn gibt es schätzungsweise nur noch 20.000 Breitmaulnashörner. „Aufgrund ihres scheinbar wertvollen Horns, das insbesondere in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt wird, sind die beeindruckenden Tiere häufig Opfer von Wilderern“, bedauert der Zoodirektor.

Am zweiten Tag beschäftigten sich die Wissenschaftler mit den wohl kleinsten Zoo-Bewohnern: den Nacktmullen. Sie untersuchten insgesamt knapp 60 Tiere „Zunächst haben die Tierärzte Gewicht und Größe des jeweiligen Nacktmulls notiert sowie Fotoaufnahmen von Haut, Pfoten und Zähnen gemacht. Abschließend haben sie per Ultraschall ihre Organe untersucht und einen Chip zur besseren Identifizierung eingesetzt“, erklärte Prof. Böer. Der Zoo wartet nun gespannt auf die Untersuchungsergebnisse. „Wir wollen so sicherstellen, dass es den Tieren gut geht, sie optimal versorgt werden und auch das Kolonieleben mit Königin und Arbeitern einwandfrei funktioniert.“

Das Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin erforscht sowohl in der freien Natur als auch in Zoos, wie sich die Tierwelt mit ihrer großen Artenvielfalt erhalten lässt. Bei dieser Arbeit setzen die Experten auf unterschiedliche Schwerpunkte wie Fortpflanzung, Evolution oder Krankheiten im Tierreich und sind weltweit im Einsatz. „Wir sind dankbar, dass uns das Leibniz Institut dabei unterstützt, bei der Arterhaltung der Nashörner zu helfen und die Haltung unserer Nacktmulle zu überprüfen“, berichtete Böer.

Quelle:  PM Zoo Osnabrück