Große Tierinventur im Tierpark Bochum

Tierpark-Taucher Jan Nattkemper taucht mit den Haien, um Anemonen und Schwämme zu zählen. - Foto: Tierpark Bochum

Tierpark-Taucher Jan Nattkemper taucht mit den Haien, um Anemonen und Schwämme zu zählen. – Foto: Tierpark Bochum

Zu Beginn des Jahres stand im Tierpark Bochum die große Tierinventur an und jeder Tierpfleger machte mit. Das Ergebnis der Zählung kann sich sehen lassen: Mit 3.576 Individuen aus 306 Arten gehört der Bochumer Tierpark zu den tier- und artenreichsten Zoos in NRW!

Mitten im Herzen von Bochum können Besucher eine eindrucksvolle Artenvielfalt erleben! Um die Vielzahl an exotischen Bewohnern aus aller Welt fachgerecht zu erfassen, wird zu Beginn jeden Jahres eine sorgfältige Inventur durchgeführt. Für das Team war der tagelange Prozess auch in diesem Jahr wieder ein wahres Geduldspiel, denn nicht jedes Tier hielt artig still, um dokumentiert und vermessen zu werden. Besonders die Bestandsaufnahme der vielen Aquarien ist jedes Mal eine Herausforderung: Zum Zählen der Anemonen und Schwämme im großen Riffbecken tauchen die Mitarbeiter des Tierparks zu den Schwarzspitzenriffhaien hinab, ausgerüstet mit einem Schreibbrett und Unterwasserstift. Für Tierparktaucher Jan Nattkemper sind die Tauchgänge inmitten der scharfzähnigen Raubfische ein echter Nervenkitzel: „Zum Glück erfordert das Zählen unter Wasser enorme Konzentration. So bleibt keine Gelegenheit, sich über die vorbeiziehende Haie Gedanken zu machen.“

Eine ausgeklügelte Technik ist auch für das Zählen einzelner Schwarmfische erforderlich, wie der zuständige Revierleiter Dominik Töller weiß: „Um unsere etwa 120 Lebendgebärenden Zahnkarpfen zu erfassen, haben wir sie mit Futter angelockt, fotografiert und über die Fotos ein Raster gelegt, sodass wir dann Ausschnitt für Ausschnitt zählen konnten.“ Noch komplizierter wäre es, die rund 180.000 Individuen aus den Schauvölkern der Bienenwelt zu zählen, aber das ginge dann doch zu weit. Der Einfachheit halber, werden daher die Bienen im Verbund als Völker gezählt und in die Bestandsliste aufgenommen. Wesentlich problemloser war es dagegen für die Tierpfleger bei den Pinguinen, die sich zum Durchzählen einfach hintereinander aufstellten. Auch die fünf Seychellen-Riesenschildkröten waren aufgrund ihrer natürlichen Gelassenheit keine Herausforderung. Spannend wurde es nur beim Wiegen, denn eine Waage muss bei den gepanzerten Reptilien ganz schön was aushalten können. Mit einem Gewicht von 85 Kilogramm ist Schildkrötenweibchen Murmel noch ein Fliegengewicht im Vergleich zu den deutlich größeren Männchen, die bis zu 250 Kg auf die Waage bringen können.

Die ermittelten Zahlen vergleichen die Zoomitarbeiter schließlich mit ihren Aufzeichnungen des gesamten Jahres. Jeden Tag halten die Tierpfleger schriftlich fest, ob ein Tier geboren, verstorben, weg- oder zugereist ist. Die täglich ermittelten Zahlen werden protokolliert in den Computer übertragen. Das Ergebnis der Jahresabschlusszählung wird schließlich mit den Computerdaten verglichen. Jedes Tier wird damit „aktenkundig“. Der Abschluss der tierischen Inventur ist die Basis für die offizielle Tierbestandsliste, die auch an verschiedene übergeordnete Aufsichtsbehörden wie Umweltamt und Veterinäramt übermittelt wird. Regelmäßige Tierinventuren sind nicht nur trockene Statistik, sondern stellen ein wichtiges Instrument im modernen Tiermanagement eines wissenschaftlich geführten Zoos dar. Dies gilt nicht nur für die Pflege des aktuellen Tierbestandes, sondern bildet auch die Basis für die Zusammenstellung zukünftiger Zuchtgruppen und für die Beteiligung an europaweiten Arterhaltungsprogrammen.

Die spektakulärsten und skurrilsten Rekorde des Bochumer Tierparks:
1) Das Schwergewicht: Die Seychellen-Riesenschildkröte bringt stolze 250 Kilogramm auf die Waage. Und sie ist gleich zweifacher Rekordhalter: Die Individuen im Tierpark sind mit über 70 Jahren wahre Urgesteine des Tierparks und sie können noch wesentlich älter werden.

2) Das Fliegengewicht: Die zierlichen Stabschrecken der Zooschule wiegen weniger als ein Gramm.

3) Der Ferrari unter den Tieren: Der Buntfalke kann im Sturzflug über 200 km/h erreichen! Zu Wasser sind die Seehunde wahre Rekordhalter: Sie schießen mit bis zu 40 km/h durch’s Wasser.

4) Das gefährlichste Tier: Diesen Titel teilen sich Schwarzspitzenriffhai und Kaiman. Die messerscharfen Zähne der beiden Raubtiere sind mörderische Waffen!

5) Das längste Tier: Eine Schlange lässt sich nicht gerne vermessen. Anhand der Häutung kann man aber ganz feststellen: Der Tigerpython ist ganze 4,50 Meter lang und damit das längste Tier des Bochumer Tierparks!

6) Der größte Schlaukopf: Ein wahrer Fuchs unter den Vögeln ist der Kea! Er ist so clever, dass er alleine die Türen seiner Anlage öffnen kann!

7) Das kleinste ausgewachsene Tier: Der Neonsalmler ist nur 2 Zentimeter lang.

8) Der Region am meisten verpflichtet: Kaum zu glauben, dass die Wurzeln der Erdmännchen in Afrika liegen. Als Meistertunnelbauer gelten die kleinen Tierparkbewohner heute als Maskottchen der ehemaligen Bergbauregion Ruhrgebiet!

9) Beim Weihnachtsessen am meisten zugeschlagen hat: Seehunddame Maxime! Mit ihrer Leibspeise – Heringe – hat sie sich eine knapp 10 Zentimeter dicke Fettschicht angefuttert! Um bis zum Sommer wieder eine Bikinifigur zu bekommen, muss Maxime noch ein paar Extrarunden im Becken schwimmen.

Quelle: PM Tierpark Bochum