Großes Zählen im Zoo Osnabrück: tierische Jahres-Inventur

Tiger Diana und Argo - Foto: Zoo Osnabrück

Tiger Diana und Argo – Foto: Zoo Osnabrück

Bei Säugetieren wie Orang-Utans oder Elefanten noch einfach, bei Fischen und Vögeln schon schwieriger: Die Mitarbeiter des Osnabrücker Zoos zählten wie in jedem Jahr die tierischen Bewohner.

Das Resultat: 3.698 Individuen aus 298 Arten lebten am 31.12.2014 im Zoo am Schölerberg.Mit Klemmbrett und Stiften ausgestattet zählten die Tierpfleger und wissenschaftlichen Mitarbeiter in den vergangenen Tagen ihre Schützlinge. Besonders im Tetra-Aquarium und im Vogelrevier ist es oft nur im Team und mit sehr viel Geduld möglich, die geschuppten und gefiederten Bewohner zu erfassen – teilweise kann auch nur geschätzt werden.

Alt und Jung unter einem Dach
Insgesamt 3.698 Individuen, 1.004 mehr als im vergangenen Jahr, das klingt nach ziemlich viel Zuwachs – wo sollen all die Tiere untergebracht sein? „Neu sind vor allem unsere rund 700 Putzkräfte: Bienengarnelen im Tetra-Aquarium. Die Krebse halten die Aquarien sauber und nehmen nicht viel Platz weg“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zoos. Im Tetra-Aquarium lebt auch der letzte in 2014 im Zoo geborene Nachwuchs: vier Asiatische Zwergotter, zwei Männchen und zwei Weibchen. „Auch Zwergotter müssen erst Schwimmen lernen und so sind die vier Kleinen schon ab und zu bei ihren ersten Schwimmübungen im Außenbereich zu beobachten“, freut sich Wulftange. Zu Jung gesellt sich Alt: Im Tetra-Aquarium leben nicht nur die jüngsten, sondern auch die ältesten Tiere im Zoo Osnabrück. Die Seychellen-Riesenschildkröte ist mit einem Alter von über 120 Jahren weiterhin unangefochten der älteste Zoobewohner.

Abzüglich der 700 Garnelen und vier Zwergotter bleiben noch immer 300 zusätzliche Individuen im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere bei Fischen und Vögeln sind starke Schwankungen üblich, aber auch einige neue Säugetiere wie die Sumatra-Tiger Diana und Argo sind eingezogen. „Außerdem“, so Wulftange, „finden Abgabe bisheriger und Zugang neuer Zoobewohner nicht immer zeitgleich statt. Die Inventur ist da nur eine Momentaufnahme.“

Fliegender Wechsel in Takamanda
Wulftange stellte auch die neuesten Zoobewohner von Außerhalb vor: „Mitte Dezember kamen zwei Bongos und drei Rotbüffel in den Zoo. Die Bongos sind bereits auf der Antilopenanlage in der afrikanischen Tierwelt Takamanda zu sehen, die Rotbüffel ziehen bald auf die ehemalige Mantelpaviananlage.“ Dort bilden sie demnächst am Eingang von Takamanda gemeinsam mit Diana-Meerkatzen und Drills das Begrüßungskomitee. Die Paviane hatten den Zoo Ende 2014 verlassen. Bevor die neue Tier-WG eröffnet wird, rücken noch einmal die Zoohandwerker an: Weitere Klettermöglichkeiten werden angebracht und ein Zaun wird errichtet, sodass die Affen sich bei Bedarf von den Büffeln zurückziehen können.

Tierwechsel für Zucht und Arterhaltung
Doch warum machen sich die Zoomitarbeiter überhaupt die Mühe ihre Tiere zu zählen? Die Inventur ist sehr wichtig, um einmal jährlich den kompletten Tierbestand zu kontrollieren – neben den Aufzeichnungen, die bei jeder Veränderung gemacht werden. Das genaue Wissen über die Anzahl und das Geschlecht der einzelnen Tiere ist auch für eine der wichtigsten Aufgaben von Zoos bedeutsam: den Arterhalt. Um insbesondere gefährdete Tierarten zu erhalten, müssen Zoos Tiere tauschen, damit sie sich fortpflanzen und den Bestand sichern. Damit der Austausch für die Arterhaltung koordiniert ist, gibt es sogenannte Zuchtbücher und Zuchtbuchkoordinatoren in den verschiedenen Zoos. „Alle Daten geben wir an die Koordinatoren, die dann entsprechende Empfehlungen für den Tausch von Tieren an die Zoos geben. So können wir den Genpool wissenschaftlich sichern und vergrößern“, erklärt Andreas Wulftange und nennt das Beispiel des Großen Soldatenaras: „Der Soldatenara ist stark gefährdet, es gibt kaum noch 3.700 Exemplare in der Wildbahn. Wir hatten nur ein Geschwisterpaar – und mit Geschwistern darf man logischerweise nicht züchten.“ So wurde das Osnabrücker Männchen nach Frankreich abgegeben und Horsti, ein Artgenosse, kam aus Wien an den Schölerberg. Der Zoo hofft nun auf Nachwuchs der stark gefährdeten Papageienart.

Auch den Verein „Euronerz“ und damit den Arterhalt des bedrohten Europäischen Nerzes unterstützt der Osnabrücker Zoo. Jedes Jahr werden dazu Nerze von Euronerz verpaart und trächtige Weibchen ziehen in die nordische Tierwelt „Kajanaland“. Die Jungtiere werden nach etwa einem halben Jahr an Euronerz zurückgegeben, die der Verein im Folgejahr ebenfalls verpaart oder für Wiederansiedelungsprojekte zur Verfügung stellt. Der Europäische Nerz ist auch in Deutschland beheimatet, allerdings gibt es nur noch wenige Tausend der kleinen Raubtiere.

Nach dem großen Zählen ist kein Stillstand angesagt. Auch 2015 erwarten die Zoomitarbeiter wieder viele Tiergeburten, Neuzugänge oder Abgaben an andere Zoos, um so auch der Aufgabe der Arterhaltung nachzukommen.

Tierbestand insgesamt: 298 Arten, 3.698 Individuen

Säugetiere: 90 Arten, 636 Individuen
Vögel: 84 Arten,658 Individuen
Reptilien: 27 Arten, 121 Individuen
Amphibien: 2 Arten, 16 Individuen
Fische: 74 Arten, 1.372 Individuen
Wirbellose: 21 Arten, 895 Individuen
Schwerstes Tier: Elefantenbulle Luka, circa 6 Tonnen
Kleinstes Tier: Blattschneiderameise, 2 bis 22 Millimeter
Längstes Tier: Giraffenbulle Edgar, 5,40 Meter
Ältestes Tier: Seychellen-Riesenschildkröte, über 120 Jahre
Jüngste Tiere: Asiatische Zwergotter (2 männl., 2 weibl.), *10.11.2014

Quelle: PM Zoo Osnabrück