Hirscheber-Nachzucht in der Wilhelma geglückt – eine Rarität

Das Hirscheber-Ferkel erkundet mit seiner Mutter das Außengehege - Foto: Wilhelma

Das Hirscheber-Ferkel erkundet mit seiner Mutter das Außengehege – Foto: Wilhelma

Sie gehören zu den absoluten Raritäten in der Wilhelma. Und doch führen die kleinen Hirscheber in der Zuschauergunst im Zoologisch-Botanischen Garten eher ein Schattendasein zwischen ihren großen Nachbarn: den Nashörner einerseits und den Flusspferden andererseits. Dabei ist die bedrohte indonesische Schweineart etwas absolut Ungewöhnliches. Jetzt ist der Wilhelma sogar eine seltene Nachzucht dieser Tiere mit den geweihartigen Hauern gelungen. Das war zuletzt 2004 der Fall und davor 1992. Sie hält Hirscheber seit 1975. Ein Jungtier gibt es derzeit in Europa nur in Stuttgart und im englischen Chester, woher auch der Vater des Stuttgarter Nachwuchses stammt. „Von der Seltenheit und der zoologischen Bedeutung her ist die Geburt des weiblichen Ferkels gleichzusetzen mit der unseres Panzernashorn-Kälbchens Savita, das viele Fans hat“, sagt Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Ich empfehle daher unseren Besuchern, diese Gelegenheit zu nutzen, auch nebenan bei den Hirschebern vorbeizuschauen.“

Die Art kommt nur auf der indonesischen Insel Sulawesi und vorgelagerten Inseln vor und heißt dort Babirusa, zusammengesetzt aus den einheimischen Wörtern für „Hirsch“ und „Schwein“. Im Deutschen heißen beide Geschlechter Hirscheber. Den Männchen wachsen vier markante Hauer aus ihren besonders langen Schnauzen. Nicht nur die unteren Eckzähne ragen weit aus dem Maul heraus. Die oberen Eckzähne stoßen aus dem Rüssel direkt nach oben und wölben sich im Bogen zurück. Dabei können sie 30 Zentimeter lang werden. Die Zähne sind jedoch spröde und nur bedingt zum Graben oder Kämpfen geeignet. In der Wildbahn brechen sie daher häufig ab.

Die Hirscheber bleiben relativ klein mit einer Körperlänge von rund 90 bis 110 Zentimetern. Ihr Gewicht von bis zu 100 Kilo tragen sie auf recht langen dünnen Beinen und erreichen eine Schulterhöhe von 65 bis 80 Zentimetern. Damit sind sie gut angepasst an ihren Lebensraum im tropischen Regenwald. Dort treten sie Trampelpfade aus, um im dichten Unterholz flinker voran zu kommen. Mit ihren Hauer können sie nicht gut in der Erde wühlen. Sie ernähren sich von Laub, Insekten und herabgefallenen Früchten. In Indonesien werden Hirscheber, von denen rund 40.000 Jahre alte Höhlenmalereien existieren, gejagt und gezähmt. Eine Vermehrung gelingt dort aber selten. Umso bedeutsamer ist der Zuchterfolg in der Wilhelma. Die Wildpopulation wird auf 4000 Tiere geschätzt. Neben der Jagd setzt dem Babirusa die zunehmende Abholzung des Regenwaldes zu.

Quelle: PM Wilhelma