Im Haus des Meeres haben die Wabenkröten Eier gelegt

Wabenkröte mit Eiern - Foto: Haus des Meeres

Wabenkröte mit Eiern – Foto: Haus des Meeres

Nach Ostern: Eier mal ganz anders – bei den Wabenkröten

Im Haus des Meeres in der österreichischen Hauptstadt Wien zählen die Wabenkröten oder „Pipas“ zu den wohl eigenartigsten Bewohnern, die man bestaunen kann – sofern man sich die Mühe macht, sie in den Wasserbereichen der Chamäleon-Terrarien im 8.Stock ausfindig zu machen.

Die Nachzucht dieser hochinteressanten Amphibien in menschlicher Obhut stellt weltweit immer noch eine Seltenheit dar, besonders jene der Großen Wabenkröte ist bis heute noch kaum jemandem geglückt. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass sich beide Arten bei uns schon seit 10 Jahren wohl fühlen und gerade Eier gelegt haben. Um den werdenden Müttern genug Ruhe zu gönnen, befinden sie sich in der Amphibienzuchtstation unseres Hauses, ihre Artgenossen jedoch können von unseren Besuchern weiterhin im 8. Stock „entdeckt“ werden.

Pipas sind durch ihre eigenartige Gestalt bestens getarnt und auf den ersten Blick kaum als Kröte auszumachen – obwohl sie gut handgroß sind und meist direkt vor der Nase unserer Besucher sitzen. Werden sie dann entdeckt, ist das Erstaunen groß und wird meist mit Kommentaren wie „die sehen ja aus, als wär ein Auto drüber gefahren!“ begleitet. Nicht zu Unrecht, denn die ausschließlich im Wasser lebenden Wabenkröten sind extrem flach, um zwischen toten Blättern am Grunde eines Gewässers mit ihrer Umwelt zu verschmelzen. Derart unsichtbar lauert der gefräßige Räuber dann auf Beute, welche bei der Kleinen Wabenkröte (Pipa parva) aus Würmern, kleinen Krebsen und Insekten besteht. Für die Große Wabenkröte (Pipa pipa) dürfen es aber schon kleinere Fische sein, die blitzschnell und im Ganzen eingesaugt werden. Um ihre Beute auszumachen, sind die winzigen Augen der Wabenkröten fast nutzlos. Absolut unfehlbar allerdings ist dafür der Tastsinn. Dafür besitzen Wabenkröten sternförmige Ausbildungen um die Fingerspitzen, welche feinste Bewegungen im Wasser wahrnehmen. Sie können somit auch in trübem Wasser oder bei völliger Finsternis ihre Beute zielgenau orten.

So ungewöhnlich die Gestalt und Lebensweise der Wabenkröten auch sein mögen, die Fortpflanzung dieses Froschlurches ist noch bemerkenswerter. Wie die meisten Frösche und Kröten umklammert das Männchen ein fortpflanzungsbereites Weibchen. Wabenkröten haben ab diesem Punkt des Ablaichens jedoch eine besondere und akrobatische Technik entwickelt. Das Paar vollführt einen Looping mit eingebauter Schraube um die Längsachse, an dessen höchstem Punkt einige Eier abgegeben, befruchtet und zwischen den Tieren aufgefangen werden. Die Eier bleiben auf dem Rücken des Weibchens kleben. Nach vielen weiteren Loopings bedecken dann bis zu 200 weiße Eier den Rücken des Weibchens und die Paarung wird beendet. Innerhalb weniger Stunden schwillt nun die Rückenhaut um ein Vielfaches an und bettet die Eier sicher ein, welche während der nächsten Tage vollständig in die Haut einsinken. In der Sicherheit dieser Brutwaben, die den Tieren auch ihren deutschen Namen geben, durchläuft der Nachwuchs nun die amphibientypischen Entwicklungsstadien. Die Kleine Wabenkröte entlässt gut entwickelte Kaulquappen ins Wasser, bei der Großen Wabenkröte geht die Brutfürsorge sogar so weit, dass die Entwicklung vollständig bis zur fertigen Jungkröte abläuft. Zur Geburt öffnen die kleinen Kröten den Wabendeckel und schwimmen an die Wasseroberfläche, um den ersten Atemzug zu nehmen. Ab diesem Zeitpunkt endet die mütterliche Fürsorge und sie sind auf sich gestellt. Wir hoffen, dass dies auch bei unseren Pipas bald der Fall sein wird.

Quelle: PM Haus des Meeres