Im Zoo der Minis Aue darf Emuhahn Curly seine zukünftige Gefährtin selbst ausbrüten

Emu Curly bekommt sein Gelege - Foto: Zoo der Minis Aue

Emu Curly bekommt sein Gelege – Foto: Zoo der Minis Aue

Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei? Wenn man in diesem Zusammenhang von Emuhahn Curly aus dem Zoo der Minis in Aue spricht, dann ist ist der Fall klar: Das Ei! Curly ist es nämlich vergönnt sich seine Partnerin selbst auszubrüten. Doch von Anfang an…
Curly kam vor gut 20 Jahren als kleines Emu-Küken in Aue an und sollte eigentlich eine Emuhenne sein. Er war damals als Partnerin für den ansässigen Emuhahn Speedy gedacht. Als sich die beiden Laufvögel aber nach zwei Jahren gegenseitig an den Kragen gingen, musste man feststellen, dass Curly ein Hahn und keine Henne ist. Da man sie aber nun beide nicht mehr gleichzeitig halten konnte, wurde der ältere Speedy abgegeben und Curly durfte bleiben.
Als sich der Zoo der Minis schließlich zu seinem Konzept der Minitiere entschloß und folglich nur noch die jeweils Kleinsten ihrer Art halten wollten, wäre Curly durchs Raster gefallen, da ja bekanntlich der neuseeländische Kiwi den kleinsten Laufvogel darstellt. Doch der Emu war Besuchern und Mitarbeitern so sehr ans Herz gewachsen, dass man sich dafür entschieden hat für ihn eine Ausnahme zu machen.
Da bei den australischen Emus immer der Hahn brütet, während die Henne nur Eier ablegt, hatte auch Curly das Bedürfnis dem Brutgeschäft nach zugehen. Aber ohne Henne keine Eier, keine Eier, kein Brüten. Weil man aber das „Mini“-Konzept nicht vollkommen ignorieren konnte, war aber der Zukauf einer erwachsenen Emuhenne keine Option. Man traf also eine salomonische Entscheidung. Man besorgte von befreundeten Emuzüchtern Eier und sollte bei den Küken die schlüpfen würden, eine Henne dabei sein, sollte sie Curlys neue Partnerin sein.
In den vergangenen Jahren bekam er insgesamt viermal die Chance sich seine Partnerin selbst auszubrüten. Beim ersten Mal waren Curlys Eier leider nicht befruchtet. Doch der nächste Versuch war bereits deutlich erfolgreicher – unter den Küken die er ausgebrütet hatte war tatsächlich ein Weibchen. Doch in diesem Jahr hatte man im Karlsruher Zoo sein Emu-Weibchen bei einem Brand verloren und deshalb entschloss man sich in Aue schweren Herzens, man hatte Curly ja eigentlich ein Versprechen gegeben, die Emuhenne nach Baden abzugeben. Danach hatte der Emuhahn dann kein Glück mehr, die letzten beiden Male bekam er zwar Nachwuchs, jedoch waren alle Jungtiere männlich und wurden ebenso wie zuvor ausgebrüteten Hähne in andere Zoos abgegeben.
Nun war Curly immer noch alleine, schön langsam in die Jahre gekommen und im letzten Jahr hatte er wegen des langen Winters keine Anstalten gemacht mit der Brut zu beginnen. Doch in diesem Jahr packte Curly der Kinderwunsch anscheinend wieder und da er kein Ei zur Verfügung hatte, setzte er sich kurzerhand auf einen grünen Eimer, der anscheinend den bestmöglichen Ersatz für ein grünes Emuei darstellte.
Dieses Verhalten erbarmte die Mitarbeiter des Zoos der Minis so, dass man ihm wieder Eier besorgte. Curly hat die neuen Eier sofort angenommen und zu brüten begonnen. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass nach den rund acht Wochen entbehrungsreicher Brutzeit, Emus fressen und trinken in diesem Zeitraum nicht, endlich eine Gefährtin für Curly aus einem der Eier schlüpft. Und diesmal ist es ganz sicher, dass er sie behalten darf.
Vielleicht hätte der Emuhahn dann auch noch irgendwann die Chance selbst gezeugten Nachwuchs auszubrüten, und in diesem Fall wäre dann die Henne vor dem Ei dagewesen…

M.Schmid/zoogast.de