Im Zoo Osnabrück gibt es Nachwuchs im Wolfsrudel

Untersuchung der Wolfswelpen - Foto: Zoo Osnabrück

Untersuchung der Wolfswelpen – Foto: Zoo Osnabrück

Gesundheitscheck für kleine Wölfe
Nachwuchs im Osnabrücker Wolfsrudel

Das Wolfsrudel im Zoo Osnabrück hat wieder Nachwuchs zu vermelden. Nach der ersten Zeit im Bau, sind die sechs Welpen inzwischen schon häufiger auf Erkundungstour im Wolfswald unterwegs. Zeit für den ersten Arztbesuch mit Wurmkur und Gesundheitscheck.

Foto: Lisa Josef / Zoo Osnabrück

Foto: Lisa Josef / Zoo Osnabrück

Für die Untersuchung gingen die Tierpfleger mit Zootierarzt Thomas Scheibe direkt in das Wolfsgehege. Während sich die älteren Wölfe scheu zurückzogen, verkrochen sich die sechs Jungwölfe, die um den 27. April zur Welt kamen, in ihrer Wurfhöhle, aus der die Tierpfleger sie dann hervorholten.
„Wölfe können, wie auch viele andere Tierarten, von Spulwürmern befallen werden. Deswegen haben wir den Welpen eine Wurmkur verabreicht. Das ist eine milchige Suspension, die wir den Tieren ins Maul geben, sowie eine Spritze. Zur Prophylaxe erhalten sie noch eine Vitamin-B-Injektion“, erklärt Scheibe.
Zusätzlich führte der Tierarzt einen Gesundheitscheck durch, untersuchte beispielsweise Augen und Körperbau, kontrollierte das Gewicht und bestimmte das bislang noch unbekannte Geschlecht der Jungtiere. Die Bilanz: ein Weibchen und fünf Männchen. Um die Tiere besser unterscheiden zu können, implantierte der Tierarzt ihnen außerdem einen mikroskopisch kleinen Erkennungschip unter die Haut.
„Dafür betäuben wir die Haut oberflächlich und setzen den Chip in sekundenschnelle per Spritze ein. Dieses Vorgehen ist auch bei Haustieren wie Hunden und Katzen mittlerweile üblich“, so Scheibe.
Durch eine auf dem Chip gespeicherte, fünfzehnstellige und weltweit einmalige Nummer kann das einzelne Tier so genau identifiziert werden.

Einmalige Einblicke in das Familienleben

Die sechs Welpen leben zurzeit mit ihren Eltern Paulina und Welpi, zwei älteren Rüden und drei Jungtieren aus dem letzten Jahr zusammen im Wolfswald. Eine besonders reizvolle Konstellation, wie Zoodirektor Prof. Michael Böer erklärt: „Das Osnabrücker Wolfsrudel ist natürlich gewachsen, wie man es auch in der Wildbahn vorfinden würde. In der Wildbahn ziehen Wölfe ihre Jungtiere in abgelegenen Gebieten auf, wie beispielsweise auf nicht öffentlich zugänglichen Truppenübungsplätzen. Das waldige Hanggelände am Schölerberg bietet den Tieren einen idealen Lebensraum, wie sie ihn auch in der Wildbahn nutzen würden.“ In Niedersachsen streifen derzeit Schätzungen zufolge drei bis vier Wolfsrudel durch die Wildbahn – Tendenz steigend. „Im Osnabrücker Zoo bekommen die Besucher einmalige Einblicke in das Familienleben der sonst so scheuen Tiere. Hier können unsere Zoopädagogen den Besuchern und Schulklassen viel erklären und Vorurteile gegen diese Tierart abbauen“, betont Böer.

Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Die sechs Welpen bringen ordentlich Schwung in das Leben der mittlerweile dreizehnköpfigen Wolfsfamilie. Tanja Boss, Revierleiterin des Kamelreviers zu dem auch die Wölfe gehören, ist begeistert von der Stimmung im Rudel: „Das Sozialverhalten in der Gruppe ist sehr harmonisch. Die Schlafphasen der Kleinen werden jetzt immer kürzer und es herrscht schon richtig Leben auf der Anlage. Vor allem die Jährlinge, also die Jungtiere aus dem letzten Jahr, spielen und toben mit den Welpen. Die ganze Familie hilft außerdem bei der Versorgung des Nachwuchses. In den nächsten Monaten werden die Kleinen viel wachsen und brauchen dann beinahe drei Mal so viel Futter wie die Erwachsenen.“ Noch werden die Jüngsten vorwiegend mit Muttermilch versorgt, nehmen aber auch schon feste Nahrung zu sich. Das wird sich in der nächsten Zeit umkehren.

Die Welpen haben ihren ersten Gesundheitscheck gut überstanden und sind in bester Verfassung. Damit steht der ersten Impfung, eine Standard Impfung für Hunde gegen zum Beispiel Staupe oder Hepatitis, in circa drei Wochen nichts im Wege.

Wissenswertes zum Wolf (Canis lupus)

Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Foto: Zoo Osnabrück / Lisa Josef

Der Wolf bewohnt in vielen Unterarten die Nordhalbkugel in der alten und neuen Welt, von der Arktis bis in die gemäßigten und trockenen Gebiete. In Deutschland wurde dieses „fürchterliche Untier“ schon im 19. Jahrhundert ausgerottet. Nur vereinzelt kommen Wölfe in besonders harten Wintern von Osten herübergewandert. Die geselligen Rudeltiere leben in Wäldern und ernähren sich hauptsächlich von Fleisch und Aas. Innerhalb eines Wolfrudels besteht eine ausgeprägte Sozialordnung mit einem Leitwolf und einer Leitwölfin. Sie bilden meist das einzige fortpflanzungsfähige Paar. Besonders zur Zeit der Ranz im Februar/März muss das stärkste Paar seine Vorrangstellung den anderen Rudelmitgliedern gegenüber unter Beweis stellen. In einem Wolfsrudel bringt in der Regel nur das ranghöchste Weibchen nach einer Tragzeit von 61 bis 63 Tagen vier bis sieben Jungtiere zur Welt. Diese Tatsache, verbunden mit einer relativ hohen Sterblichkeit der Jungwölfe in der Natur, trägt zu einer Art „Geburtenkontrolle“ bei. Heute gilt es als erwiesen, dass einzig und allein der Wolf die Stammart unserer Haushundrassen ist, obwohl immer noch die Meinung vertreten wird, auch der Goldschakal sei ein Stammvater unserer Haushunde. Das charakteristische Heulen ist eine akustische Reviermarkierung und dient der Gruppenbildung. Ein ausgewachsener Wolf kann ein Gewicht von bis zu 80 Kilogramm erreichen.

Mehr Infos zum Wolf: TIERLEXIKON

Quelle: PM Zoo Osnabrück