In der Wilhelma gibt es Nachwuchs bei den Faultieren

Faultier mit Baby – Foto: Wilhelma

Erfolgreiche Faulpelze
Was Faultierdame Marlies seit Ende Juni auf dem Bauch herumträgt, ist das Ergebnis einer echten Erfolgsgeschichte: Ihr bereits neuntes Jungtier in der Wilhelma. Seit ihrem ersten Rendezvous vor zwölf Jahren sind die Zweifingerfaultiere Marlies und Mike, zumindest in Sachen Nachwuchs, keineswegs faul gewesen.
Wenn Marlies kopfüber durch ihr Gehege zwischen Kleinsäuger- und Vogelhaus hangelt oder auch faul in einer der Ecken liegt, ist das noch namenlose Jungtier schon gut zu erkennen. In den ersten Monaten nach der Geburt lässt es sich kaum vom dichten Pelz der Mutter unterscheiden. Seine Namenlosigkeit rührt daher, dass sich das Geschlecht bei Faultieren nicht so einfach erkennen lässt und einer tierärztlichen Nahuntersuchung bedarf. Und so lange Marlies ihren Nachwuchs fürsorglich durch das Gehege trägt, werden die beiden nicht getrennt, um Stress zu vermeiden. Ob es ein Männchen oder Weibchen ist, wird erst wichtig, wenn für den Nachwuchs ein neues Zuhause gefunden werden muss, denn mit den Eltern Marlies und Mike ist der Platz in der Wilhelma schon belegt. Mit ungefähr eineinhalb Jahren wird das Jungtier die Wilhelma verlassen und in einem anderen Zoo einen guten Platz zum Faulenzen sowie einen passenden Partner finden.
Faultiere sind tatsächlich die Erfinder der Langsamkeit. Dies hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern Methode. Wer sich vor allem von Blättern, Blüten und Knospen ernährt, muss eben schauen, wie er die wenigen Nährstoffe aus den schwer verdaulichen Zellulose-Snacks optimal nutzt. Sprich, regelmäßige Verdauungsschläfchen und ein konsequentes Energiesparprogramm sind unerlässlich, rund 16 Stunden Siesta pro Tag sind keine Seltenheit. Im Urwald hat das Zeitlupentempo aber noch einen weiteren Vorteil: Da Greifvögel vor allem schnelle Bewegungen wahrnehmen, übersehen sie die trödelnden Faultiere im Blattwerk leicht. Zumal diese einen Tarnumhang tragen, bestehend aus grünen Algen, die sich im immerfeuchten Fell ansiedeln. Der entschleunigte Lebensrhythmus der Faultiere spiegelt sich zudem in ihrer geringen Körpertemperatur wider, die eher an Reptilien erinnert, sowie in einer der niedrigsten Stoffwechselraten im Säugetierreich: Nur etwa alle acht Tage steigen Faultiere vom Baum, um ihre Geschäfte zu erledigen. Heimisch fühlen sie sich auf dem Boden allerdings nicht. Denn mit ihren langen Gliedmaßen und kräftigen, hakenartigen Klauen finden sie zwar an jedem Ast Halt, am Boden aber kommen sie damit nur mühsam vorwärts. Selbst im Wasser geht es da flotter, denn Faultiere sind recht gute Schwimmer.
Urwaldflüsse durchschwimmen wird das kleine Wilhelma-Faultier wohl nie. Dafür kann es aber auch die nächsten Monate ein sicheres, beschauliches Dasein im „Hotel Mama“ führen, wachsen, gedeihen und schließlich in einen anderen Zoo umziehen. Dann ist auch wieder Platz auf Marlies Bauch für das nächste Faultierchen.

Quelle: PM Wilhelma