Inventur im Zoo Osnabrück

Foto: Simon Pannock / zoogast.de

Um den Jahreswechsel zählten die Tierpfleger im Zoo Osnabrück mehrere Tage lang Frösche, Pinguine, Nacktmulle und Co. für die tierische Inventur. Am 30. Dezember kam noch ein männliches Kirk-Dikdik zur Welt – das letzte in 2018 geborene Jungtier. Bereits am 1. Januar schlüpfte der erste Nachwuchs des neuen Jahres: ein Balistar, Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Art.

„Mit 2.261 Individuen aus 289 Tierarten beherbergen wir weniger Tiere als vor einem Jahr – da waren es 298 Arten und 2.656 Individuen“, fasst der wissenschaftliche Kurator Andreas Wulftange die tagelange Arbeit der Tierpfleger zusammen. „Generell wissen wir natürlich wie viele Löwen, Tiger oder Elefanten bei uns leben. Einmal im Jahr überprüfen wir aber alle Zahlen noch einmal und führen sie zusammen.“ Die Zoomitarbeiter zählten zum Jahreswechsel von Axolotl bis Zebramanguste alle Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellose, die im Zoo Osnabrück leben. „Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Die Kollegen müssen zum Beispiel nicht jede Ameise und jeden Fisch abzählen – einige Arten werden auch als Völker, Gruppen oder Kolonien in unserem Bestand geführt“, schmunzelt der Biologe. Wenn die Tierpfleger und Kuratoren zwischen Weihnachten und Neujahr den Tierbestand erfassen, nutzen sie die Gelegenheit, um einige Zoobewohner auch zu wiegen und zu vermessen, weiß Wulftange. „Das machen wir aber natürlich auch das ganze Jahr über bei den regelmäßigen Gesundheits-Checks.“

Wie viele Ameisenvölker, Giraffen oder Tiger im Zoo leben sei nicht nur wichtig für die interne Planung, sondern auch für die Behörden, berichtet Andreas Wulftange: „Die Zahlen müssen wir anschließend an verschiedene Behörden geben – so zum Beispiel an das Veterinäramt und die Naturschutzbehörden.“

Weniger Tiere und Tierarten als im Vorjahr
Insgesamt beherbergt der Zoo Osnabrück neun Tierarten und 395 Individuen weniger als im Vorjahr. „Allgemein geht der Zootrend dahin weniger Tiere und Tierarten zu halten, dafür den einzelnen Individuen aber mehr Platz zu bieten“, erklärt Wulftange. Zwar seien für die 2018 eröffnete Nordamerika-Tierwelt „Manitoba“ neue Tierarten eingezogen, dafür sind andere Arten jedoch nicht mehr am Schölerberg vertreten. Insbesondere bei den Vögeln schlage ein Unterschied von zehn Arten weniger als im Vorjahr ins Gewicht. „Dieser Unterschied ist aber genauer betrachtet gar nicht so groß: Bei uns lebten von einigen Tierarten nur noch einzelne Tiere, die im letzten Jahr verstarben – so zum Beispiel die letzte Graugans. Mit dem Tod eines Tieres fällt dann direkt eine ganze Tierart weg“, erklärt Wulftange die Zahlen. Auch bei der Anzahl der einzelnen Individuen ist die Differenz zwischen den Jahren 2017 und 2018 vergleichsweise hoch: Ende 2018 lebten am Schölerberg 395 Individuen weniger als im Vorjahr. „Besonders bei den Fischen und Vögeln schlagen Abgaben an andere Zoos zu Buche: Wir haben 50 Rote Neons weniger, unsere 200 Guppys haben wir komplett abgegeben sowie bei den Vögeln 80 Rußköpfchen“, so Wulftange.

Kommen und Gehen
„Das vergangene Jahr war in tierischer Hinsicht sehr spannend, aber manchmal auch traurig: Es gab Tierwechsel, erfreuliche Geburten, aber leider verstarben auch Tiere. So zum Beispiel der Seelöwe Diego, der vorübergehend aus dem Zoo Dortmund zu uns gezogen war, oder unsere Braunbärin Susi, die sehr alt geworden ist“, berichtet der Kurator. Bei den vom Aussterben bedrohten Nerzen gelang jedoch zum ersten Mal die Aufzucht von sechs Jungtieren. Ebenfalls freuen sich die Tierpfleger über ein männliches Jungtier bei den Kirk-Dikdiks, eine Antilopenart. Der Nachwuchs kam Ende Dezember (30.12.) als letzter Nachwuchs des Jahres 2018 zur Welt und wird nun von den Eltern aufgezogen – derzeit noch größtenteils im geschützten Innenbereich.

Auch durch den Austausch mit anderen zoologischen Einrichtungen veränderte sich der Tierbestand im Zoo Osnabrück. „Zoos tauschen untereinander immer wieder Tiere. Das hat wichtige Gründe wie zum Beispiel das Vermeiden von Inzucht. Auch die Haltungsbedingungen oder das Einsetzen der Geschlechtsreife und damit einhergehende Rangkämpfe spielen da eine Rolle. Der Austausch wird in der Regel nach wissenschaftlichen Kriterien koordiniert“, so Wulftange. 2018 gab der Zoo Osnabrück einige Tiere an andere Zoos ab oder tauschte Individuen – unter anderem auch große Tierarten: Im März verließ Giraffenbulle Dayo den Schölerberg in Richtung Niederlande, im Mai zogen die beiden Elefantenbullen Shahrukh und Shanti nach Ungarn. Sowohl Dayo als auch die beiden Elefanten leben nun in Junggesellengruppen. Bei den Roten Pandas fand im Juni ein Wechsel statt: Weibchen Yang zog vom Zoo Osnabrück nach Frankreich, dafür zog Männchen Pong ein und lebt mit Weibchen Yin nun am Tigertempelgarten.

Erstes Jungtier im neuen Jahr geschlüpft
Dass es sich bei der Inventur lediglich um eine Momentaufnahme handelt, wurde am 1. Januar deutlich: Mit dem ersten Jungtier in 2019 wurden zumindest die Zahlen der Vogelindividuen wieder hinfällig. „An Neujahr schlüpfte ein Balistar – eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. Wir beteiligen uns an der Erhaltungszucht und es freut mich sehr, dass die Nachzucht geklappt hat“, betont Wulftange. Die Nachzucht von als „vom Aussterben bedroht“ eingestuften Tierarten sei besonders wichtig, um die Arten zu erhalten, so der Biologe. Ausgewildert werden können die Tiere allerdings nur, wenn die Bedingungen vor Ort wieder so hergestellt werden, dass sie dort ungestört leben können. „Der Balistar kommt nur auf der indonesischen Insel Bali vor. Dort wird er von Menschen gefangen und zuhause gehalten, weil er als Statussymbol gilt, und so gab es zeitweise nur noch etwa ein Dutzend der Vögel in der Wildbahn. Mittlerweile sind es dank verschiedener Projekte und Auswilderungsprogramme wieder mehr.“ Das Zuchtbuch, in dem alle in teilnehmenden europäischen Zoos lebenden Balistare vermerkt sind, wird im Kölner Zoo geführt. Der Zuchtbuchkoordinator arbeitet eng mit den Schutzprojekten auf Bali zusammen, um nach Möglichkeit auch Balistare aus Zoos wieder auszuwildern. Dafür müssen vor Ort unter anderem geschützte Areale verfügbar sein und die Tiere, die in die Wildbahn gehen, nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt werden.

Der noch nackte Jungvogel im Zoo Osnabrück ist derzeit für Besucher noch nicht zu sehen, wird aber voraussichtlich in wenigen Wochen seine ersten Flugversuche in der Voliere gegenüber dem Tetra-Aquarium starten.

Quelle: PM Zoo Osnabrück

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