Junger Mönchsgeier im Tierpark Bochum wird flügge

Foto: Tierpark Bochum

Carlos – Foto: Tierpark Bochum

Der Tierpark Bochum hat in diesem Jahr allen Grund zur Freude, denn die Kinderstube ist mit vielen Jungtieren gefüllt! Auch die beiden Mönchsgeier „Archie“ und „Gräfin“ sind zum wiederholten Mal stolze Eltern geworden!

Zunächst war die Freude natürlich groß, als die Tierpfleger im Frühjahr beobachteten, dass das Mönchsgeierpaar eifrig mit dem Nestbau beschäftigt war und schließlich auch mit der Brut begann. Doch die Freude schlug in Sorge um, als immer öfter Krähen in der Nähe des Nestes gesichtet wurden, die das Ei gefährdeten. Um die sichere Entwicklung des Jungtieres und das Wohl der Vogeleltern zu sichern, traf das Tierpark-Team die Entscheidung, das Ei aus dem Nest zu holen und das Küken per Hand aufzuziehen. „Mönchsgeier sind eine bedrohte Tierart, deshalb sind Nachzuchten etwas ganz besonderes und essentiell zur Arterhaltung“, erklärt Revierleiter Lukas Gers den Entschluss. Das Mönchgeier-Ei wurde in die Obhut der Falknerei Volker Walter übergeben. Der Tierpark kooperiert bereits seit über 30 Jahren mit der Falknerei, die ihn bei der Aufzucht und Auswilderung von Greifvögeln erfolgreich unterstützt. Am 31.05.2015 hat sich Geierküken „Carlos“ schließlich aus dem Ei gepellt und entwickelte sich dank der liebevollen Fürsorge der Zieheltern prächtig. Mittlerweile ist das Jungtier fast so groß wie seine Eltern und alt genug, um das „Nest“ zu verlassen.

Vor wenigen Tagen ist „Carlos“ in die Adlerwarte Berlebeck in Detmold umgezogen. Der Vogelpark im Teutoburger Wald beherbergt etwa 45 verschiedene Greifvogelarten mit über 200 Exemplaren. Die Adlerwarte hat sich dem Artenschutz verschrieben, so kümmern sie sich um in der Natur verletzt gefundene, oder verwaiste Jungvögel, pflegen sie gesund und entlassen sie anschließend wieder in die freie Wildbahn.
Das Geierpaar „Archie“ und „Gräfin“ gilt als das Vogel-Traumpaar im Tierpark Bochum! Männchen „Archie“ war der erste Mönchsgeier, der 1993 im Bochumer Tierpark nachgezüchtet wurde. Zusammen mit seiner vier Jahre jüngeren Partnerin „Gräfin“ zog er in den vergangenen Jahren im hoch gelegenen Horst der Voliere wiederholt und erfolgreich Jungtiere groß. Zwei Nachkommen – das Geiermädchen „Frances“ und der Geierjunge „Sirius“ – wurden in den Jahren 2008 und 2009 im Rahmen eines sorgfältig geplanten Auswilderungsprogramms erfolgreich in den südfranzösischen Alpen ausgewildert. Zwei weitere Mönchsgeier zogen 2012 und 2014 ebenfalls in die Adlerwarte Berlebeck und in die Falknerei Volker Walter. Zoodirektor Ralf Slabik erläutert: „Der Tierpark Bochum beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, kurz EEP, für diese imposanten Tiere. Wir freuen uns, dass unser Pärchen so gut harmoniert und wir mit ihnen die zurzeit erfolgreichste deutsche Mönchsgeierzucht haben.“

Mönchsgeier leben monogam. Im Frühjahr wird ein Ei gelegt und ca. 51 – 56 Tage bebrütet. Der Jungvogel bleibt etwa drei bis vier Monate im Nest. Mit 5 – 6 Jahren gründet er eine eigene Familie. Mönchsgeier werden bis zu 12 kg schwer, erreichen eine Flügelspannweite von 2,50 m und ein Höchstalter von über 40 Jahren. Der Mönchsgeier, auch Kuttengeier genannt, ist eine der größten europäischen Greifvogelarten. Er ist in vielen Gebieten bereits ausgerottet und darum sehr streng geschützt. Heute lebt diese beeindruckende Geierart in Restbeständen auf der Iberischen Halbinsel in Marokko, Südeuropa, Kleinasien bis Mongolei und Westchina. Die ausdauernden Segelflieger leben oft in kleineren Kolonien und nisten auf Felsen oder größeren Bäumen. Ihre Nahrung besteht aus Knochenfleisch, Aas, seltener auch kleinen Wirbeltieren, die selbst erbeutet werden.

Quelle: PM Tierpark Bochum