Junger Takin-Bulle neu in der Wilhelma

Foto: Wilhelma Stuttgart

Nach der viel beachteten Ankunft des größten Krokodils Deutschlands in der Wilhelma ist jetzt mit einem jungen Takin-Bullen ein oft unterschätztes Tier im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart eingezogen. Dabei ist der Takin sogar das Nationaltier Bhutans, jenes kleinen Himalaya-Staats zwischen Tibet und Indien – der allerdings vielleicht vielen auch nicht geläufiger ist als das sonderbare Tier. Dabei sind diese Paarhufer, wie der dreijährige „Roll“ aus dem belgischen Zoo Planckendael, sehr originell anzusehen und durchaus geschickt.

Robust und behände müssen sie sein, um in der rauen Umwelt des höchsten Gebirges der Welt zurecht zu kommen. Sie legen in dem felsigen Terrain große Auf- und Abstiege zurück. In den Höhenzügen bis nach Nord-Myanmar und Südwest-China kraxeln sie im Sommer in größeren Herden bis auf 4500 Meter hinauf, um auf den Matten jenseits der hochalpinen Baumgrenze zu grasen. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Gräsern und Kräutern auch Blätter und Baumrinde. Selbst ihre Winterquartiere in den Talregionen, die sie in kleinen Gruppen von wenigen Dutzend Tieren aufsuchen, liegen noch etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel, bieten aber zum Teil subtropisches Klima. Für das Klettern sind die plump wirkenden Takine dank ihrer stämmigen Beine und starken Klauen bestens ausstaffiert. So schaffen sie es, sich trotz ihres wuchtigen Körpers, der bis zu 400 Kilo wiegen kann, auf den Hinterbeinen aufrichten, um in den Bergwäldern an Laub in bis zu drei Metern Höhe zu gelangen.

Darüber hinaus sorgt die Optik des Unikums gerne für Verwirrung. So scheint es als hätte man einen Rinderkopf auf einen Ziegenkörper gesetzt und etwas Gämse, Elch und Gnu hineingemischt. Im Deutschen entstanden für das scheinbare Mischwesen daher kombinierte Bezeichnungen wie „Rindergämse“ oder „Gnuziege“. Systematisch zählen die wiederkäuenden Takine zu den Ziegenartigen.

In der Wilhelma, in der die Unterart der Mishmi-Takine vertreten ist, tritt Roll die Nachfolge von Bobbele an, der Ende November als Altersrekordler gestorben war. Vor ihm war weltweit kein Takin-Bulle bekannt, der älter als 20 Jahre und acht Monate geworden ist. Bobbele brachte es auf 21 Jahre und sieben Monate. Nun muss Roll zunächst – routinemäßig für Neuzugänge – zehn Tage in Quarantäne verbringen, bevor er zur Takin- Kuh Cara darf. Die beiden können sich jedoch in benachbarten Gehegen bereits sehen, hören und riechen. Ob es bei den beiden funkt, bleibt abzuwarten. Das vorherige Zuchtpaar aus Bobbele und Lydia hatte vier Kälber gezeugt. Cara hingegen, die 2014 aus dem Zoo Augsburg an den Neckar kam, ist mit ihren inzwischen fast 13 Jahren noch nicht Mutter geworden. Zu finden sind die Takine in der Wilhelma leicht: Wenn man vom Tapirhaus in Richtung Schaubauernhof geht, steuert man direkt auf sie zu.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart

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