Jungtier bei den Faultieren in der Wilhelma

Faultier mit Baby - Foto: Wilhelma

Faultier mit Baby – Foto: Wilhelma

Bei den Faultieren in der Wilhelma, den Experten der Langsamkeit, ist viel in Bewegung geraten. Im August sind sie aus dem Kleinsäuger- und Vogelhaus, das bald neu gebaut wird, ausgezogen und teilen sich ein Gehege mit ihren südamerikanischen Genossen, den Goldagutis und einem Weißgesichtseidenaffen. In ihrem neuen Domizil, dem so genannten Jungtieraufzuchthaus, stellt zudem seit kurzem Nachwuchs ihre Welt auf den Kopf.

Erst zog der letztjährige Sprößling des Faultier-Paares Marlies und Mike von der Wilhelma in die weite Welt. Er ist jetzt im Loro Parque auf Teneriffa zu Hause. Gleich darauf galt die Aufmerksamkeit sofort dem nächsten Neuankömmling. Denn die vermeintlichen Faulpelze sind sehr produktiv als Zuchtpaar und haben der Wilhelma nun schon das zehnte Jungtier geschenkt. Mike lebt seit 1994 in dem Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart, Marlies ist 2001 zugezogen. Ob der Familienzuwachs ein Weibchen oder Männchen ist, weiß bisher so recht keiner. Das Geschlecht ist bei den Zotteltieren schwer festzustellen. Noch trägt der Winzling den Kopf oben, wenn er auf dem Bauch der Mutter liegt. Die ungewöhnliche Perspektive der Faultiere, die ihr Leben fast komplett kopfüber von Ästen hängend verbringen, lernt das Kleine erst später kennen.

Die Zweifingerfaultiere leben im tropischen Regenwald des Flach- und Berglands Südamerikas. Die Bäume verlassen sie nur einmal pro Woche, um ihr Geschäft zu verrichten. Das reicht aus, weil ihre Verdauung extrem langsam verläuft. Damit verwerten die Verwandten des Ameisenbärs ihre nährstoffarme Rohkost aus Blättern und Blüten gründlich. Ihr Energiesparmodus hat ihnen den Ruf der größtmöglichen Gemütlichkeit eingetragen. Oft hängen sie regungslos vom Ast. Wer sich nicht rührt, wird ohnehin seltener von Fressfeinden entdeckt. Damit während dieser Hängepartie der Regen besser abläuft, hat sogar ihr Fell den Scheitel auf dem Bauch. Teilweise wachsen den Tieren Algen im Fell, die es grünlich färben und die Tarnung perfektionieren. Wenn sich Faultiere fortbewegen, legen sie in den Bäumen bis zu 40 Meter am Tag zurück – auf der Flucht sind sie aber auch deutlich schneller.

Der Umzug der Faultiere ist Vorbote einer größeren baulichen Veränderung: Das Kleinsäuger- und Vogelhaus muss für den Neubau nach den Herbstferien geschlossen werden. Die dort bisher gezeigten Tiere kommen zum Teil an anderen Orten in der Wilhelma unter, einige Arten werden an andere Zoos abgegeben. Die Fertigstellung des neuen Kleinsäuger- und Vogelhauses, das dann auch fleischfressende Pflanzen beherbergen soll, ist für das Frühjahr 2016 vorgesehen.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart