Kanadische Biber-Nachwuchs in der Wilhelma

Foto: Wilhelma Stuttgart

Lange Zeit ging es recht ruhig zu in der „Biberburg“ der Wilhelma direkt neben den Eisbären.
Doch inzwischen wimmelt es hier ganz ordentlich: Denn fünf junge Kanadische Biberchen sorgen derzeit dafür, dass ihre Eltern alle Pfoten voll zu tun haben. Den Vormittag verschläft die ganze Bande zwar meistens im Bau, doch am Nachmittag erfreuen sie die Besucher zu Land und zu Wasser mit ihrem harmonischen Familienleben. Dabei sah es bei dem Biberpaar zu Beginn gar nicht so aus, als würde es jemals mit Nachwuchs klappen. Denn Biberfrau und Bibermann mochten sich zunächst ganz und gar nicht …
Dass sich der Zuchterfolg bei den Bibern quasi von allein eingestellt hätte, kann man wirklich nicht behaupten. Vielmehr hat er eine lange Vorgeschichte: die mühevolle Suche der Wilhelma nach einem neuen zuchtfähigen Biberpaar. Erst nach mehreren sprichwörtlichen Schlägen ins Wasser – ein Biber kam mit dem Unterwassereingang der Anlage nicht klar, ein anderer war zu alt und starb bald – schien 2011 endlich das passende Paar gefunden. Doch leider konnten sich die frisch nominierten Zuchtpartner – sie aus dem Wildpark Bad Mergentheim, er aus Gelsenkirchen – partout nicht riechen.
Vermutlich lag es an Alter und Größenunterschied, das jüngere Weibchen war anfangs deutlich kleiner als der Bibermann, der es als Partnerin somit offenbar nicht ernst nahm. Schlimmer noch: Er
ließ es gar nicht mehr in den Bau. Also bezog das Weibchen ein Notquartier in der Krankenstation, wo es einige Monate wuchs und gedieh, bevor neue Annäherungsversuche arrangiert wurden. Und siehe
da, nun funkte es, die beiden begannen zu flirten – der gemeinsamen Rückkehr auf die Anlage stand nichts mehr im Wege. Hier wurden die beiden vollends ein Herz und eine Seele und ihr Zusammenleben ein Jahr später von Biber-Fünflingen gekrönt.
Diese kamen nach einer Tragzeit von rund dreieinhalb Monaten auf die Welt. Schon bei der Geburt sind Biber voll behaart und können sehen. Trotzdem bleiben die Jungtiere die ersten Wochen im sicheren Bau. Aus diesem können sie dann auch nicht ausbüchsen und womöglich verloren gehen, denn anfangs schwimmen sie zwar schon wie Korken, können aber noch nicht tauchen.
Bei den im Mai geborenen Wilhelma-Bibern dauerte es daher ebenfalls einige Wochen bis zur ersten Erkundungstour. Mittlerweile paddeln alle fünf aber geschickt durch die Unterwasser-Röhre, die ihren
Bau mit dem Schwimmbecken im Freien verbindet. Für ihr künftiges Leben im und unter Wasser hat die Natur sie perfekt ausgestattet: Der lange, platte Schwanz ist ein hervorragendes Schwimmpaddel
und Steuerruder. Das Biberfell ist mit 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter (Mensch: bis zu 600) sehr dicht und schützt vor dem Auskühlen im kalten Wasser. Allerdings ist dieses Fell den bis zu 30
Kilogramm schweren Nagetieren weltweit zum Verhängnis geworden – den Europäischen Bibern ebenso wie den Kanadischen, zu denen die Wilhelma-Tiere zählen: In weiten Teilen Nordamerikas und Europas waren sie zum Beginn des 20. Jahrhunderts praktisch ausgerottet. Seit rund 15 Jahren kehren aber auch in Baden-Württemberg immer mehr Biber an die heimischen Flüsse zurück.

Quelle: PM Wilhelma