Kurzohrrüsselspringer in der Wilhelma haben eine Schaukel

Foto: Wilhelma

Sie sind winzig, haben kreisrunde Knopfaugen, eine kleine bewegliche Rüsselnase und einen
sehr langen Namen: Kurzohrrüsselspringer. In der Wilhelma lebt je ein Paar von ihnen im
Kleinsäugerhaus sowie in einem Terrarium im Giraffenhaus. Dort haben die Tierpfleger ins
Heim der Wüstenbewohner ein neues Möbelstück und Spielgerät eingebaut: eine „Schaukel“.
Bislang hatten die Kurzohr-Rüsselspringer der Wilhelma keine Namen. Doch seit das im Giraffenhaus
lebende Pärchen sich in ihrem eigens für sie aufgehängten Holzkistchen gerne mal ein wenig
„verschaukeln“ lässt, heißt das Weibchen passend zum alt-bekannten Schlager nun „Luise“, das
Männchen „Luis“. Folgerichtiger wäre für Luis allerdings der Name „Hans“ gewesen – nach Hans
Albers, der das im Dreivierteltakt und in eindeutiger Verführungsabsicht vorgetragene Lied „Komm auf
die Schaukel Luise“ ab 1931 bekannt gemacht hatte. Um Luise oder Luis – im wirklich-wahren
Rüsselspringerleben schaukeln die beiden selten gemeinsam – in ihrer „Hollywoodschaukel“ zu
sehen, braucht man etwas Glück. Denn die Tiere machen es sich darin vor allem morgens und gegen
Abend gemütlich, wenn es im Haus ruhiger ist. Trubel mögen die Winzlinge mit den röhrenförmigen
Näschen und den känguruartig verlängerten Hinterbeinen nämlich nicht besonders.
Zwar erinnert das Aussehen der Rüsselspringer an Mäuse, mit Nagetieren haben sie aber nichts zu
tun. Sie sind in mehreren Arten in ganz Afrika zu Hause und bilden eine eigene Säugetier-Ordnung.
Ihr größter Vertreter ist das von Kopf bis Hinderteil 30 Zentimeter lange Rüsselhündchen, das in den
Urwäldern des östlichen Afrika lebt. Die Kurzohrrüsselspringer dagegen sind die kleinsten ihrer
Ordnung. Sie werden nur 22 bis 24 Zentimeter lang – gut die Hälfte davon entfällt auf den Schwanz –
und 30 bis 50 Gramm leicht. Ihre Heimat sind die Wüsten und Halbwüsten des südwestlichen Afrika.
Hier leben die wuseligen Tiere einzeln oder paarweise in bis zu einen Quadratkilometer großen
Streifgebieten, wo sie häufig auf immer gleichen Pfaden umherflitzen – und auf diesen kleinen
„Schnellstraßen“ bis zu 20 Stundenkilometer erreichen. Auf ihrer Speisekarte stehen in der Natur vor
allem Insekten, Wurzeln und Pflanzensamen, in der Wilhelma gibt es vorwiegend Salat, Gemüse,
Körner und Obst, aber auch mal Hackfleisch, Mehlwürmer, Heuschrecken und Krebse. Und während
die Rüsselspringer in der Wildnis selbst auf dem Speiseplan von Greifvögeln, Schlangen und
Kleinraubtieren stehen und dort daher selten älter als ein bis zwei Jahre werden, können sie im
sicheren Zoo bis zu sieben Jahre lang leben. In der Natur dienen ihnen unterirdische Bauten als
Unterschlupf, in den wüstenartig eingerichteten Wilhelma-Gehegen bieten kleine Felsspalten
Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Luis und Luise haben nun überdies eine Schaukel – etwas,
das sie in der Wüste sicher nicht finden würden. Doch zu gefallen scheint es ihnen darin. Wer weiß,
vielleicht regt die Schaukel ja, ganz im Sinne von Hans Albers, auch ihr Liebesleben ein wenig an.
Und sie fügen den 150 Nachzuchten, die es seit 1989 in der Wilhelma bereits gab, im nächsten
Sommer noch zwei Winzlinge hinzu. Denn typisch für die Art sind vor allem Zwillingswürfe.

Quelle: PM Wilhelma