Männliche „Schwangerschaft“ bei den Seepferdchen im Allwetterzoo Münster

Seepferdchenmann mit Jungen – Foto: Allwetterzoo Münster

Nachwuchs ist Männersache, jedenfalls bei den Seepferdchen! Das weibliche Tier legt ihre Eier in die Bruttasche ihres Partners. Dort werden sie rund drei Wochen lang „bebrütet“. Für die „Geburt“ öffnet der Seepferdchen-Mann seine Bruttasche und entlässt die Jungtiere ins Wasser. Acht männliche und acht weibliche Seepferdchen sorgen im Allwetterzoo etwa alle vier Wochen für neuen Nachwuchs, nur im Winter legen die Fische eine etwa sechsmonatige Pause ein.
Derzeit werden rund 400 im Mai, Juni und August 2013 geschlüpfte Seepferdchen in diversen Becken hinter den Kulissen gepflegt. Direkt nach der Geburt setzen die Pflegerinnen die Minipferdchen in 40-Liter-Aufzuchtbecken ohne Filterung. Sind die Jungen etwa vier Zentimeter groß, ziehen sie in Becken mit Filterung um. Bedingt durch den Zuchterfolg gibt es hinter den Kulissen des Aquariums fast keinen freien Platz mehr. Doch der Zoo teilt seinen Erfolg: Inzwischen leben Seepferdchen „made in Münster“ in Aquarien im Meeresmuseum Stralsund oder in den Zoos von Beauval/Frankreich, Gydnia/Polen, Düsseldorf, Köln und Wuppertal.
Die Aufzucht der „Seefohlen“ ist zeitaufwändig, aber Revierleiterin Anke Gassner und ihr Team nehmen die zusätzliche Arbeit gern auf sich. Sie sind stolz auf die regelmäßigen Zuchterfolge. Ernährt werden die Mini-Seepferdchen zweimal täglich mit winzigen Salinenkrebsen und Copepoden, einer Planktonart. Zu den Fütterungszeiten müssen die Aquarienpumpen abgestellt werden, denn sie würden das Futter ansaugen. Haben die Jungtiere genug gefressen, werden die Pumpen wieder angestellt. Sie sorgen für die notwendige Sauerstoffzufuhr und Reinigung des Beckens.
Seepferdchen sind echte, aber in aufrechter Haltung schwimmende Fische. Mit ihrem langen Wickelschwanz halten sie sich sogar bei starker Meeresströmung an Gegenständen fest. Während erwachsene Tiere hellgelb bis dunkelbraun gefärbt sind, erscheinen die „Babys“ anfangs milchig durchsichtig und werden zunehmen dunkler. Ausgewachsen erreichen die aus dem Westatlantik stammenden Langschnauzen-Seepferdchen eine Länge von etwa 25 cm.

Quelle: Allwetterzoo Münster