Moorenten ziehen in der Wilhelma ein

Moorente – Foto: Wilhelma

Bedrohte Entenart neu in der Wilhelma:
Mehr Moorenten fürs Steinhuder Meer
Sie ist kastanienbraun gefiedert, auf den ersten Blick nicht sehr auffällig und kann anderen bedrohten großen Tieren wie Tigern, Nashörnern und Co. in puncto Charisma wohl kaum das Wasser reichen. Aber auch sie ist einzigartig, bedroht und allemal wert, der Erde erhalten zu bleiben. Die Rede ist von der Moorente. Seit Kurzem leben zwei junge Paare dieser Vogelart in der Freiflugvoliere der Wilhelma, wo sie ab nächstem Jahr hoffentlich zur Erhaltung ihrer Art beitragen.
Gemeinsam mit Säbelschnäblern, Stelzenläufern, Schwarzhalstauchern und einigen anderen Entenarten bewohnen die zwei neu in der Wilhelma eingezogenen Moorentenpaare den Bereich für europäische Wasservögel in der Freiflugvoliere. Manche mögen die kleinste unter den europäischen Tauchenten eher unscheinbar nennen, andere finden sie nicht nur wegen ihres glänzend kastanienbraunen Gefieders wunderschön. Das Augenfälligste an ihr: die besonders in der Paarungszeit leuchtend weißen Augen der Erpel und die weißen Unterschwanzdecken, die keine andere Tauchentenart besitzt. Bis auf die Augen sehen Männchen und Weibchen fast gleich aus – etwas, das sie von anderen europäischen Entenarten unterscheidet – das Gefieder der Weibchen ist lediglich ein wenig blasser. Ihre braune Federtracht tragen beide Geschlechter das ganze Jahr über, auch in der Brutzeit, wenn andere Entenmänner eigens auffälligere Prachtkleider anlegen. In ihren Verbreitungsgebieten, vor allem den Steppen und Halbwüstens Asiens und Osteuropas, zählte die Moorente bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu den häufigen Arten. Doch seither schrumpft ihr Verbreitungsgebiet und ihr Bestand ging teils drastisch zurück – von rund 65.000 auf 4.500 bis 6.300 Brutpaare um das Jahr 2000. Die Art gilt daher inzwischen als bedroht. In Deutschland hat die Moorente lange gar nicht mehr gebrütet, nur einzelne nicht brütende Paare werden hin und wieder gesichtet. Als Winterquartier spielt für sie seit etwa 1993 die Bodenseeregion eine wichtige Rolle: Ein Teil des europäischen Bestands überwintert derzeit dort, am Mindelsee und im Rheindelta. Doch auch geeignete Brutgebiete in Deutschland soll sich die Moorente zurückerobern dürfen.
Seit 2011 werden Moorenten im schilfreichen Steinhuder Meer in Niedersachsen, wo die Art früher natürlich vorkam, wieder gezielt angesiedelt. Knapp 130 Jungvögel, die alle in deutschen Zoos geschlüpft sind, wurden bereits im Naturschutzgebiet Meerbruchswiesen ausgewildert – 64 Erpel und 65 Weibchen. Noch haben sie im neuen Revier nicht gebrütet, aber das Projekt ist ja noch jung. Und wer weiß, vielleicht werden auch die Nachkommen der Wilhelma-Moorenten eines Tages im Steinhuder Meer schwimmen. Vor dem Frühsommer 2014 ist allerdings nicht mit Nachwuchs zu rechnen. Dann taucht vielleicht bereits eine weitere von vier bekannten Moorenten-Arten durch ein Wilhelma-Becken: die noch seltenere Schwarzkopf- bzw. Baer’s Moorente. Von ihr gibt es in einem kleinen Gebiet in Ostasien nach Schätzungen nur rund 2.500 Tiere – die Zukunft der als stark gefährdet eingestuften Art ist im Freiland daher sehr ungewiss.

Quelle: PM Wilhelma