Mufflons-Nachwuchs in der Wilhelma

Foto: Wilhlema / Hörner

Zwei männliche und ein weibliches Lämmlein kamen dieses Jahr bei den Mufflons auf dem Schaubauernhof zur Welt. Damit leben derzeit sieben Vertreter dieser Wildschafe in der Wilhelma – darunter auch ein Widder, der an seinen schön geschwungenen Hörnern sofort zu erkennen ist.
Mufflon – dieser Name bezeichnet gleich mehrere Unterarten dieses Wildschafs. In der Wilhelma zu Hause ist die kleinste und westlichste Unterart, das Europäische Mufflon, in der Jägersprache auch Muffelwild oder kurz „Muffel“ genannt. Gehalten wird die Art seit der Eröffnung des Schaubauernhofs zur IGA 1993. Da dort Haustierarten und verwandte Wildformen gleichermaßen zu sehen sein sollen, durfte auch das Mufflon als einer der mutmaßlichen Vorfahren unserer Hausschafe nicht fehlen. Uneinig ist sich die Fachwelt allerdings, ob es nicht möglicherweise umgekehrt – also das Mufflon der verwilderte Nachfahr einer alten Hausschafrasse – ist. Ebenso rätseln die Experten, ob Korsika und Sardinien die ursprüngliche Heimat des Europäischen Mufflons sind oder nur seine letzten Refugien waren, als es im übrigen Europa ausgerottet wurde. Fest steht, dass die Art nur auf diesen Inseln (noch) wild vorkam, bevor man vor rund 200 Jahren begann, sie vor allem als Jagdwild in weiten Teilen Europas anzusiedeln, auch in Deutschland und Österreich. Die östlichen Unterarten sind vom Kaukasus bis zu den Karpaten verbreitet – und auf Zypern, wo das Mufflon besonders gewürdigt wird: Hier findet man es auf Cent-Münzen ebenso wie als geflügeltes Mufflon im Logo der Cyprus Airways.
Männlein und Weiblein unterscheiden sich beim Mufflon deutlich. Während die Schafe in ein unscheinbares, kaum gezeichnetes Braun gekleidet sind, tragen die Widder ein dunkleres, fuchsbraunes Fell mit hellem Sattelfleck, einen fast schwarzen Brustbehang und imposante, schneckenförmig gedrehte Hörner. Was nicht heißt, dass die Weibchen grundsätzlich hornlos durchs Leben gehen. Die Mufflonschafe auf Korsika etwa besitzen kleine, nach hinten gebogene Hörner, während sie bei ihren Nachbarinnen in Sardinien fehlen. Für die Widder sind die Hörner nicht nur ein schöner Kopfschmuck, sondern auch Waffen, die sie bei ihren Rivalenkämpfen donnernd aufeinander krachen lassen. Dieses vor allem in der Brunftzeit häufig vernehmbare Geräusch ist aber nicht der einzige Laut, der von Mufflons zu hören ist, denn die Tiere sind keinesfalls „maulfaul“: Schafe und Lämmer rufen sich gegenseitig mit lautem Meckern, ein durch die Nüstern ausgestoßener Zischlaut dient bei Gefahr als Alarmruf – untermalt von kräftigem Hufescharren – und die Widder versuchen die Schafe durch röchelnde und schnarrende Laute zu betören.
In der Natur bilden die reviertreuen Tiere meist Mutterfamilien mit einem Leitschaf, die Widder stoßen nur zur Paarungszeit dazu. In der Wilhelma lebt der Mufflonmann jedoch dauerhaft bei seinen Damen und senkt jedes Mal drohend die Hörner, wenn sich diesen ein Unbefugter zu nähern wagt. Der – wie alle Wilhelma-Mufflons – namenlose dreijährige Widder kam erst 2010 aus dem Wildpark Potzberg nach Stuttgart, wo er nun bereits das zweite Jahr erfolgreich für Nachwuchs gesorgt hat.
Quelle: Wilhelma Stuttgart