Nachruf: Tierpark Bochum trauert um Helmut Leich, den Begründer des Fossiliums

Zoonews NewsEr gilt als Begründer des Fossiliums im Tierpark Bochum und damit als erster Wegbereiter für die Idee, Sichtweisen eines zoologischen Gartens mit denen eines Naturkundemuseums zu verbinden. Helmut Leich, langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins Bochumer Tierparkfreunde e.V., Fossiliensammler und Präparator verstarb nunmehr am 25. November 2016 im Alter von 97 Jahren in Bochum. Er hinterlässt uns eine Ausstellung im Aquarien- und Terrarienhaus mit Fossilien aus den berühmten Solnhofener Plattenkalken in Bayern, die ihresgleichen sucht. Helmut Leich war schon seit dem Jahr 1948 ehrenamtlich für den Vorstand des Tierparks tätig und bemühte sich in dieser Zeit intensiv um die Aquaristik. So hatte er immer einen Bezug zur urzeitlichen und heutigen Tierwelt.

Helmut Leich wurde kurz nach dem ersten Weltkrieg am 14. Oktober 1919 in Harpen geboren. Sein Vater war dort seit 1900 evangelischer Pfarrer in einer Landgemeinde, die hauptsächlich aus Bergleuten und Bauern bestand. Pfarrer Leich hatte eine große Sammlung von steinzeitlichen, germanischen und römischen Fundstücken zusammengetragen. Der Geist des Sammlers sollte vom Vater auf den Sohn übergehen, insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften.

Helmut Leich widmete sich ein Leben lang den im Aquarienhaus des Tierparks ausgestellten weltbekannten Solnhofener Fossilien aus dem bayerischen Naturpark Altmühltal. Er hielt Kontakt zu den Museen und pflegte zahlreiche Kontakte zu Wissenschaftlern im In- und Ausland. Seine Vorträge und Ausstellungen waren von seinem großen Wissensschatz geprägt. Seinen bundesweiten Durchbruch schaffte der Bochumer Fossilienfreund mit seinem im Jahre 1967 erschienenen Buch „Nach Millionen Jahren ans Licht“. Drei Auflagen mit insgesamt 9.000 Exemplaren machten es zu einem Bestseller in der populärwissenschaftlichen Literatur der Paläontologie. Bereits Ende der achtziger Jahre erfüllte seine Sammlung alle Kriterien für eine langfristige Sicherung der Bestände. Das Konzept, lebende und fossile Tiere in einer Ausstellung zu verbinden, führte zu der Idee, den bestehenden Tierpark mit einem „Fossilium“ zu verknüpfen. Die feierliche Eröffnung des Fossiliums fand am 28. Juni 1996 statt. Seitdem spiegelt sich das Konzept „Tierpark und Fossilium“ in einem neuen Logo wieder, auf dem Hai und Ammonit miteinander erscheinen.
Am 4. Oktober 2004 erhielt Helmut Leich in Göttingen die renommierte Karl Alfred von Zittel-Medaille der Deutschen Paläontologischen Gesellschaft. Mit dieser Medaille werden von der Gesellschaft Privatpersonen gewürdigt, die sich in herausragender Weise um die Paläontologie verdient gemacht haben. Tierpark und Fossilium werden Helmut Leich ein bleibendes Andenken bewahren. So sollen die Ikonen der Sammlung, die weit über Bochum hinaus in der Wissenschaft und Schulausbildung auch internationale Bedeutung besitzen, besser ins Licht gesetzt werden. Zu den bedeutendsten Fossilien aus der Sammlung Helmut Leich zählen 150 Millionen Jahre alte Flugsaurier, Pleurosaurier, Schildkröten und Brückenechsen. Viele der jurazeitlichen Lebensformen wie die Ammoniten sind ausgestorben, andere wie die Brückenechsen und der Nautilus existieren heute noch als lebende Fossilien. Seit 2013 ist der Tierpark + Fossilium Bochum Mitglied in der Vereinigung westfälischer Museen und gilt als anerkanntes Naturkundemuseum. Mit der Sammlung Helmut Leich können die Besucher des Tierparks aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Ralf Slabik und Dr. Martin Röper, 30.11.2016 – PM Tierpark Bochum