Nachwuchs bei den Drills im Erlebnis-Zoo Hannover

Katara mit Jungtier – Foto: Erlebniszoo Hannover

Folgenschwere Begegnung
Als Katara das neue Männchen zum ersten Mal sah, lief sie glatt vor einen Baum. So sehr war das junge Drillweibchen damit beschäftigt, den Neuen im Erlebnis-Zoo Hannover anzuhimmeln (also dem Auserwählten ihr Hinterteil zu präsentieren und ihm dabei kokett über die Schulter in die Augen zu sehen – wie man das in Drillkreisen eben so macht), dass sie alles andere vergaß. Zum Beispiel, gelegentlich nach vorne zu sehen.
Über zwei Jahre hatten die drei Drilldamen Liza, Daphne und Katara ohne Männchen gelebt, nachdem ihr Clanchef Sumbo gestorben war. Und dann kam N’Guru. Der Neue stammt aus dem Zoo Wuppertal, ist seit Herbst 2012 in Hannover. Sein Erscheinen versetzte die Weibchen in große Aufregung, jede wollte sofort Lieblingsweibchen des imposanten Männchens werden. N’Guru – ganz Chef – blieb gelassen. Nur hin und wieder haute er drohend mit der flachen Hand auf den Boden, wenn um ihn herum zu viel weiblicher Trubel herrschte. Katara (5) als Jüngste der Gruppe beachtete N’Guru zunächst überhaupt. Nicht mal ihre spektakuläre Baumumarmung erregte sein Interesse. Was Katara nicht abschreckte. Unverdrossen flirtete sie weiter. Bis N‘Guru eines Tages dem Charme des quirligen Drillweibchens erlag. Eine folgenschwere Begegnung: Am 4. September brachte Katara ihr erstes und das erste Baby des neuen Drill- Clanchefs zur Welt. Der winzige männliche Nachwuchs ähnelt weder Mutter noch Vater. Statt der typisch schwarzen Gesichtsmaske hat es zartrosa Haut (dunkel sind nur die Augen, die in dem hellen Gesicht umso mehr auffallen) und wo bei den Eltern am Gesichtsrand langes helles Fell mit goldenen Sprenkeln wächst, sprießen beim Baby gigantische Segelohren.
Katara liebt ihr Baby dennoch. Obwohl es ihr erstes Baby ist, verhält sie sich vorbildlich, trägt ihren Kleinen behutsam und hält schützend ihren Körper über sie gebeugt. Das Baby blickt gelegentlich ein wenig verwundert über all den Trubel unter den Armen der Mutter hindurch. Dann beugt sich Katara gleich wieder über das Baby und gewährt nur hin und wieder gnädig einen Blick auf ihren kostbaren Schatz.

Stark bedroht
Ein Schatz ist der Nachwuchs tatsächlich: Drills gehören nicht nur zu den beeindruckendsten, sondern auch zu den am meisten bedrohten Affenarten der Welt.
Der Drill lebt in Kamerun, Nigeria und auf der Insel Bioko in einem natürlichen Verbreitungsgebiet von weniger als 50.000 Quadratkilometern. Aufgrund des kleinen Gebietes, der zunehmenden Zerstörung ihres Lebensraumes und der schonungslosen Jagd auf die Affen sind die Drills stark bedroht. Ihr Bestand wird
heute nur noch auf etwa 3.000 Tiere geschätzt!
Der Zoo Hannover beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Drills, um so dazu beizutragen, diese stark bedrohte Tierart vor dem Aussterben zu bewahren.

Quelle: PM Erlebniszoo Hannover