Nachwuchs bei den Faultieren im Zoo Zürich

Faultiernachwuchs – Foto: Zoo Zürich

Das Faultier – zu Unrecht belächelt
Der spanische Chronist Gonzalo Fernández de Oviedo beschrieb 1526 das Faultier als das «hässlichste und nutzloseste Tier, das sich sehr von allen anderen unterscheidet». Die lethargische Lebensweise brachte er mit einer außergewöhnlich geringen Intelligenz in Verbindung, «es ist das dümmste Tier, dem wir begegnen konnten». Zudem ernähre sich das Faultier ausschließlich von Luft und schlucke den Wind mit großem Vergnügen.
Tatsächlich sind Faultiere aber hochspezialisierte Baumbewohner des amazonischen Regenwaldes, die sich durch ihre Fremdartigkeit und langsame Fortbewegung auszeichnen. Faultiere verbringen die meiste Zeit hoch oben in den Baumkronen, hangelnd oder an Ästen hängend. Sogar ihre Anatomie ist auf ein Leben kopfunter ausgerichtet. Der Haarscheitel befindet sich auf der Bauchseite, sodass das Regenwasser gut abfließen kann. Die Hände und Füsse des Zweizehen- Faultiers sind zu steifen Sicheln umgewandelt und tragen zwei, beziehungsweise drei gekrümmte, kräftige Krallen. Bereiche der Wirbelsäule und des Beckens sind durch zusätzliche Gelenkbildungen versteift. Faultiere gehören zusammen mit den Ameisenbären und Gürteltieren zur Ordnung der Nebengelenktiere.

Faulenzen als Erfolgsmodell
Sind Faultiere wirklich faul? Nicht im menschlichen Sinne. Faultiere besitzen als einzige Säugetiere eine Muskulatur, die zu schnellen Reaktionen gar nicht fähig ist. Daher die langsame Fortbewegung. Ihr ganzer Organismus ist auf Langsamkeit ausgerichtet und damit sind die Faultiere sehr erfolgreich. Die langsame Bewegungsart, gekoppelt mit kurzen Aktivitätszeiten in der Dämmerung oder während der Nacht, führen dazu, dass die Faultiere in den Baumkronen relativ sicher sind vor Fressfeinden wie großen Greifvögeln oder Schlangen. Eine überaus interessante Symbiosebeziehung perfektioniert diese Tarnung. Im feuchten, warmen Fell der Faultiere siedeln sich nämlich mikroskopisch kleine Algen an, die fest in der rauen, gefurchten Haaroberfläche verankert sind. Die blaugrüne Farbe der Algen verleiht den Faultieren eine «Tarnkappe» im immergrünen Blattwerk. Zweizehen-Faultiere sind Blätter- und Früchtefresser, die über 50 Baumarten nutzen können. Ihre Hauptkonkurrenten sind Blattschneiderameisen. Der spezialisierte Magen vermag selbst schwer verdauliche Pflanzenbestandteile, wie etwa Zellulose, aufzuspalten. Dazu ist die Verweildauer der Nahrung im Magen sehr lange. Der Kotabsatz geschieht nur alle sechs bis zehn Tage. Dabei begibt sich das Faultier auf den Boden und düngt so den Baum, bei dem es zuvor Teile des Laubwerkes abgefressen hat – ein perfektes Recycling! Faultiere sind hochentwickelte Energiesparer. Ihr Basismetabolismus verbrennt nicht einmal die Hälfte der Energie, die ein etwas gleich großes, durchschnittliches Säugetier verbrennt. Die Körpertemperatur ist mit 34,5°C recht tief und sinkt bei kühlen Außentemperaturen sogar gegen 24°C ab. Über den Status des Zweizehen-Faultiers in der Wildnis gibt es keine genauen Angaben. Die fortschreitende Zerstörung seines Lebensraumes führt aber zwangsläufig zu einer bedrohlichen Bestandesdezimierung; jede Minute verschwindet weltweit Wald in der Größe von 35 Fußballfeldern.

Zuwachs im Zoo Zürich
Die Zweizehen-Faultiere werden in einem Europäischen Zuchtbuch erfasst, das vom Zoo in Halle aus geführt wird. Zurzeit befinden sich ungefähr 220 Zweizehen- Faultiere in diesem Zuchtbuch. Die Nachzuchtzahlen bewegen sich bei etwas mehr als einem Dutzend pro Jahr. Zahlreiche Zoos des Verbands europäischer Zoos und Aquarien EAZA möchten mit der Haltung dieser spannenden Säugetierart beginnen. Die Nachfrage nach Jungtieren ist entsprechend gross. Faultiere können über 30 Jahre alt werden. Der Zoo Zürich hält seit 1967 Zweizehen-Faultiere, 1990 wurde hier das erste Faultier geboren. Seither erblickten 26 weitere Jungtiere das Licht der Welt. Zurzeit sind drei erwachsene Tiere: das Männchen LEROY und die Weibchen PRINZESSIN und MEITE im Bestand. Beide Weibchen haben in den letzten Monaten ein Junges geboren, jedoch starb das Jungtier von MEITE leider im Alter von wenigen Tagen. Das sechs Monate alte Jungtier von PRINZESSIN entwickelt sich prächtig und bedient sich am Futterteller bereits mit fester Nahrung. Dieser wird von den Tierpflegenden täglich mit gekochten Kartoffeln, Rüebli und Eiern, eingelegtem Reis und Weizen sowie verschiedenen Gemüsesorten bestückt. In den nächsten Wochen und Monaten wird das Junge zunehmend selbstständig werden und sich von der Mutter lösen. Bereits sind die ersten Anzeichen dafür zu erkennen. Das Geschlecht des Jungtieres ist noch nicht bekannt, daher hat es auch noch keinen Namen.
Es ist ein friedliches Zusammensein in der Faultiergruppe. LEROY ist sehr umgänglich und seine überaus große Kraft bringt er so gut wie nie zum Einsatz. Oft kann man die sonst einzelgängerischen Tiere auch zusammen in einem großen Fellknäuel hängend beobachten. Faultiere sonnen sich außerdem sehr gerne. Sie steigen dann ganz hinauf unter das Glasdach ihrer Anlage und legen sich genüsslich in die Sonne.

Quelle: PM Zoo Zürich

1 reply to this post
  1. Ist das süß! Hab mir im September erst (erwachsene) Faultiere im Zoo von Frankfurt angeschaut. Das ist echt toll, wie die sich bewegen können. Auch wenn alles sehr langsam geschieht, ist es doch irgendwie anmutig.